Energiewechsel

Weingarten (Baden): Das Leben ist wie ein rasender Zug

Pressemeldung vom 10. November 2015, 14:33 Uhr

Komiker Cirillo präsentiert „Die Reise“ im anderen keller

„Facettenreich“ ist zu wenig, um das Feuerwerk an Fantasie und Darstellungskunst zu beschreiben, das der Künstlerkomiker „Cirillo“ in seinem Ein-Personen-Theaterstück „Die Reise“ im „anderen keller“ abgebrannt hat. „Cirillo“ ist Andreas Baumann und das Stück ist die Fahrt durch das Leben im Bild eines rasenden Zugs. Sie beginnt, als der kleine Bengel Filippo mit Baseballkappe mit seinem Großvater spricht. Plötzlich ruft ihn die Stimme des Vaters aus dem off zum Essen. Filippo unterbricht das Gespräch und der Großvater muss versprechen, auf ihn zu warten, um die Erzählung später fortzusetzen. Szenenwechsel, 13 Jahre später: Filippo sitzt im Zug und im Hintergrund ist leise das rhythmische Rollen der Räder zu vernehmen. Sein Gegenüber fragt ihn, was er vorhabe. Filippo sagt, er sei Student, fahre nach Mailand, um Textildesign zu studieren, er solle später den Betrieb seines Vaters übernehmen. Die Handlung nimmt Fahrt auf, die Zuschauer werden mitgenommen auf eine Reise durch ein ganzes Leben. Innerhalb dieses Gesprächs – eigentlich einer klassischen Rahmenerzählung – breitet der Künstler Cirillo Bilder aus, in denen er selbst die verschiedenen Hauptrollen in mehr oder weniger skurrilen Szenen bekleidet und sich nach Bedarf Statisten aus dem Publikum dazu holt. Im Lauf des Abends schlüpft er in mehr als ein Dutzend verschiedene Charaktere: Modezar in Mailand, der Firmenchef am Steuer einer Cessna, seine Hochzeit mit „Fräulein Erika“, der Familienvater. Die Ausgestaltung dieser Bilder ist phänomenal. Textstreifen, Pantomime, Steptanzeinlagen und sogar Täuschungskunst sind die Zutaten zu einem bunten Mix von hervorragender Unterhaltung. Zur äußeren Verwandlung dienen ihm wenige Requisiten, vor allem Hüte. Einen sehr wesentlichen Anteil an der Brillanz des Stücks hat der Pianist Michael Schlierf. Ihm obliegt die musikalische Interpretation und Verstärkung der szenischen Darstellung. Das gelingt ihm blendend gut mittels des geschickten Einsatzes bekannter, „typischer“ Melodien aber auch eigener Begleitkompositionen. Bis auf einzelne Töne reduziert versteht er, dadurch das Gezeigte zu akzentuieren und zu verdeutlichen. Klar, dass die künstlerische Fertigkeit allein nicht der Sinn dieses Stücks ist. Plötzlich fragt der Gesprächspartner im Zug Filippo: „Haben Sie bei diesem rasanten Tempo überhaupt gelebt?“ Filippo weiß keine andere Antwort, als auf noch mehr Aktivität zu verweisen zum Beispiel mit Angeln, Golf und Pferdewetten. Der Zug rast. Schneller und schneller wechseln die Rollen, am Ende deutet die Totenmaske an: Filippo ist zum Großvater zurückgekehrt, aber der Großvater ist nicht mehr da. Somit verweist der Künstler im „anderen keller“ darauf, dass die Fahrt im rasenden Zug unseres Lebens ein anderes Ziel haben muss, als nur von Station zu Station zu eilen, um am Ende den Lebensabend zu gestalten.

Quelle: Bürgermeisteramt Weingarten (Baden)

Share on Facebook Share on Google+

 Hinweis