Energiewechsel

Weingarten (Baden): Filzen an der Schnur

Pressemeldung vom 26. Mai 2015, 14:23 Uhr

Treffen der Filzerinnen-Regionalgruppe „Regio Glücksfilz“ bei Beate Mayer

Wer dieser Tage vom Sohl Richtung Sallenbusch wandert, kommt an einer großen Birke vorbei – und wundert sich: Merkwürdige bunte Vögel und anderes Getier, größer und bunter als echte Vögel, hängen darin. Es sind Filzprodukte, künstlerische Unikate von sechs Frauen, die sich mit Leidenschaft dem Hobby „Filzen“ verschrieben haben und es darin zu beachtlicher Perfektion gebracht haben. Doris Gibietz aus Pforzheim, Birgit Kammerer-Kolb und Beate Mayer aus Weingarten, Katja Weingärtner aus Karlsruhe sowie Ina Daum und Alina Bolz aus Dettenheim sind Mitglieder im „Filznetzwerk“, einem Verein mit rund 250 Mitgliedern. Der Verein hat sich vor zehn Jahren gegründet, um dem uralten und in den letzten Jahren wieder ganz modern gewordenen Handwerk „Filzen“ eine Plattform zu geben. Mittlerweile ist das Kunsthandwerk Filzen als Textilgestaltendes Handwerk ein staatlich anerkannter Ausbildungsberuf, den neben der großen Schar von Hobbykünstlern und -künstlerinnen einige auch beruflich betreiben. Im „Filznetzwerk“ treffen sich Filzer und Filzerinnen aus dem gesamten deutschsprachigen Raum, um miteinander zu arbeiten, sich fachlich auszutauschen und ihrer Kreativität neue Impulse zu geben. Da aber die Entfernungen groß und die Wege weit sind, haben sich Regionalgruppen gegründet und die Gruppe der Damen, die sich auf Einladung von Beate Mayer in Weingarten getroffen haben, nennt sich „Regio Glücksfilz“. Für sie ist ihr Tun meditativer Ausgleich, Selbstverwirklichung und das Ausleben ihrer Kreativität. Die meisten arbeiten in sozialen Berufen, drei von ihnen sind Erzieherinnen, Ina Daum hat sich mit Filzen selbständig gemacht. An diesem Vormittag stehen sie in Beate Mayers Werkstatt. Sie zupfen bunte Wolle, selbst gefärbt oder fertig gekauft. Die Fetzen werden auf einer Unterlage ausgebreitet, mit Wasser benetzt und mit Seife eingerieben. Durch die Reibung verbinden sich die Wollfasern und die Oberfläche wird fest. Es entsteht ein stabiler und strapazierfähiger Stoff, der sich zum Weiterverarbeiten eignet. Entscheidend ist dabei, den Schrumpffaktor zu berechnen. Beate Mayer, die derzeit die Ausbildung zum Profi absolviert, hat als Prüfungsaufgabe ein Kleidungsstück gefertigt. Dazu müsse der Schrumpffaktor vorher anhand einer Probe berechnet und auf die Körpermaße übertragen werden, erklärt sie. In der Regel habe eine Filzerin vorher einen Plan, wie das fertige Produkt aussehen soll, ist zu hören, aber der Werkstoff Filz lasse unendlich viele Möglichkeiten zu. Um ihrem Treffen ein Ziel und einen Rahmen zu geben, war das Motto des Tages „Filzen an der Schnur“ mit der Absicht, die fertigen Ergebnisse an Schnüren an einem Baum zu befestigen. Sie sollen Aufmerksamkeit wecken und den Spaziergängern Freude bereiten. Die Filzkörper bleiben hängen, bis das Naturmaterial verrottet ist oder von Vögeln für ihren Nestbau zerpflückt wurde. Eine Kontaktadresse für Interessierte ist ina@meinfroschkoenig.com

Quelle: Bürgermeisteramt Weingarten (Baden)

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