Energiewechsel

Weingarten: Wann ist es sinnvoll, eine Genossenschaft zu gründen?

Pressemeldung vom 25. Juli 2012, 10:53 Uhr

In Weingarten sind Überlegungen im Gange, eine Bürgergenossenschaft zu gründen (wir berichteten). Die
treibende Kraft ist Heinz Schammert, der aus dem Anliegen heraus, die sozialen Hilfsangebote in Weingarten
zu bündeln und zu vernetzen, bereits zwei Abende unter dem Gesichtspunkt einer Genossenschaftsgründung
einberufen hatte. Zur Weiterführung des Themas hatte Schammert als Vorsitzender der Freien Wähler in der
vergangenen Woche im Rahmen der Reihe bürgeroffener Informationsveranstaltungen der Freien Wähler
einen Referenten eingeladen. Der Gründungsberater des Baden-Württembergischen
Genossenschaftsverbandes, Michael Roth, sollte die Zuhörer im Turmzimmer des Rathauses über Sinn und
Zweck von Genossenschaften informieren, über die verschiedenen Arten sowie die notwendigen
Voraussetzungen einer Gründung. „Genossenschaften mit der Ausgangsidee, was einer nicht schaffen kann,
machen viele möglich, gründen sich gern in Krisenzeiten, wenn die Bürger das Bedürfnis haben, ihre Anliegen
selbst in die Hand zu nehmen“, begann der Experte. Die Leitidee sei eine wirtschaftliche Beteiligung aller
Mitglieder, kein Einsatz von Mindestkapital und ein vorrangiges Förderprinzip. Beispiele brachte er aus den
Bereichen „Nahversorgung“, „Sozialer Bereich“ und „Energie“. So sei ein Dorfladen, den es mittlerweile auch
bereits in verwaisten Stadtteilen gebe, unter bestimmten Voraussetzungen ein Erfolgsmodell. Erforderlich
seien ein großes ehrenamtliches Engagement, ein bedarfsorientiertes Sortiment und nicht zuletzt ein
ansprechendes Ambiente. Für den Sozialen Bereich streifte Roth kurz das Riedlinger Modell. Den
Schwerpunkt seines Vortrags legte er allerdings auf Energiegenossenschaften. Er sprach ausführlich über
Photovoltaik und Windkraftanlagen, nannte Risiken und Chancen, Voraussetzungen und gelungene Beispiele.
Einige der Zuhörer fragten allerdings gerade den Sozialen Bereich nach, erkundigten sich nach Wohnformen
im Alter, äußerten in Gesprächen am Rande eigene Absichten. Roth wies darauf hin, dass das Modell einer
Genossenschaft für derartige Bedürfnisse zu groß sei. Eine Genossenschaft sei erst lohnend bei mehreren
hundert Mitgliedern und einem sechsstelligen Jahresumsatz, da nicht unerhebliche Fixkosten vorhanden
seien. Dazu gehörten Gründungsgebühren, Prüfungsgebühren und anderes. Für solche Vorhaben sei es
besser, einen Verein zu gründen – auch die Riedlinger sind ein eingetragener Verein – und wenn dieser sich
als Erfolgsmodell erweise, dann könne er immer noch in eine Genossenschaft umgewandelt werden. Sollte
eines Tages Bedarf und Interesse an einer Genossenschaftsgründung bestehen, sei er gerne zu einer
näheren Beratung bereit.

Quelle: Gemeinde Weingarten

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