Energiewechsel

Weingarten (Baden): Weingartner Musiktage

Pressemeldung vom 22. Oktober 2013, 11:48 Uhr

„Duo Riul“ im Autohaus Morrkopf
„In einem Autohaus zu spielen ist für uns auch mal was Besonderes, aber passend zur neuzeitlichen Musik“ begrüßten Sebastian Manz und Martin Klett die Zuhörer, die den akustikerprobten gläsernen Konzertsaal an der Durlacher Straße bis auf den letzten Platz füllten. Es war der Starauftritt der Konzertreihe „Weingartner Musiktage“. Der 26jährige Klarinettist Sebastian Manz ist zweifacher ECHO Klassik-Preisträger und gilt als gefragtester Solist und Kammermusiker der jungen Generation. Der Pianist Martin Klett wurde mehrfach mit internationalen Preisen ausgezeichnet. Seit 2008 sind die Beiden in fester kammermusikalischer Zusammenarbeit als „Duo Riul“ zu hören. In Weingarten spielten sie ihr amerikanisches Programm „In Rhythm“. „Drei Preludes für Klarinette und Klavier“ von George Gershwin waren der richtungsweisende Auftakt für einen grandiosen Abend, der das Publikum von den Stühlen riss. Es folgte die „Pocket Size Sonata“ von Alec Templeton, eine selten gespielte Rarität. „Den dritten Satz mit vielen Elementen von Jazz finden wir total genial“, sagte Manz. Schon diese Beschreibung gab einen Blick frei auf die Qualität des freudig inspirierten und mitreißenden Zusammenspiels der beiden erstklassigen Musiker. Zugleich nötigten rasante Läufe und komplizierte, aber brillant gespielte Passagen dem Publikum höchste Anerkennung ab. Mit Steve Reichs „New York Counterpoint“ folgte ein Stück „Minimalmusik“, das aber eher geteilte Meinungen auslöste. In elf kleinen Sequenzen wurde der Klarinettist von einem Synthesizer begleitet. In steter Wiederholung ein und desselben Motivs entstand – Rhythmus pur – ein witziges Pingpong der Klänge. In Aaron Coplands „Konzert für Klarinette und Klavier“ weilte der erste Satz in weiten, verträumten Landschaften, bevor im zweiten Satz hohes Tempo und Klangdichte zurückkehrten. Verhalten und etwas wehmütig begann Leonard Bernsteins Sonate, um im dritten Satz jäh in ein schnelles Tempo zu wechseln. Martin Klett, seit vielen Jahren intensiv solistisch und kammermusikalisch tätig, hat viele Stücke aus dem Repertoire der Beiden für Klavier und Klarinette selbst arrangiert. Einen Solovortrag präsentierte er in Heitor Villa-Lobos Chorus No. 1 für Klavier solo. „Die Südamerikaner verstehen zu leiden und zu feiern“, brachte er selbst die Bandbreite dieses gefühlvollen Stücks auf den Punkt. Nahezu meditativ klang sein Vortrag in einem butterweichen Piano aus. Kletts Bearbeitung des „Revirado“ von Astor Piazzolla brachte die rasante Farbigkeit der Komposition bestens zur Geltung. David Milhaud habe mit „Scaramouche“ „einen Klassiker für Benny Goodman“ geschrieben, erklärte Manz, der generell gerne die Moderation der Konzerte übernimmt. Der erste Satz verriet ein tänzerisches Thema, im zweiten in „moderato“ hielten Klavier und Klarinette eine zärtliche Zwiesprache und der dritte zeigte mit folkloristischen Anklängen Inspirationen aus Südamerika. Der furiose Schluss befeuerte den Applaus des Publikums, der mit zwei Zugaben belohnt wurde.

Quelle: Bürgermeisteramt Weingarten (Baden)

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