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Marbach-Bottwartal: Verleihung des Schillerpreises der Stadt Marbach am Neckar 2015 an Andrea Breth

Pressemeldung vom 4. November 2015, 10:43 Uhr

Am kommenden Dienstag, 10. November 2015, dem 256. Geburtstag Friedrich Schillers, wird der Schillerpreis der Stadt Marbach am Neckar 2015 an Andrea Breth verliehen. Die Theater- und Opern-Regisseurin feierte große Erfolge mit ihren Inszenierungen der Schillerdramen „Maria Stuart“ und „Don Carlos“, die das Preisgericht zu den besten der letzten Jahre zählt, und auf die es seine Entscheidung besonders bezieht. Der mit 10.000 Euro dotierte Preis wird in einem öffentlichen Festakt in der Stadthalle Schillerhöhe um 20 Uhr von Bürgermeister Jan Trost überreicht. Die Laudatio hält Gerhard Stadelmaier, ehemaliger Theaterkritiker der Frankfurter Allgemeinen Zeitung.

Die Jury, die ihre Entscheidung Ende 2014 traf, sieht in Andrea Breths Schiller-Inszenierungen, in denen sie auf das ursprüngliche Wort des Dichters gesetzt habe, „eine Anmut, eine Demut und eine Vergegenwärtigungslust, die unvergleichlich sind“. Es entstehe der Eindruck, die Stücke seien neu geschrieben und als stehe der Autor wie selbstverständlich vor dem Zuschauer. Mit der Auszeichnung Andrea Breths wollten die Preisrichter auch das dramatische Werk Friedrich Schillers in den Fokus rücken. Zudem war ihnen wichtig, nach den Preisträgern der letzten Jahre, die für ihr politisches Wirken ausgezeichnet wurden, ein künstlerisches Werk zu ehren.

Zur Person
Geboren 1952 in Rieden, Füssen, wuchs Andrea Breth in Darmstadt auf. Nach dem Studium der Literatur in Heidelberg und einer Regieassistenz am dortigen Theater folgten erste Inszenierungen in Bremen, Wiesbaden, Hamburg und Berlin (u. a. 1981 Lessings „Emilia Galotti“ an der Freien Volksbühne Berlin), an der Züricher Schauspielakademie und am Theater Neumarkt in Zürich. Von 1983 bis 1985 war Andrea Breth am Freiburger Theater engagiert. Mit Lorcas „Bernarda Albas Haus“ erfolgte 1985 die erste Einladung zum Berliner Theatertreffen. 1986 bis 1989 wechselte sie ans Bochumer Theater. Mit Greens „Süden“ und Gorkis „Die Letzten“ wurde sie zum Berliner Theatertreffen eingeladen. „Theater heute“ wählte Andrea Breth zur Regisseurin des Jahres 1985. In den Jahren 1990 und 1992 inszenierte sie am Wiener Burgtheater Kleists „Der zerbrochne Krug“ und am Akademietheater O‘ Caseys „Das Ende vom Anfang“, mit dem sie zum Berliner Theatertreffen eingeladen wurde. Von 1992 bis 1997 war Andrea Breth künstlerische Leiterin der Berliner Schaubühne, mit Wampilows „Letzten Sommer in Tschulimsk“, Ibsens „Hedda Gabler“ und Tschechows „Onkel Wanja“ wurde sie zum Berliner Theatertreffen eingeladen.

Von 1999 bis 2006 inszenierte Andrea Breth am Burgtheater u. a. Horváths „Der jüngste Tag“, Kleists „Das Käthchen von Heilbronn“, Friedrich Schillers „Maria Stuart“, Albert Ostermaiers „Letzter Aufruf“ und „Nach den Klippen“, Tennessee Williams‘ „Die Katze auf dem heißen Blechdach“, Anton Tschechows „Der Kirschgarten“ und Lessings „Minna von Barnhelm“, ab 2008 „Motortown“ von Simon Stephens, „Quai West“ von Bernard-Marie Koltès, „Zwischenfälle“, Szenen von Courteline, Cami, Charms, Kleists „Prinz Friedrich von Homburg“ in Koproduktion mit den Salzburger Festspielen und Shakespeares „Hamlet“. Mit Lessings „Emilia Galotti“ und Schillers „Don Carlos, Infant von Spanien“ wurde sie zum Berliner Theatertreffen eingeladen.

