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Weingarten (Baden): Feuchttücher gehören nicht in die Toilette sondern in den Hausmüll

Pressemeldung vom 6. September 2016, 16:55 Uhr

Feuchttücher haben eine besondere Eigenschaft: Sie sind kein normales Toilettenpapier sondern Vlies, das aus winzigen Fasern besteht. Diese Fasern sehen unter dem Mikroskop aus wie Mikadostäbchen, kreuz und quer. Wenn man normales Toilettenpapier mit Wasser begießt, löst sich seine Struktur auf und das Papier reißt. Trocken ist es fest, nass löst es sich auf. Der Trick der Feuchttücher, die mit pflegenden Substanzen getränkt sind, ist aber derjenige, dass sich ihre Struktur auch bei Feuchtigkeit nicht auflösen darf, weil sie sonst nicht funktionieren würden. Darum müssen sie an der Stelle, an der die Fasern sich verbinden, nassfest gemacht werden. Dazu werden Melaminformaldehydharze verwendet. Diese Harze – oder auch andere klebende Chemikalien – verhindern nicht nur, dass sich die Feuchttücher bereits in der Verpackung auflösen, sondern dasselbe wirkt auch in in der Toilette weiter. Statt sich aufzulösen verdrehen und verzwirbeln sich die Fasern nach und nach zu langen und reißfesten Strängen. Das geht nicht von heute auf morgen, sondern wächst über Jahre. Aber der Verbrauch von Feuchttüchern hat sich in Deutschland innerhalb der letzten 40 Jahre um das 200fache vervielfacht. Diese Zöpfe aus mikrokleinen Kunststofffasern wickeln sich um die Pumpen in der Kläranlage und legen sie allmählich lahm. Fällt eine Pumpe aus, so kann das Schmutzwasser nicht mehr aus dem Abwasserkanal gehoben werden und staut sich zurück. Im Extremfall durch den Abwasserkanal zurück bis in die Häuser. Bei einer Verstopfung der Pumpen ist somit sofortige Abhilfe geboten. Mittlerweile fordert das Problem einen hohen Reinigungs- und Wartungsaufwand, denn immer häufiger müssen die Abwassermeister und ihre Monteure derartige Störungen an den Pumpen beseitigen. Die Kosten hierfür schlagen sich in den Abwasserrechnungen nieder und fallen damit mit der nächsten Überrechnung der Abwassergebühr auf den Kunden zurück. Fazit: Feuchttücher gehören nicht in die Toilette, sondern in den Hausmüll.

Quelle: Bürgermeisteramt Weingarten (Baden)

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