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Weingarten (Baden): „Lokale Allianz“ für Menschen mit Demenz

Pressemeldung vom 9. September 2014, 13:11 Uhr

Nun beteiligt sich auch Weingarten als einer von 500 angestrebten Standorten an dem Bundesprojekt „Lokale Allianzen für Menschen mit Demenz“. Eine Vernissage zu einer Ausstellung mit dem Titel „Das Leuchten in den Augen“ bildete im Haus Edelberg die Auftaktveranstaltung. Hausleiterin Kerstin Hartmann begrüßte die Vertreter der an dieser Allianz beteiligten Organisationen und sagte, sie freue sich, dass der Pflegestützpunkt und die Gemeinde Weingarten in den Genuss dieser Förderung gekommen seien. Kooperationspartner im Netzwerk Weingarten sind: Das Familienzentrum „Allerdings“, das auch die Koordination übernimmt, das Haus Edelberg, die Kirchliche Sozialstation Stutensee-Weingarten, die Evangelische Kirchengemeinde, Bürger helfen Bürgern e.V., der Ortsseniorenrat, die „Weingartner Musiktage“ und der Gewerbeverein Weingarten. Bürgermeisterstellvertreter Klaus Holzmüller sprach für die Gemeinde. Derartige Einrichtungen gewinnen zunehmend mehr an Gewicht und darum freue er sich, dass die Gemeinde in der neuen Gemeinderatskollegin Kerstin Hartmann solch eine engagierte Mitarbeiterin gefunden habe. Die Geschäftsführerin der Sozialstation, Margit Seigfriedt, erklärte Sinn und Zweck einer solchen „Allianz“. Es gehe darum, einerseits aufgrund des immensen Fortschreitens der Krankheit Demenz die Öffentlichkeit zu sensibilisieren, andererseits diesen Menschen Teilnahme zu ermöglichen. Nach dem Motto „Jung und Alt gemeinsam“ will die „Lokale Allianz“ Weingarten „mit einem Strauß von Veranstaltungen ein Stück weit Normalität bringen und die Krankheit aus der Tabuzone herausholen“, sagte sie. Dazu dienen gemeinsame Feste, Vorträge, Diaschauen, gemeinsame Gottesdienste und mehr. Eine dieser Veranstaltungen sei die Ausstellung mit der heutigen Vernissage. Der Geschäftsführer der Edelberg-Gruppe, Michael Wipp, sprach ebenfalls von einer rasanten Entwicklung der Krankheit. Die Pflegeheime seien stark betroffen, denn meist liege die Ursache für Schwerstpflegebedürftigkeit in der Demenz. Auch Krankenhäuser seien dafür nicht gerüstet, obwohl bereits jeder vierte Patient daran leide. Die Handhabung von freiheitsentziehenden Maßnahmen müsse überdacht werden: Wie weit kann Lebensqualität ermöglicht werden, wo beginnt das Risiko. Demenz sei kein medizinisches Problem, sondern ein gesamtgesellschaftliches, dessen Bewältigung nur durch Netzwerke zu schaffen sei. Schlussendlich führte Klaus Mathuse vom Gerontopsychiatrischen Zentrum in Wiesloch in die Ausstellung ein: Sie zeige Gesichter von Menschen mit Demenz und es gehe darum, Berührungsängste abzubauen. Mehrere Bewohner des Hauses zeigten einen rhythmischen Sitztanz mit bunten Tüchern und die Sängerin Julia Carl sang mit ihrer klaren wohlklingenden Stimme mehrfach zwischendurch ausdrucksvolle und das Thema unterstreichende Lieder. In der anschließenden Besichtigung der Ausstellung waren Bilder des Fotografen Sven Fritsch zu sehen. Über Monate hatte er die Sozialarbeiterin Monika Hanke, ebenfalls Fachkraft am PZN, bei ihrer Arbeit mit demenzerkrankten Patienten begleitet und mit der Kamera Augenblicke der Erinnerung festgehalten. Hanke legt den Schwerpunkt ihrer Arbeit auf Milieutherapie, in dem sie die Männer und Frauen mit einem „Erinnerungszimmer“ konfrontiert. Diese äußere Atmosphäre weckt das Langzeitgedächtnis und regt zum Sprechen an. Sie gewinnt sie dadurch zum Erzählen über sich selbst, über ihre Jugend und ihre Erlebnisse. „Dann sehe ich ein Leuchten in ihre Augen treten“, sagte sie bei derselben Gelegenheit in einem anderen Edelberg-Haus, „und dieses Leuchten wollte ich einfangen“. So kam die Idee mit den Fotografien zustande. Jedem Foto ist ein Schlüsselsatz zugeordnet, der in diesen Situationen entstanden ist. Die Ausstellung ist noch bis zum 18. September zu sehen.

Quelle: Bürgermeisteramt Weingarten (Baden)

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