Energiewechsel

Weingarten: Nur Übung macht den Meister

Pressemeldung vom 11. Juli 2012, 09:34 Uhr

Ein Wagen mit zwei jungen Männern kommt aus ungeklärter Ursache von der Fahrbahn ab. Er schlittert rechts
gegen die Leitplanke, schleudert nach links und bleibt an einem Baum hängen. Die beiden Insassen werden
schwer verletzt. Eine Situation, wie sie auf den Straßen oft genug vorkommt. Eine „ungeklärte Ursache“ kann
vieles bedeuten: überhöhte Geschwindigkeit, Sekundenschlaf, eventuell ein Ausweichmanöver, ein
drängelnder Hintermann.
Am Montagabend auf der Zufahrt zur Forsthütte handelte es sich nur um eine Übung. Die Weingartener Firma
Schüro hat das Unfallfahrzeug mitsamt dem Anhänger zur Verfügung gestellt.
„Ein ganz alltäglicher Verkehrsunfall“ sagen die „Erfinder“ Christian Gerber, Nicole Russel und Joachim Pech,
„aber wir müssen solche Dinge üben, weil wir sehr oft zu technischer Hilfeleistung bei Unfällen gerufen
werden“.
Dass dieses regelmäßige Üben, jeweils an einem anderen Objekt, mit anderen Vorgaben, unter schwierigen
Umständen, Sinn macht, wird dem Zuschauer augenfällig. Nicht die Schauübungen sind es, sondern dieser
ganz normale Alltag ist es, der die Routine bringt, die dem Hilfsbedürftigen im Ernstfall zugute kommt.
Die rechte Tür des Fahrzeugs lässt sich nicht mehr öffnen, der Zugang über die linke Seite ist durch den
Baum versperrt. Als erste trifft die Notfallhilfe des Weingartener Rotkreuz am Unfallort ein und es beginnt ein
schulmäßiger, geordneter Ablauf. Der Einsatzleiter fragt das Schema ab, klärt die Situation und entscheidet
über den nächsten Schritt. Über die Seitenfenster und durch das Heckfenster verschafft sich die Helfer
Zugang zu den Verletzten.
In der Zwischenzeit ist die Feuerwehr mit drei Fahrzeugen eingetroffen, zwischen 20 und 25 Mann stehen
bereit. Der eingespielte Vorgang einer Türöffnung beginnt. Nicole Russel berichtet, die Feuerwehr habe
erfreulichen Zuwachs bekommen, junge Menschen teils aus der eigenen Jugend, teils als Quereinsteiger,
aber trotzdem noch nicht mit allem Gerät vertraut. Auf dem Bauhof hätten sie schon probeweise ein Fahrzeug
mit Holzkeilen und Blöcken abgestützt und mit Schere und Spreizer hantiert, um ein Gefühl für das Gerät zu
bekommen, um das in aller Ruhe auszuprobieren. Die Fahrzeuge seien mit Personen besetzt gewesen, die
Rückmeldung gaben, welche Wirkung die Arbeit der Feuerwehrleute auf die „verletzten“ Insassen ausübt.
„Das breite Spektrum an Einsätzen, die wir abdecken müssen, erfordert, dass wir immer wieder alle möglichen
Szenarien durchspielen, damit die Abläufe präsent bleiben“ sagt sie.
Die Einsatzleiter von Feuerwehr und Rotkreuz treffen sich am Fahrzeug und beurteilen gemeinsam die Art und
Weise der Rettung: Muss sie so schnell wie möglich geschehen oder ist für den Patienten noch etwas Zeit und
er kann auf schonendere Weise gerettet werden. „Die Kommunikation zwischen den beiden Hilfskräften ist
unerlässlich“ sagt Christian Gerber, „damit die Situation geklärt ist und das Richtige veranlasst wird“. Die
Besatzung des zweiten Feuerwehrfahrzeugs leistet Zuarbeit. Eine zweite yaHyhakkkk HH Hydraulik wird10/134
herbeigebracht und schließlich wird die Vorderscheibe mit einer Säge entfernt und das Dach abgeklemmt.
Schlussendlich werden die beiden Insassen, jetzt schon gut versorgt mit Halskrause und Infusionsflasche,
über ein Rettungsbrett aus dem Fahrzeug befreit. Eine Stunde hat es gedauert. „Vielleicht ein wenig länger als
erwartet, aber es ist unbedingt notwendig, dass auch die Jüngeren mal dran kommen und man ihnen die Zeit
gibt, diese Dinge in der Übung richtig zu machen“ sagt Joachim Pech. „Dafür sind Übungen da.“
Die beiden jungen Männer sind in der Annahme mit dem Leben davon gekommen. Weil eine Freiwillige
Feuerwehr zur Stelle war, die gewusst hat, was zu tun war. Weil sie die Übersicht hat und die notwendigen
Handgriffe geübt hat, immer wieder, abends, sonntags, in der Freizeit, im Bewusstsein einer hohen
Verantwortung.

Quelle: Gemeinde Weingarten

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