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Weingarten (Baden): Großes Interesse an der Neuauflage des Winzer-Lehrgangs

Pressemeldung vom 25. Februar 2015, 13:44 Uhr

Ein Spätburgunder Rotsekt „Pinot noir“ trocken perlte am Ende des ersten Kursnachmittags im Glas: 17 Männer und Frauen, zum kleineren Teil aus Weingarten, sonst aus der Umgebung, hatten sich für eine Teilnahme am Weinbau-Lehrgang der Volkshochschule „Mit dem Winzer durch das Jahr“ entschieden. Kooperationspartner ist die Winzergenossenschaft Weingarten mit dem Winzer Michael Kromer. Befragt nach ihrer Motivation, gab mehr als die Hälfte der Teilnehmer an, sie habe bereits mit Weinbau zu tun. Im eigenen Weinberg, teils ererbt, teils gepachtet, wollten sie ihre Kenntnisse erweitern, um die Erträge zu verbessern. Ein Ehepaar hat ein naturschützerisches Interesse. Die beiden haben unlängst ein Grundstück in Steillage am Petersberg gepachtet und sehen eine Herausforderung darin, die landschaftsprägende Struktur mit Trockenmauern zu erhalten. Ihnen gehe es zweitrangig um den Ertrag, eher sei „der Weg das Ziel“. Gepflanzt werden soll ein Cabernet. Die übrigen Teilnehmer sind Weingenießer und wollten mehr über die Entstehung des Weines wissen. Sieben weitere Nachmittage liegen nun vor ihnen, in denen sie befähigt werden sollen, einen Weinberg ertragfähig zu bewirtschaften. Der erste Nachmittag galt somit dem Thema „Neuanlage“. Was ist bei einem „weinbergmäßigen“ Anbau von Reben zu beachten? Wo sind gesetzliche Schranken? Was ist wirtschaftlich und sinnvoll? Michael Kromer erklärte, die Teilnehmer stellten Fragen. Gepflanzt werden dürfen nur im Rebsortenspiegel zugelassene Sorten, ein Rebenaufbauplan regelt, wo was angebaut werden darf. Was eine „bevorzugte Lage“ sei, habe sich im Lauf der Zeit geändert. Hieß es vor 50 Jahren noch, nur eine Steillage bringe „so viel Sonne wie möglich“, um einen hohen Öchslewert zu erzielen, so sei heute infolge des Klimawandels die Sonneneinstrahlung so stark, dass eine Steillage nicht immer günstig sei. Ein Riesling zum Beispiel, sagte Kromer, würde dort „verkochen“. Es sei aber auch dem Trendwandel im Geschmack geschuldet, dass heute hohe Öchslegrade nicht mehr erste Priorität hätten, wandte einer der Teilnehmer ein. Kromer stimmte ihm zu, meinte aber, das sei Thema eines anderen Nachmittags. Beim Aufbau des Weinbergs sei der Reihenverlauf zu beachten: „nicht quer zur Hauptwindrichtung, sondern schräg und einen Zeilenabstand von bis zu zwei Meter.“ Nicht nur der besseren Bewirtschaftung, sondern auch der Durchlüftung wegen. „Stellen Sie sich ein Schälchen Erdbeeren vor“, erklärte er anschaulich, „das im warmen Zimmer eine Woche auf dem Tisch steht. Was passiert? Es schimmelt.“ Genauso verhalte es sich bei heißem Wetter und Gewitterregen. Die Nässe könne in zu eng stehenden Reben nicht schnell verdunsten, die Hitze begünstige Fäulnis und Pilzbefall. Andererseits seien aber Tallagen wegen der feuchten Kühle genauso ungünstig. Nach so viel Theorie war Zeit für einen Imbiss, eine kleine Weinverkostung und lockere Gespräche. Dieses Beisammensein mit Rückblick auf das Gelernte ist Bestandteil eines jeden Seminartages. Der nächste Kursnachmittag ist am Samstag, den 14. März mit dem Thema Rebschnitt, Düngen und Mähen. Treffpunkt ist um 14 Uhr am Winzerkeller, danach geht es ins Gelände.

Quelle: Gemeinde Weingarten (Baden)

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