Energiewechsel

Freiburg: Zweiter Gleichstellungsbericht 2014 – Durch Datenreihen ab 2009 sind erste Entwicklungstendenzen erkennbar

Pressemeldung vom 9. Dezember 2014, 13:43 Uhr

Weniger Frauen und am meisten über 50-Jährige im Gemeinderat vertreten – Mehr Väter beziehen Elterngeld

OB Salomon: Bericht ist politisches Steuerungsinstrument

Drei Jahre nach dem ersten Gleichstellungsbericht legt die Stadt Freiburg jetzt den zweiten großen, schriftlichen Bericht vor. In der Zwischenzeit waren die statistischen Aussagen des Berichts nur online aktualisiert worden. Erarbeitet und aufbereitet hat die Daten die Statistik im Amt für Bürgerservice und Informationsverarbeitung, inhaltlich verantwortlich ist die Geschäftsstelle Gender Mainstreaming. Da sie den ersten Bericht auf Grundlage von Daten ab 2009 erstellt hatten, können im neuen Bericht bereits Zeitreihen gebildet werden. Grundlage für die Berichte ist ein bundesweit entwickeltes Indikatorensystem, damit ein Vergleich zwischen Städten und Gemeinden möglich ist. Soweit möglich, wurde erstmals ein Teil der aktualisierten Freiburger Daten mit denen Baden-Württembergs gegenübergestellt und verglichen. Eine weitere Änderung gibt es beim Thema „Diskussion der Ergebnisse“, hier sind anstelle der Empfehlungen die Stellungnahmen der Fachämter aufgeführt, sie bilden daher den Stand der Umsetzung in der Stadtverwaltung ab.

Der Bericht ist in verschiedenen Themen gegliedert und wertet dort die Situation aus. So tritt im Thema „Partizipation“ das Ergebnis zutage, dass die Anzahl der Stadträtinnen im Vergleich zu 2011 abgenommen hat und nur noch bei einem Drittel liegt. In einigen Ortschaftsräten, in Hochdorf, Kappel und Munzingen ist der Frauenanteil gestiegen. Unverändert blieben die Ortschaftsräte in Lehen, Opfingen, Tiengen und Waltershofen. In

Ebnet ging der Anteil an Frauen sogar zurück. Neu im Bericht 2014 ist die Darstellung nach Alter: Die größte Gruppe bilden die über 50-Jährigen. Der Gemeinderat weist eine im Vergleich zu den Ortschaften ältere Struktur auf: Hier ist die Gruppe der über 50-Jährigen mit 71 Prozent deutlich in der Mehrheit. In der Gruppe der 30- bis unter 50-Jährigen sind im Gemeinderat mit 37,5 Prozent die meisten Frauen vertreten. Den geringsten Frauenanteil weist die Altersgruppe der 50- bis unter 65-Jährigen mit 31,8 Prozent auf.

Von den insgesamt dreizehn städtischen Ausschüssen hat nur der Ausschuss für Schulen und Weiterbildung einen Frauenanteil von über 50 Prozent. Annähernd paritätisch ist nur noch der Kinder- und Jugendhilfeausschuss mit 45,8 Prozent Frauen besetzt. Den geringsten Frauenanteil hat mit 6,7 Prozent der Sportausschuss. Sechs der insgesamt 13 Ausschüsse erreichen die „kritische Masse“ von 30 Prozent Frauenanteil nicht: Bau- und Umlegungsausschuss, Hauptausschuss, Personalausschuss, Sportausschuss, Stadtentwicklungsausschuss, Verkehrsausschuss.

Zwei der acht städtischen Aufsichtsräte erreichen einen Frauenanteil von über 30 Prozent: Freiburger Stadtbau GmbH und Eigenbetrieb Theater Freiburg. Bei den vier restlichen Aufsichtsräten liegt die Frauenquote teilweise deutlich unter 20 Prozent. Den geringsten Frauenanteil weist mit 5,6 Prozent die Freiburger Verkehrs AG auf.

