Energiewechsel

Weingarten: So singt Europa

Pressemeldung vom 27. Juni 2012, 10:26 Uhr

Die Freude am Schönen mit anderen teilen zu wollen ist tief in der Natur des Menschen angelegt. Der daraus
resultierende Austausch an Kenntnissen und Erfahrungen hat unsere Innovationskraft und Kreativität
weiterentwickelt und unsere weltumspannende Zivilisation entscheidend geprägt. Nicht nur technische,
sondern auch kulturelle Errungenschaften wanderten schon immer unaufhaltsam rund um den Globus, und
damit ist es nicht verwunderlich, dass auch schon in den frühen Jahren des Gesangvereins „Liederkranz“ im
vorvergangenen Jahrhundert die Teilnahme an Freundschaftssingen und musikalischen Wettbewerben auf
der Tagesordnung stand. Natürlich waren diese Zusammenkünfte anfangs auf den süddeutschen Raum
begrenzt. Hundertundfünfzig Jahre nach der Vereinsgründung haben sich unser Horizont und unsere
Reichweite nun so sehr erweitert, dass das internationale Chortreffen am vergangenen Festwochenende in
der Weingartener Walzbachhalle von einer erstaunlichen Routine und Leichtigkeit geprägt war. Fast
selbstverständlich wurden die Gastchöre aus Spanien, England, Frankreich und Belgien von Jacqueline
Henning als Moderatorin in ihrer jeweiligen Landessprache begrüßt, wie überhaupt sämtliche sprachlichen
Barrieren aufgehoben waren und es für die ausländischen Chöre geradezu als Freude erschien, den
Weingartener Gastgebern ein musikalisches Geschenk in deutscher Sprache zu präsentieren. Doch nun der
Reihe nach:
Den musikalischen Einstieg in das Programm lieferte der aus Abrera in Spanien angereiste „Coral
Contrapunt“. Fest in der Tradition ihrer katalanischen Heimat verbunden boten die Sängerinnen und Sänger
unter Leitung von Oriol Hernandez einfühlsame folkloristische Weisen dar, die das Publikum spontan an das
südlich der Pyrenäen am Mittelmeer gelegene Land versetzten. Lieder von Natur, Sehnsucht und Liebe
begeisterten von Anfang an die Zuhörer, die im Anschluss an diese eindrucksvolle Darbietung jedoch mühelos
den Sprung nach England verkrafteten, der kontrastreicher kaum hätte ausfallen können: Witzig, mit einer
deftigen Prise Selbstironie und einer geradezu bewundernswerten Stimmsicherheit ausgestattet brachte das
Frauenquartett „Mixed 4 Tunes“ aus Hertfordshire das Publikum schon nach wenigen Takten auf seine Seite,
und die Ladies bewiesen eindrucksvoll, dass in der nördlich von London gelegenen Region Gesangskunst auf
höchstem Niveau gepflegt wird. Das Gleiche, nur in männlich, praktizierten direkt im Anschluss daran die
„Tuesday Knights“, vier britische Gentlemen, die ursprünglich den Dienstagabend für ihre Chorproben gewählt
hatten, nach der Verlegung des Probenabends ihren Namen „Dienstagsritter“ jedoch beibehalten hatten. Auch
an einem Samstagabend vermochten sie ihre Zuhörerinnen und Zuhörer stimmlich zu überzeugen, ihre
Melodien aus der Popmusik der sechziger Jahre wirkten ihnen wie auf den Leib geschneidert, authentisch,
spritzig und mit bewundernswerter Lässigkeit vorgetragen.
Mit den Musikstücken „Dona nobis pacem“ und einer Suite franco-allemande hatte der Chor „La Villanelle“ aus
Pompey in der Nähe von Liverdun die richtige Wahl getroffen. Wer hätte es noch vor fünfzig Jahren für
möglich gehalten, dass sich Chöre aus den beiden europäischen Nationen, die über Jahrhunderte
gegeneinander anrannten, dereinst so freundschaftlich begegnen und die Volkslieder des Nachbarn mit der
gleichen Sorgfalt und Leidenschaft wie die eigenen vortragen sollten? Die bunten Flaggen auf der Bühne und5/122
auf den Tischen der Walzbachhalle waren Zeichen dafür, dass Europa trotz aller derzeitigen Hiobsbotschaften
aus der Welt der Finanzen menschlich zusammengewachsen ist. Auch die französischen Chansons und die
Gospelstücke des Chores aus Lothringen vermochten die gespannt lauschenden Zuhörer zu begeistern und
bereiteten das Publikum auf eine musikalische Besonderheit aus Belgien vor: Acht Sängerinnen und Sänger
aus Waterloo, teils professionelle Musiker, teils leidenschaftliche Amateure spannten einen weiten Bogen von
der Musik des sechzehnten Jahrhunderts bis zu modernen Werken von Komponisten wie Eric Whitacre oder
des Finnen Pekka Kostiainen. Während im landläufigen Sprachgebrauch der Begriff „Waterloo“ sich für eine
grandiose Niederlage etabliert hat demonstrierte das belgische Ensemble das exakte Gegenteil dessen und
führte das Publikum nicht zuletzt mit seinen sensibel und transparent vorgetragenen Balladen zu einem selten
erlebbaren musikalischen Höhenflug. Somit lag die Messlatte schon recht hoch für die aus Heidelsheim
angereiste Chorgruppe „G’sang for fun“, einen seit knapp zehn Jahren bestehenden Ableger des dortigen
Traditionsvereins „Liederkranz“. Unter Leitung ihrer Dirigentin Jutta Zimmermann zelebrierte die Formation
Chormusik ohne Tabus und ohne Limits, machte selbst vor afrikanischer Folklore und modernem Technobeat
nicht Halt und führte vor, was mit Begeisterung, Disziplin, Innovationskraft und Ideenreichtum in unserer
Region stimmlich möglich ist. Es entsprach einem schon lange gehegten Wunsch vieler Chorgruppen, ein
gemeinsames Stück zum Abschluss der Veranstaltung vorzutragen, und so fanden sich gegen Ende der
gesanglichen Darbietung weit über hundert Sängerinnen und Sänger auf der Bühne, um das in den
vergangenen Monaten in über ganz Europa verstreuten Probenräumen einstudierte „Edelweiß“ aus dem
Musical „The sound of music“ miteinander verschmelzen zu lassen und zur Aufführung zu bringen.
Musikliebhaber, Schirmherr und Bürgermeister Eric Bänziger sprach allen Chorleitern zum Ende der
Veranstaltung seine Anerkennung für ihre musikalische Leistung aus und überbrachte in Form eines
Gastgeschenks den Dank der Gemeinde Weingarten für eine hochkarätige kulturelle Veranstaltung.

Quelle: Gemeinde Weingarten

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