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Weingarten (Baden): Das Weingartner Grundbuchamt ist jetzt nur noch „Einsichtsstelle“

Pressemeldung vom 1. April 2015, 11:50 Uhr

Der letzte Grundbuchtag im Weingartner Rathaus war gekommen und das ganze "Grundbuchteam" hatte sich versammelt. Zum letzten Mal war Notar Christoph Werst erschienen, der die Weingartner Bürger vier Jahre lang betreut hatte. Auch die Eingliederungsmanagerin Karin Kratt war zugegen, die seit 2012 mit der Auflösung der Grundbuchämter in einem weiträumigen Gebiet beschäftigt ist. Seit 1872 galt in Deutschland die "preußische Grundbuchordnung", die 1935 als einheitliche Fassung in allen Ländern beschlossen wurde. Baden-Württemberg sei eines der wenigen Länder, in denen jede einzelne Gemeinde ein eigenes Grundbuchamt hatte, berichtete Notar Werst. In 2010 hatte dann der Landtag beschlossen, alle 672 Grundbuchämter im Land auf 13 Standorte zu konzentrieren und den dortigen Amtsgerichten zuzuordnen, somit gehört das Weingartner Grundbuchamt ab sofort zum Standort Maulbronn. In tagelanger Arbeit waren die Akten eingepackt worden und werden jetzt dort eingegliedert. Am Montagmorgen wurden sie per Lkw abtransportiert. Damit einher geht die Umstellung auf die elektronische Erfassung, die Rathäuser in den einzelnen Gemeinden behalten aber die Möglichkeit, elektronisch Einsicht zu nehmen. Annette Hafermann wird zwar im Weingartner Rathaus ins Bauamt wechseln, aber einmal pro Woche wird die Grundbucheinsichtsstelle für einige Stunden geöffnet sein. An welchem Wochentag das sein wird, steht noch nicht fest. Um der historischen Stunde des Abschieds einen Rahmen zu geben, zitierte Notar Werst aus alten Protokollen. Bemerkenswert war die würdevolle Sprache des damaligen Amtsdeutschs, in der 1965 der damalige Grundbuchbeamte über die mangelnde Qualität des verwendeten Papiers klagte. Auf dem zehnten Durchschlag seien nicht nur die Buchstaben unleserlich, sondern das dünne Papier auch wenig haltbar und hänge alsbald in Fetzen aus den Akten heraus. Es sei nicht "grundaktenwürdig". Auch Annette Hafermann und Karin Kratt bestätigten, dass beim Einpacken das eine oder andere Blatt Papier nur noch in Fetzen vorhanden war. Damit hat es jetzt mit der elektronischen Erfassung ein Ende. Etwa die Hälfte der Grundbücher sind schon elektronisch erfasst. Die Erfassungsstellen seien bestrebt, die restlichen Akten zügig nachzuerfassen, sagte Karin Kratt. Liege aber beispielsweise ein Kaufvertrag für ein Grundstück in einer noch nicht digital erfassten Akte vor, werde diese vorgezogen. Die Grundakten, die sämtlichen Schriftverkehr enthalten, werden zu einer zentralen Stelle in Kornwestheim gebracht. Neue Dokumente werden eingescannt und anschließend geschreddert. Bis 2018, meinte Kratt, werde die Umstellung vollzogen sein. Die nächste Generation werde kein Papier mehr verwenden.

Quelle: Gemeinde Weingarten (Baden)

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