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Weingarten (Baden): Kleines Konzert in der evangelischen Kirche

Pressemeldung vom 26. November 2013, 14:25 Uhr

„Da war keine Angst mehr…“: Titel und roter Faden eines beeindruckenden Konzerts aus der Reihe „Musik
und Wort“. Sebastian Wielandt musizierte am Marimbaphon und Eberhard Blauth las Texte zu Tod und
Ewigkeit. Der 19jährige Wielandt studiert seit 2007 als Vorschüler an der Musikhochschule Karlsruhe, ist
dreifacher Bundespreisträger von „Jugend musiziert“, Mitglied des Bundesjugendorchesters und erhielt in
2012 beim IV. internationalen Marimba-Wettbewerb einen ersten Preis mit Auszeichnung. Am Sonntagabend
in der evangelischen Kirche beeindruckte er das – für diese Konzertreihe vergleichsweise zahlreiche –
Publikum mit einer faszinierenden Spielweise und einem ausgeprägten Engagement. Johann Sebastian Bach
war ein passender, weil etwas düsterer Einstieg für den Ewigkeitssonntag, den Tag der Trauer und des
Gedenkens an die Verstorbenen. Ebenso der erste Lese-Beitrag mit Rainer Maria Rilkes Gedicht
„Todes-Erfahrung“. Ein Stück von Claude Debussy brachte in zartem Pianissimo die romantische Antwort auf
Rilkes Gedicht „Der Tod der Geliebten“. Ein Wendepunkt zu einer Atmosphäre positiver Gelassenheit, die
auch die nachfolgenden Texte prägte, war Leo Tolstois Geschichte von einem Sterbenden, der große Angst
hat. Erst die Hand seines Sohnes zeigt ihm den Weg, Sterben als Erlösung und Erleicherung zu sehen. Und
plötzlich war keine Angst mehr. Mit Entschlossenheit und Dynamik ließ Wielandt die Schlägel rasen und legte
sein ganzes Können in den „Libertango“, arrangiert von Eric Sammut. Der zeitgenössische Komponist
erschien ein zweites Mal mit „Hombre d’Août“. Der musikalische Höhepunkt dürfte in den beiden Sätzen von
Andrew Thomas‘ „Merlin“ gewesen sein. Der junge Musiker füllte die Kirche, wob einen Klangteppich dichter
und dichter, spielte mit traumwandlerischer Sicherheit, von einer hauchzarten Berührung in Pianissimo bis
zum kraftvollen Schlag faszinierend ausdrucksstark. Im Märchen der Gebrüder Grimm kommt der Tod zweimal
zum Gänsehirt. Beim zweiten Mal geht dieser mit und folgt dem Tod in das Land jenseits des Flusses. Da war
keine Angst mehr. Rabindranath Tagore fragt, „Was willst du ihm bieten, dem Tod, wenn er an deine Türe
pocht? – Die volle Schale meines Lebens.“ – „Ich weiß, der Tag wird kommen – ich werde Hoffnung,
Gewissheit, Zufriedenheit haben, das was ich seit je verächtlich übersehen“. Da war keine Angst zu hören.
Würde und eine große Gelassenheit sprach aus dem Gedicht „Wenn ich einmal von hier mich wende“. Da war
keine Angst mehr. Das Konzert endete mit einer wunderschönen Interpretation von Evelyn Glennies „Three
Chorales: A little Prayer“. Leise beginnend stiegen die Klänge in sanft ansteigenden Wiederholungen,
melodiös und berührend, innig und andächtig gespielt wurden Ruhe und Frieden spürbar. „Warten Sie nicht
bis Weihnachten“, verabschiedete Eberhard Blauth die Zuhörer, „feiern Sie jetzt schon das Leben“.

Quelle: Bürgermeisteramt Weingarten (Baden)

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