Beim Thema Bildung betrachtet der Bericht erstmals auch Zahlen zu hochschulrelevanten Indikatoren und vergleicht die Zahlen Freiburgs mit denen Baden- Württembergs. Gesunken ist der Anteil der SchülerInnen, die ohne Abschluss von der Schule gehen, sie ist von 154 auf 138 SchülerInnen zurückgegangen. Reduziert hat sich vor allem der Anteil der Mädchen: waren es im Bericht von 2011 noch 71 Schülerinnen, so sind es 2014 nur noch 50. Leicht zugenommen hat hingegen der Anteil der Schüler ohne Abschluss: 2011 waren es 83 Schüler, jetzt sind es 88 Schüler, die ohne Abschluss die Schule verlassen. Je höherwertig der angestrebte Schulabschluss, desto höher ist auch der Anteil der Schülerinnen an den Freiburger Schulen. So beträgt ihr Anteil an allgemeinbildenden Gymnasien 53,8 Prozent (Anteil Schüler: 46,2 Prozent); an Sonderschulen hingegen 35,7 Prozent (Anteil Schüler; 64,3 Prozent). Bei den freien Waldorfschulen beträgt der Mädchenanteil 52,5 Prozent und der Jungenanteil 47,5 Prozent. Auch bei den Schulabschlüssen gilt: Je höherwertig der Schulabschluss, desto höher ist der Anteil der Absolventinnen an Freiburger Schulen. Diejenigen, die Abitur machen, sind zu 57,7 Prozent Schülerinnen und zu 42,3 Prozent Schüler; eine Differenz von 15,4 Prozent-Punkten. Im Bundesdurchschnitt liegt der Anteil der Jungen mit Hochschulreife im Abschlussjahr 2010 bei 44,4 Prozent und damit 2,1 Prozentpunkte höher.

Bei der Auswahl ihrer Fächer folgen Studierende immer noch den hergebrachten Geschlechterstereotype: In den Agrar- Forst- und Ernährungswissenschaften sowie Ingenieurwissenschaften dominieren männliche Absolventen, während die Frauen Kunst und Kunstwissenschaften studieren. In den Sportwissenschaften ist annähernd Geschlechterparität.

Beim Thema Erwerbsleben – Erwerbstätige und Arbeitslose haben sich die Beschäftigungsverhältnisse im Vergleich zu 2011 nur wenig verändert. Erstmalig im Gleichstellungsbericht 2014 sind die Beschäftigten der Stadtverwaltung Freiburg und der städtischen Beteiligung statistisch mit erfasst. Der Frauenanteil liegt hier bei 60,3 Prozent. Je jünger die Beschäftigten der Freiburger Stadtverwaltung, desto höher ist der Frauenanteil. So liegt der Frauenanteil bei den unter 30-Jährigen bei 70 Prozent. Anders als die Frauen arbeiten die Männer mehrheitlich Vollzeit. Bei den Arbeitslosen nach SGB II und SGB III gibt es im Vergleich zum Bericht 2011 keine bedeutenden Veränderungen.

Ein neues Thema im zweiten Bericht war Erwerbsleben – Erwerbstätige im Erziehungs- und Bildungssystem. Der Frauenanteil des gesamten Personals in Kindertageseinrichtungen beträgt in Freiburg 90 Prozent und in Baden Württemberg 97 Prozent. Der Anteil an Lehrerinnen an Freiburger Schulen liegt bei 70,4 Prozent, auch hier arbeiten mehr Männer in Vollzeit als Frauen. An den Hochschulen ist der Frauenanteil bei dem nicht wissenschaftlichen Personal deutlich höher als bei Männern. Der Anteil der Professorinnen steigt an, nach wie vor sind aber mehr Männer als Professoren tätig.

Das Thema Erwerbsleben – Rahmenfaktoren untersucht unter anderem das Elterngeld. Im Vergleich zur Berichterstattung 2011 beziehen mehr Väter Elterngeld. Die durchschnittliche Bezugsdauer des Elterngeldes ist insgesamt von 9,7 Monaten auf 9,1 Monate leicht gesunken. Frauen bezogen deutlich länger Elterngeld: durchschnittlich 11,4 Monate. Männer bezogen 2011 nur noch durchschnittlich 3,5 Monate Elterngeld. Die Versorgungsquote der unter Dreijährigen ist in den Jahren von 2007 von 17,7 Prozent auf 38,6 Prozent im Jahr 2011 und 44,0 Prozent Ende 2013 gestiegen. Auch die Versorgungsquote bei Ganztagesplätzen für Kindergartenkinder ist von 5,4 Prozent im Jahr 2007 über 14,2 Prozent in 2011 auf 20,2 Prozent im Jahr 2013 gestiegen. Erhöht haben sich auch die Betreuungszeiten. Im Vergleich zum Gleichstellungsbericht von 2011 hat 2014 das Angebot der ganztägigen Schulkindbetreuung zugenommen.

