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Weingarten (Baden): WEIHNACHTSMÄRKTE

Pressemeldung vom 1. Dezember 2015, 14:33 Uhr

Irgendwo bin ich in einen Weihnachtsmarkt geraten. Fragen Sie mich nicht, wieso. Freiwillig sicher nicht. Ich muss mich verirrt haben. Dort fiel mir der Mann auf, der irgendwie so gar nicht in diesen Rummel passte. Sein Blick war so aufmerksam. Dabei hatte ich das Gefühl, dass ihn die Stände und die Schankbuden überhaupt nicht interessierten, die Menschen aber um so mehr. Unwillkürlich musste ich an die Warnungen denken, die kursierten, seit jenen Tagen in Paris. Aber der Mann hatte weder ein Gepäckstück bei sich, noch war er auffällig angezogen, die Kontur seines Körpers war gut zu erkennen. „Haben Sie sich auch hierher verirrt?“ Ich begriff im ersten Moment gar nicht, dass er mit dieser Frage mich meinte. „Ja, das heißt nein. Ich bin freiwillig da. Aber ich weiß eigentlich nicht, warum? Er erwiderte: „Ich weiß es auch nicht. Das heißt: eigentlich schon?“ Ich fragte zurück: „Und warum sind Sie da?“ Er: „Ich suche – Menschen.“ Ich erschrak. „Und warum?“ stolperte es aus mir heraus? Er: „Ja das ist so eine Angewohnheit von mir. Obwohl sie mit mir nicht gut umgegangen sind, suche ich sie, die Menschen. Aber sagen Sie mir, was ist hier eigentlich los?“ Ich starrte ihn jetzt offen an. „Ist das Ihr Ernst? Das ist ein Weihnachtsmarkt. Und Sie wissen das ganz genau.“ Er: „Nein. Was ist ein Weihnachtsmarkt?“ Er sagte das so jenseitig von Gut und Böse, dass ich geneigt war, ihm zu glauben. Ich beschloss, direkt zu werden. „Immer vor Weihnachten, also im Advent, gibt es solche Märkte bei uns. Das hängt mit Weihnachten zusammen, ein christliches Fest. Es geht um die Geburt Christi, in Bethlehem, vor vielen Jahren.“ Er schaute mich völlig entgeistert an. „Das feiern die Menschen? Das feiern sie heute noch? Das mit der Geburt ist doch schon lange her. Sehr lange her.“ Ich fasste ihn beim Handgelenk. „Also wissen Sie doch Bescheid.“ Er schien nicht zugehört zu haben. Nur langsam fand er zurück in mein Gesicht und sagte nur noch: „Das ist ja . . . das ist ja unglaublich! Dann bin ich – ja doch nicht umsonst gestorben:“ Sagte es und war verschwunden. Mir blieb nur dieses letzte Leuchten in seinem Gesicht.Aber seither sehe ich Weihnachtsmärkte mit anderen Augen. Gesegneten Advent!

Quelle: Bürgermeisteramt Weingarten (Baden)

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