Energiewechsel

Freiburg: Perspektivplan – Vorschlag einer Denkrichtung

Pressemeldung vom 15. Dezember 2015, 13:00 Uhr

Leitidee „Starke Verbindungen“ als Hauptgrundlage für die weitere Entwicklung der Stadt bei Wohnbebauung und Freiraumgestaltung

Gemeinderat entscheidet heute

Einen Perspektivplan erarbeitet seit Frühjahr 2014 die Bauverwaltung in Zusammenarbeit mit einem externen Planungsteam. Der Plan soll der strategischen Steuerung für die Stadtentwicklung der Stadt in den kommenden fünfzehn Jahren dienen. Ziel ist es, den gestiegenen Wohnungsbedarf zu decken und gleichzeitig die Qualitäten der Stadtentwicklung zu halten und weiter zu entwickeln. Grundlage des Perspektivplans ist, dass die Planung von neuen Bauflächen und der Entwicklung von Freiräumen immer zusammen gedacht wird. In seiner heutigen Sitzung soll der Gemeinderat die räumliche Leitidee entscheiden, auf dessen Grundlage der Perspektivplan im Laufe des nächsten Jahres fertig gestellt und beschlossen werden kann.

Bestandteil der Erarbeitung des Perspektivplans ist eine breite Beteiligung der Öffentlichkeit. Schon seit Mitte 2014 wurde der Plan in unterschiedlichen Formaten intensiv innerhalb der Stadtverwaltung, in der Politik und mit der Stadtgesellschaft diskutiert. Es gab vier sehr gut besuchte öffentliche Dialogveranstaltungen, Online-Umfragen, drei Workshops mit sogenannten Schlüsselakteurinnen und -akteuren sowie zahlreiche kleine Termine, zum Beispiel mit der Arbeitsgemeinschaft Freiburger Bürgervereine (AFB), der Vereinigung Freiburger Wohnungs- und Gewerbeunternehmen (VFW) und der Architektenschaft. Dazu kamen bisher zwei zentrale Arbeitsgespräche mit den Ortschaftsräten und sechs Sitzungen des Stadtentwicklungsausschusses. Die Ergebnisse und Hinweise aus der Beteiligung wertete das Team des Perspektivplans aus und nahm es in das Projekt mit auf.

Es waren dann Leitideen für die zukünftige Stadtentwicklung erarbeitet worden. Grundlage war die Frage, welche Stadtstruktur am besten zu Freiburg passt, und an welchen räumlichen Merkmalen die Stadtentwicklung anknüpfen kann. Für das weitere Verfahren entwickelte das Perspektivplanteam drei Denkrichtungen und diskutierte sie mit Bürgerinnen und Bürgern, der Politik sowie den Fachämtern. Die drei Denkrichtungen haben die Titel: „Starke Verbindungen“, „Identitätsstiftende Parks“ und „Lebendige Ränder“. Alle drei Denkrichtungen orientieren sich an prägenden Strukturen für die Freiräume, und in allen Denkrichtungen können gleich viele Wohnungen geschaffen werden. Außerdem sind alle drei Denkrichtungen dadurch gekennzeichnet, dass sie mit qualitativer Dichte arbeiten, die als durchaus positiv beurteilt wird, anstelle von orientierungsloser Dichte.

In den Arbeitskreisen kristallisierte sich die erste Denkrichtung „Starke Verbindungen“ als Favorit heraus, ergänzt um Ideen der anderen beiden Denkrichtungen. Sie knüpft städtebaulich an vorhandene Strukturen an und bietet von allen Denkrichtungen die beste Orientierung. Das Modell schont die Naturräume, vernetzt Innen mit Außen und bietet die größten Potenziale bei der Verflechtung mit dem Umland. Außerdem entspricht das Modell dem Ansatz einer Stadt der kurzen Wege. Die Stadtverwaltung schlägt dem Gemeinderat daher heute die Denkrichtung „Starke Verbindungen“ als Leitmodell für die weitere Entwicklung vor. Gleichzeitig sollen Ansätze aus den anderen Denkrichtungen, vor allem aus der Denkrichtung „Identitätsstiftende Parks“, auf Vereinbarkeit mit der Leitidee überprüft werden.