Im Kapitel Lebenswelt werden zwei Lebenslagen besonders in den Blick genommen: zum einen alleinlebende ältere Menschen über 65 Jahren und zum anderen die Gruppe der Alleinerziehenden. Beide Lebenslagen betreffen insbesondere

Frauen. Die beiden Gruppen zeigen deutliche geschlechtsbezogene Unterschiede und geben daher als Indikatoren Hinweise auf geschlechterspezifischen Handlungsbedarf. Zum ersten Mal werden in diesem Kapitel aber zusätzlich auch Zahlen zu Wohnungssuchenden und Wohnberechtigten, Hilfen zur Erziehung, Jugendstrafverfahren, häuslicher Gewalt und Grundsicherung SGB XII ausgewertet.

In Baden-Württemberg lag die Armutsgefährdungsquote im Jahr 2012 bei Männern bei 13,6 Prozent und bei Frauen bei 15,8 Prozent. In Freiburg fällt diese Quote für beide Geschlechter etwas höher aus: Männer 17,9 Prozent, Frauen 19,7 Prozent.

Hilfe zum Lebensunterhalt bezogen zu 49 Prozent Frauen und zu 51 Prozent Männer. Grundsicherung erhielten 52 Prozent Frauen und 48 Prozent Männer. Hilfe zur Pflege bekamen zu 60 Prozent Frauen und zu 40 Prozent Männer.

Freiburg wird jünger: Der Frauenanteil der Älteren an der Wohnbevölkerung nimmt seit 2009 kontinuierlich ab. Waren es 2009 noch 14 Prozent Männer und 19 Prozent Frauen, so sind es 2013 noch 14 Prozent Männer und 18,3 Prozent Frauen, die 65 Jahre und älter waren.

Neu im Bericht 2014 sind die Hilfen zur Erziehung. Deutlich wird hier, dass Erziehungshilfen insgesamt vorwiegend für junge männliche Volljährige und männliche Jugendliche in Anspruch genommen werden. Neu ist die Kriminalstatistik mit dem Jugendstrafverfahren und der häuslichen Gewalt. Zwei Drittel aller Jugendgerichtshilfeverfahren betrifft männliche Jugendliche.

Opfer häuslicher Gewalt sind deutlich häufiger Frauen. Im Vergleich zu anderen Städten in Baden Württemberg hat Freiburg 2013 mit 418 weiblichen Opfern und 224 männlichen Opfern den höchsten Anteil an häuslicher Gewalt. Alle anderen Städte haben in der Regel rund 150 betroffene Frauen und zwischen 50 und 100 betroffene Männer. Die hohe Zahl in Freiburg wird vom Landeskriminalamt Baden -Württemberg auf die gute Öffentlichkeitsarbeit, Fachtagungen und vieles mehr zurückgeführt, anhand derer es möglich war, das Dunkelfeld aufzuhellen. Im Bericht heißt es: „Intensive, jahrelange Öffentlichkeitsarbeit, jährliche Fachtagungen, die Schaffung eines Sonderdezernates bei der Staatsanwaltschaft, die fundierte Ausbildung der Sachbearbeitung Häusliche Gewalt, all das hat dazu geführt, dass der vormals als ‚Hausstreit‘, ‚Sachbeschädigung‘ oder ‚Körperverletzung‘ bewertete Vorfall konsequent den Stellenwert einer häuslichen Gewalt erhalten hat. Ein solches Vorgehen erhöht die Opfergefährdungszahlen – jedoch nicht – weil es mehr Opfer gibt, sondern weil es gelungen ist, einen Teil des Dunkelfelds aufzuhellen.“ Die gute Infrastruktur

im Bereich „Gewalt gegen Frauen“ sei aber auch zu nennen, so der Bericht.

Oberbürgermeister Dieter Salomon begrüßt das Erscheinen des zweiten Gleichstellungsberichts: „Der Bericht ermöglicht ein genaues Hingucken auf die Situation der Menschen in der Stadt, unterschieden nach Geschlecht und anderen Indikatoren wie zum Bespiel Alter. Auf dieser Grundlage können Verwaltung und Gemeinderat gezielt steuern!“ Die scheidende Leiterin der Geschäftsstelle Gender Mainstreaming, Cornelia Hösl-Kulike, die für den Bericht verantwortlich zeichnet, erklärt: „Durch die jetzt mehrjährige Beobachtung des Freiburger Lebens unter dem Gesichtspunkt der Gleichstellung ist es möglich, auch mehrjährige Entwicklungslinien zu beobachten. Damit haben wir ein auf Dauer und langfristige Strategien gezieltes Instrument entwickelt.“ Sie dankte der Statistik im Amt für Bürgerservice und Informationsverarbeitung für die gute und genaue Erfassung und Auswertung der Daten.

Quelle: Stadt Freiburg

Share on Facebook Share on Google+

 Hinweis