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Weingarten (Baden): Ferienspaß beim Bürger- und Heimatverein

Pressemeldung vom 27. August 2013, 14:22 Uhr

Bis nach dem Krieg gab es im Bereich Lebensmittel nur wenig fertig zu kaufen und „Kochen“ war ein ganz
anderes Thema als heute. Diese Zeit hat der Bürger- und Heimatverein mit seinem Angebot „Alte
Haushaltsgeräte ausprobieren“ einem guten Dutzend Kindern nahegebracht. Die beiden Vereinsmitglieder
Sonja Güntner und Horst Bartholomä entführten sie für zwei Stunden in eine 60 bis 100 Jahre zurückliegende
Zeit. Im „Künstlersaal“ im Haus Durlacher Straße 30 hatte Sonja Güntner allerhand Geräte aufgebaut, deren
Funktion manchmal, aber nicht immer auf den ersten Blick zu erkennen war. Ein gläserner Bottich mit Deckel
drauf und einer Kurbel dran ist – ? Ein Butterfass. Ebenfalls eine Kurbel, aber oben auf dem Deckel hat – die
Kaffeemühle. So ging es weiter: Ein Apfelschäler stand neben einem Handrührer, eine Nudelmaschine neben
einer Küchenwaage, bei der noch Gewichte zu verschieben waren. Im Nebenzimmer war eine
Schreibmaschine aufgebaut, daneben lagen Tinte, Feder und Schiefertafel und zu guter Letzt eine
Nähmaschine. Horst Bartholomä demonstrierte Waschen mit Rubbelbrett und Wäschestampfer. Sehr schwer
nur ließ sich die Walze der Mangen drehen und schwer wogen die eisernen Bügeleisen, die auf dem
Kohleherd erst heiß gemacht werden mussten. Die Kinder durften reihum ausprobieren und die Reaktionen
waren eindeutig: „Mann, geht das schwer“, „ist das mühsam“, „wie lange dauert das denn noch?“ war zu
hören. So groß das Interesse auch war, die altehrwürdigen Geräte zu bedienen, so eindrücklich war die
Erkenntnis, dass Hausarbeit zu dieser Zeit alles andere als eine Nebenbeschäftigung war. Niklas drehte die
Kurbel der Nudelmaschine. „Das geht flott“, sagte er, „kommt da sonst Teig hinein?“. Er war entsetzt zu hören,
dass der Teig, der „flott“ da durchläuft, auch erst von Hand geknetet und ausgewellt werden musste. Nils
betätigt den Apfelschäler. Bei diesem sinnigen Gerät wird der Apfel aufgespießt und ein Messerchen so
eingestellt, dass es beim Drehen einer Kurbel am Apfel entlangläuft. Funktioniert nur mäßig. „Sinn machen
solche Geräte nur, wenn man sehr viele Äpfel hat, die man zum Einkochen oder Dörren vorbereiten will“, sagt
Sonja Güntner. So führten die Gespräche zwischen den Erwachsenen und den Kindern über die konkrete
Arbeit hinaus und erschlossen eine Vorstellung vom damaligen Leben: Nahrungsmittel selbst zu erzeugen,
zuzubereiten und Vorräte zu schaffen, war – genauso wie das mühsame Waschen und Bügeln – eine Arbeit,
die ein Vielfaches des heutigen Zeitaufwands erforderte und demzufolge auch dem Produkt „Essen auf dem
Tisch“ oder dem Produkt „frische Wäsche“ eine ganz andere Wertschätzung zollten.

Quelle: Bürgermeisteramt Weingarten (Baden)

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