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Weingarten (Baden): Der Managementplan „Natura 2000“

Pressemeldung vom 28. Juni 2016, 14:54 Uhr

Auftaktveranstaltung auf dem Michaelsberg

Nahezu jeder Weingartner und jede Weingartnerin dürfte schon einmal das Weingartner Moor besucht, den zahlreichen Vogelstimmen gelauscht, die Frösche beobachtet und die Stimmung genossen haben, die sich ausbreitet, wenn die Natur das Sagen hat. Seit 1940 bereits steht das Moor als Restbestand der ehemaligen Kinzig-Murg-Rinne und seit 1984 der Bruchwald unter Naturschutz. Die gesamte Fläche ist damit ein Teil des großen Flora-Fauna-Habitats (FFH) „Kinzig-Murg-Rinne und Kraichgau bei Bruchsal“, das vom Stadtkreis Karlsruhe über das Weingartener Moor und den Michaelsberg bis Ubstadt-Weiher reicht. Rund 1900 Hektar davon sind Wald, 700 sind offene Flur. Die Europäische Union hat unter der Bezeichnung FFH eine Richtlinie erlassen, unter der die aus europäischer Sicht besonders schützenswerten Lebensräume und Tier- und Pflanzenarten im einzelnen aufgelistet werden. Für 53 Lebensräume und 61 Tier- und Pflanzenarten von europäischer Bedeutung wurden Schutzgebiete eingerichtet, die durch das Netz „Natura 2000“ verbunden sind. Nun soll ein Managementplan erstellt werden, in dem Ziele definiert und Maßnahmen enthalten sind, wie diese Lebensräume erhalten und wenn notwendig verbessert werden können. Zur Auftaktveranstaltung zu diesem Managementplan kamen eine große Anzahl Interessierter aus Naturschutzgruppen und -verbänden, aus Landwirtschaft und Forst sowie Vertreter von Gemeinden und Privatinteressierte auf dem Michaelsberg bei Untergrombach zusammen. Eingeladen hatte Jenny Behm vom Referat 56 im Regierungspräsidium Karlsruhe. Zum Stand des Verfahrens berichtete sie: Die Auswahl der Gebiete sei abgeschlossen. Die Landbesitzer hatten Gelegenheit zur Stellungnahme, daraufhin wurden die ausgewählten Gebiete der Europäischen Union gemeldet. Der nächste Schritt seien die Bestandserhebungen im Offenland, darauf folge der Entwurf der Ziel- und Maßnahmenplanung. Der daraus resultierende Entwurf werde einem Beirat vorgelegt. Dessen Anmerkungen und Einwendungen werden eingearbeitet und die Endfassung im Internet veröffentlicht. Danach gehe es an die Umsetzung. Sodann waren Experten vor Ort: Kurt Rosendorf, Projektleiter des Managementplans und Karsten Böger, Projektleiter für den Managementplan „Nördliches Neckarbecken“ und Experte für Artenschutz. An zwei Standorten erläuterten sie jeweils typische „Lebensräume“ für die dort vorkommenden Pflanzen oder Tierarten. In der Kartierung seien alle Lebensräume nummeriert und dadurch eindeutig definiert. Am Standort „Magere Mähwiese“ direkt am Michaelsberg wies er auf eine dicht mit Wildblumen geschützter Arten bewachsene Fläche: „Der Managementplan behandelt die Frage, wie man Lebensräume wie diesen hier schützen und erhalten kann“. Es sei das Beste, die Pflege in kundige Hände zu geben. In diesem Fall in die Hände der örtlichen Arbeitsgemeinschaft für Natur- und Umweltschutz, die diese Fläche seit 30 Jahren mäht und damit vor Verbuschung schützt und den Lebensraum bewahrt. Karsten Böger erläuterte einige seltene4/112 Tierarten und deren spezielle Bedürfnisse: Der Wiesenknopf-Ameisen-Bläuling ist beispielsweise auf das Vorkommen des Großen Wiesenknopfs angewiesen. Die Fledermaus „Großes Mausohr“ brauche dunkle und unzugängliche Rückzugsräume, wie beispielsweise den alten Bunker auf dem Weingartener Kirchberg. Der Heldbock braucht ausschließlich alte Eichen als Lebensraum und ist bei den alten Eichen am Schloss Stutensee und in einem Eichenbestand entlang der Autobahn A 5 in der Waldbrücke zu finden. Er berichtete von der Schwierigkeit, Vorkommen zu finden und der Umsetzung des gesamten Vorhabens. Diese sei nur möglich, wenn die Grundstücksbesitzer mitmachen und sich vertraglich dazu verpflichten: „Naturschutz ist ein sehr komplexes Verfahren!“ schloss Jenny Behm.

Quelle: Bürgermeisteramt Weingarten (Baden)

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