Energiewechsel

Weingarten (Baden): „2 Flügel“ im „anderen keller“

Pressemeldung vom 14. April 2015, 16:19 Uhr

Piano und Poesie mit Benjamin Seipel und Christina Brudereck

Sie nennen sich "2 Flügel". Der eine Flügel ist normalerweise ein schwarzer Konzertflügel. In dem räumlich engen "anderen keller" wurde er durch ein Keyboard ersetzt. Der andere ist ihre Inspiration, die wie ein Hauch Gottes durch ihre Musik und ihre Texte zieht. Christina Brudereck, Autorin und Theologin, und Benjamin Seipel, Pianist und Musikdozent, präsentierten in Weingarten ihr Programm "Wo auch immer". Im Mittelpunkt stehen Reiseerlebnisse. Reisen nach Südafrika, Birma, Bethlehem, Jerusalem, New York und nach Hause. Anderes Klima, fremde Speisen, Armut und fehlende Demokratie. Oder? Nelson Mandela wurde gewählt: "Der Wind hatte sich gedreht." Aber auch Reisen in die Vergangenheit, in die Kindheit, zu sich selbst: "Der kürzeste Weg zu sich selbst führt manchmal um die ganze Welt". Brudereck ist Sprachkünstlerin. Ihre inhaltsschweren Texte perlen ihr, gebürtig aus Nordrhein-Westfalen und des perfekten Hochdeutsch mächtig, leicht und poetisch wie die kleinen weißen Federn, die sie am Schluss unter dem Publikum verteilt, aber gehaltvoll wie Edelsteine aus dem Mund. Ihre Analysen sind scharf, klar und treffend. Seipel ist Pianist. Er begleitet, stützt, kommentiert und spiegelt Christinas Texte in virtuosen Klavierarrangements. Es sind Eigenkompositionen, Improvisationen und anderes. Die beiden zeigen politische Relevanz in pointierter Lyrik und mitreißender Musik. Manchmal singt Seipel zu seinem Spiel: "Musik ist meine Liebe, die Kraft, die mich am besten kennt." In seinen Liedern geht es um Heimat und Fernweh, um Gott und Gebet. Heimat ist eine Sehnsucht: "Heimat ist der weite Himmel, ein Dach für meine Seele." Im zweiten Teil treten Personen in den Mittelpunkt ihrer Geschichten. Der Jude, der den Stern von Bethlehem fotografieren will. Wo findet er diesen hell leuchtenden Doppelstern? In den beiden Mädchen Tara und Esther, denn Tara ist arabisch und Esther ist hebräisch und beide bedeuten "Stern". Sterne sind Zeichen. Aber die Sterne gingen ins Gas. Charlie Chaplin spielt den großen Diktator. Anderes Thema: Lebe den Augenblick bewusst. Christoph Schliengensief, der Todkranke, der "das Normale als das Schönste" fand und noch einmal an einen Baum lehnen wollte. Christina Bruderecks Texte sind mal knapp und pointiert, mal kommen sie erst über viele Schleifen und Windungen zum Kern der Sache: Freiheit. Glaube. Gottvertrauen. Bei aller Ernsthaftigkeit lassen die Beiden den Humor nicht vermissen: "Meine Beziehung zu Gott und Glauben lässt sich in dem Kinderlied zusammenfassen, ich gehe mit meiner Laterne und meine Laterne mit mir." Texte, die unter die Haut gehen. Mauern, in Deutschland, in Jerusalem, in den Köpfen, Stacheldraht und Bespitzelung, kristallisiert sich in dem Kinderlied: "Auf der Mauer, auf der Lauer sitzt ne kleine Wanze." Enorm und unbeschreiblich. Unglaublich berührend.

Quelle: Bürgermeisteramt Weingarten (Baden)

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