Bei den Salzburger Festspielen inszenierte Andrea Breth außerdem Schnitzlers „Das weite Land“ und „Verbrechen und Strafe“ von Fjodor Dostojewski. 2009 inszenierte sie Albert Ostermaiers „Blaue Spiegel“ am Berliner Ensemble und Kleists „Der zerbrochne Krug“ bei der Ruhrtriennale, wo sie bereits 2005 mit Christian Boltanski „Nächte unter Tage“ erarbeitete; 2011 folgten Isaak Babels „Marija“ am Düsseldorfer Schauspielhaus, 2013 Ibsens „John Gabriel Borkman“ am Schauspiel Frankfurt und 2014 Pinters „Der Hausmeister“ am Residenztheater in München.

Für die Oper inszenierte Andrea Breth ab 2000 Glucks „Orfeo ed Euridice“ (Leipziger Oper), Bizets „Carmen“ (Styriarte, Graz), bei den Salzburger Festspielen Tschaikowskys „Eugen Onegin“, Janáceks Oper „Katja Kabanowa“ im Brüsseler Théâtre de la Monnaie, „Lulu“ und „Wozzeck“ von Alban Berg an der Berliner Staatsoper im Schiller Theater, „La Traviata“ von Giuseppe Verdi im Brüsseler Théâtre de la Monnaie sowie Sergej Prokofjews „Der Spieler“ und Verdis „Macbeth“ an De Nationale Opera in Amsterdam. An der Oper Stuttgart inszenierte sie 2003 Smetanas „Die verkaufte Braut“ und 2014 „Jakob Lenz“ von Wolfgang Rihm. Mit der Inszenierung, die von Kritikern zur „Aufführung des Jahres“ 2014 gewählt wurde, ist Andrea Breth für den Deutschen Theaterpreis Der Faust nominiert.

Andrea Breth erhielt zahlreiche Auszeichnungen, u. a. den Nestroy Preis „Beste Regie“ 2003 für „Emilia Galotti“ und 2011 für „Zwischenfälle“ sowie 2006 den Theaterpreis Berlin. Andrea Breth war Professorin für Regie an der Hochschule für Schauspielkunst „Ernst Busch“, Berlin, ist Mitglied der Akademie der Darstellenden Künste in Frankfurt am Main, der Akademie der Künste Berlin sowie der Bayerischen Akademie. Sie ist Trägerin des Großen Bundesverdienstkreuzes der Bundesrepublik Deutschland sowie des Bundesverdienstkreuzes 1. Klasse von Österreich und des Ehrenkreuzes für Wissenschaft und Kunst 1. Klasse.

Der Schillerpreis der Stadt Marbach am Neckar

Der Schillerpreis der Stadt Marbach am Neckar wurde erstmals zum 200. Geburtstag Friedrich Schillers im Jahr 1959 verliehen. Bis zum Jahr 2007 wurde mit ihm alle zwei Jahre eine hervorragende Arbeit auf dem Gebiet der Landeskunde von Württemberg ausgezeichnet.

Anlässlich des Schillerjahres 2009 veränderte der Gemeinderat die Verleihungskriterien. Der Preis geht seither an Persönlichkeiten, die in ihrem Leben oder Wirken der Denktradition Friedrich Schillers verpflichtet sind. Besonders preiswürdig ist der Einsatz für einen ethisch verantwortbaren Freiheitsbegriff im Sinne des Dichters, sei es in der Politik, der Kunst, den Geistes- und Sozialwissenschaften oder den Naturwissenschaften. 2009 wurde erstmals nach den neuen Kriterien der Molekularbiologe und DDR-Bürgerrechtler Jens Reich ausgezeichnet. Ihm folgten 2011 die französische Politikerin Simone Veil für ihre Verdienste um Europa und 2013 Rachel Salamander für ihr entscheidendes Mitwirken am Wiederaufbau des jüdischen intellektuellen Lebens in Deutschland nach dem Zweiten Weltkrieg.

Nach 1985 mit Dorothea Kuhn, 1993 mit Renate Neumüllers-Klauser, 1997 mit Ulrike Gauß (zusammen mit Christian von Holst), 2011 mit Simone Veil und 2013 mit Rachel Salamander erhält Andrea Breth als sechste Frau den Schillerpreis der Stadt Marbach am Neckar.

Mitglieder des Preisgerichts

Das Preisgericht besteht aus einem Kollegium von sieben Mitgliedern. Es setzt sich zusammen aus dem Direktor der Deutschen Schillergesellschaft, dem Landeshistoriker der Universität Tübingen, einem Vertreter der Philosophie, einem Vertreter der Theaterwissenschaften, einem Vertreter der Medizin und der Naturwissenschaften, einem Vertreter der Stiftung Weimarer Klassik und dem Bürgermeister der Stadt Marbach am Neckar als Vorsitzendem.

Quelle: Tourismusgemeinschaft Marbach-Bottwartal

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