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Weingarten (Baden): Gedenkstätte auf dem Friedhof

Pressemeldung vom 16. Oktober 2013, 09:14 Uhr

„Wir gedenken der Opfer der beiden Weltkriege, welche ihr Leben auf unserer Gemarkung verloren haben“,
lautet die Inschrift auf der mittleren Stele. Darüber ein Kreuz, rechts und links daneben zwei weitere Stelen mit
insgesamt 84 Namen. Am Sonntag wurde die neue Gedenkstätte auf dem Weingartner Friedhof unter den
Klängen eines Bläserensembles der Weingartner Musiktage feierlich enthüllt. Bürgermeister Eric Bänziger
erklärte ihren Sinn darin, dass viele „nicht anerkannte“ Kriegsgräber auf dem Weingartner Friedhof – Gräber
von Menschen, die nicht als aktive Soldaten gefallen, sondern bei Bombenangriffe oder auch erst viel später
an den Folgen des Krieges und der Kriegsgefangenschaft gestorben seien – mittlerweile nicht mehr gepflegt
werden könnten. Es sei ein Anliegen der Gemeinde, diesen Toten ein dauerhaftes Gedenken zu gewähren
und ihre Namen an dieser zentralen Stätte festzuhalten. So habe es der Gemeinderat einstimmig
beschlossen. Es sei immer noch möglich, dort Blumen abzulegen. Die alten Gräber werden nun nach und
nach abgeräumt. Richard Barth, der seit vielen Jahren ehrenamtlich die Gräber der Soldaten pflegt,
versicherte, dass alle abgeräumten Gräber mit großer Würde und Respekt behandelt wurden. Noch gut
erhaltene Steine sollen auf dem benachbarten Feld aufgestellt werden und zusammen mit dieser
Gedenkstätte ein Gesamtprojekt ergeben. Barth betonte, es handle sich um eine Gedenkstätte, kein
Kriegerdenkmal. Die Kulturstiftung der Sparkasse Karlsruhe Ettlingen gibt einen Zuschuss von 7 500 Euro. Ihr
Vorsitzender, Marc Sesemann, begründete die Zuwendung damit, dass dieser Ort des Gedenkens der
Erinnerung an den Einzelnen diene, eine Kultur, für die in unserer Gesellschaft immer weniger Platz sei.
Weingarten wirke dem entgegen und dieses Projekt diene im Sinne der Stiftung der Nachhaltigkeit und
Dauerhaftigkeit. Der Vorsitzende des Volksbunds Deutscher Kriegsgräberfürsorge, Bezirksverband
Nordbaden, Georg Martin, sprach von einem „Gedenkstein, von dem Mahnung und Versöhnung“ ausgeht.
Jeder Name auf dem Gedenkstein sei eine Geschichte. Er sprach von den vielen Millionen von Toten des
Zweiten Weltkriegs und die Arbeit des Volksbunds an den Soldatengräbern, aber auch von den Zivilisten,
denn „Soldaten und die zivile Bevölkerung, die durch Kriegseinwirkungen ums Leben kamen, haben ein
ewiges Ruherecht.“ Das Gedenken aller derjenigen sei „eine Mahnung, Sorge zu tragen, dass Friede bleibe“.
Der katholische Pfarrer Jürgen Olf, der auch die evangelische Pfarrerin Bettina Fuhrmann mit einbezog, sagte,
dieser Ort gebe der Trauer Namen. So viele Jahre danach sei ein Erinnern ohne Verherrlichung und ohne
Schämen möglich. Diese Namen stehen für Menschen mit Sehnsucht nach Liebe, Frieden und Zukunft. Es sei
sein Wunsch, dass Erinnerung Erlösung bewirken könne.

Quelle: Gemeinde Weingarten (Baden)

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