Energiewechsel

Weingarten (Baden): Die AWO präsentiert – Thomas Heitlinger

Pressemeldung vom 26. November 2013, 14:24 Uhr

Mundart und Musik im AWO-Heim
„Isch ebber do, wo net von do isch?“ Kaum einer. Gut so, denn jetzt war Einigkeit. Dass alle das Gleiche
verstehen war wichtig. Es ging nämlich um Mundart. Thomas Heitlinger, der Badener, der gebürtige
Kraichgauer, zugezogene Karlsruher und jetzt Wahl-Blankenlocher war nach Weingarten gekommen. Nein,
nicht zum ersten Mal. 1994 war er schon da gewesen, in Weingarten, im AWO-Heim, zusammen mit Volker
Schäfer, dem Gitarristen, mit dem er seit 25 Jahren auftritt. Aber dieses Mal hatte er außer Volker Schäfer
auch sein neues Buch dabei, „Dunnerlattich“. Und jetzt bedurfte es doch einer kleinen Erklärung: Was heißt
Dunnerlattich? „Das ist ein Ausruf, der etwas ganz besonderes kennzeichnet“, erklärte der Autor, „kann sein
besonders gut oder besonders schlecht“. Den Einstieg in den Abend wählte er mit einer Skizze seines
Berufsbilds: „Ein Dichter wollet Se sei, ja, hent Se nix zum Schaffe?“. Munter gings weiter, immer in kurzen
und knappen Schilderungen von Begebenheiten. Heitlingers Ideen kommen aus dem Alltag, von der Straße.
Oder aus dem bröckelnden Colosseum von Rom und der baufälligen Akropolis, die ihn beide so sehr ans
Wildparkstadion erinnern. Der Dicke, der zu viel isst und keinen Sport mag, hat einen Kompromiss gefunden:
Ritter Sport. Der Mann ist gegangen, klassisch. Er wollte Zigaretten holen und kam nie wieder. Erst hinterher
fiel der Frau auf, dass er doch gar nicht raucht. Es sind nicht die langen, ausmalenden und genüsslich
beobachtenden Geschichten eines Harald Hurst, auch wenn manchmal eine Anlehnung an den Großen
aufblitzt, beispielsweise in der Begegnung mit dem Hund. Heitlingers Stärke ist die kurze Sentenz, die fast
immer in einer überraschend boshaften Pointe gipfelt. Er ist der Meister des Wortspiels und des schwarzen
Humors, der Zweideutigkeit und der verbalen Essenzen. „Wir brauchen ein größeres Auto“ sagt die Frau mit
Nachdruck. Aus Prestigegründen, denkt der Leser jetzt. Nein, ganz einfach: In das alte passt sie nicht mehr
rein. Ganz bewusst bringt der Autor frauenfeindliche Spitzen, wobei er sich auch nicht scheut, Klischees zu
bedienen: Frau geht den halben Tag shoppen, hat aber am Ende nichts gefunden. Der Mann hat in zehn
Minuten zwei Mäntel gekauft – fürs Fahrrad. „Dunnerlattich!“ kann der Zuhörer nur noch sagen. Die wenigen
Geschichten, in denen sich Heitlinger mehr Zeit lässt, sind durchaus spannend aufgebaut, so der Banküberfall
am Weltspartag. Aber manchmal ist die Botschaft auch eindeutig, so in seiner scharfen Abrechnung mit dem
Spießer in „unser Gärtle“. Volker Schäfer, einer der vielseitigsten Akustik-Gitarristen der Region, begleitete
den Auftritt auf der Gitarre. Werke zwischen brasilianischer Volksmusik und nordamerikanischem Jazz, Pop
und Rockballaden, brachte er dem Publikum mit der ihm eigenen ruhigen Spielweise nahe. Sein
impressionistisch-meditatives Spiel verzauberte die Zuhörer und zog sie in Bann. Schäfer kommt aus
Ettlingen, leitet dort eine Privatmusikschule und eine Gitarrenklasse am Heisenberg Gymnasium. „Ich könnt
ihm stundenlang zuhören“, sagte Heitlinger mehrfach. Nicht nur er.

Quelle: Bürgermeisteramt Weingarten (Baden)

Share on Facebook Share on Google+

 Hinweis