Oberbürgermeister Dieter Salomon dankte bei der Vorstellung des Vorschlags allen Bürgerinnen und Bürgern, die sich bei der Erarbeitung bislang mit engagiert haben. Für ihn ist wichtig, dass die weitere Entwicklung der Stadt von den dort Lebenden mit getragen wird. Und dass die Weiterentwicklung sich auf einem guten Qualitätsniveau abspielt: „Der Perspektivplan zeigt neue Möglichkeiten für die Stadtentwicklung auf, die in fünf bis fünfzehn Jahren realisiert werden sollen. Dabei setzt er Qualitätsstandards und bietet einen Orientierungsrahmen für die die weitere Entwicklung.“

Auch für Baubürgermeister Prof. Martin Haag ist die Beteiligung der Bürgerinnen und Bürger an der Entwicklung der Stadt wichtig: „Wir haben uns für einen transparenten Beteiligungsprozess entschieden und werden das im nächsten Jahr weiterführen.“ Er informierte, dass vor der Sommerpause des nächsten Jahres der erste Entwurf des Perspektivplans in einer öffentlichen

Dialogveranstaltung präsentiert werde. Leitlinie solle dabei weiterhin bleiben, so Haag, dass Freiflächen und bebaute Flächen zusammen geplant werden: „Wir wollen Stadtentwicklung mit Qualität, was für uns sowohl heißt, dass Freiräume und Gebäude immer zusammen gedacht werden als auch dass die Gebäude eine Qualität haben.“ Dies solle auch in die weiteren Schritte der Planung und Umsetzung von Flächen einfließen.

Der Leiter des Stadtplanungsamtes, Roland Jerusalem, in dessen Amt der Perspektivplan federführend erarbeitet wird, ergänzt: „Der Perspektivplan dient uns und dem Gemeinderat als strategisches Konzept. Das ist wichtig, weil bei Innenentwicklungsprojekten viele Akteurinnen und Akteure mitgenommen und überzeugt werden sollen.“ Es sei klar, so Jerusalem, dass die Projekte arbeitsintensiv sind. „Aber sie sorgen dafür, dass verfügbare Flächen intensiv und sinnvoll genutzt werden können.“ So könne Freiburg seine flächensparende Stadtentwicklung weiterführen.

Ziel des Perspektivplans ist es, deutlich mehr Potenziale für Wohnbauflächen heraus zu arbeiten, als bislang schon im Flächennutzungsplan 2020 enthalten sind. Dies gilt sowohl für Flächen innerhalb bebauter Gebiete als auch für Außenflächen. Aus strategischen Gründen wie zum Beispiel der Bodenpreisspekulation benennt der Perspektivplan keine grenzgenauen Flächen, sondern nur mögliche Potenziale.

Die anhaltend starke Nachfrage nach Wohnungen, vor allem im mittleren und unteren Preissegment, kam in den letzten Monaten mit der steil nach oben steigenden Zahl an zugewiesenen ehemaligen Flüchtlingen, die ebenfalls Wohnungen benötigen, zusammen. Deshalb hatte die Verwaltungsspitze im Sommer beschlossen, so schnell wie möglich die ersten Flächenvorschläge zu entwickeln und dem Gemeinderat zur Entscheidung vorzulegen. Auch dazu soll der Gemeinderat heute entscheiden. Außerdem wurde im Herbst in der Verwaltung eine ämterübergreifende Projektgruppe neue Wohnbauflächen zur schnellen Umsetzung installiert. Über die Besetzung dieser „ProWo“ entscheidet der Gemeinderat ebenfalls heute.

Für OB Salomon ist die Einsetzung der ProWo sehr wichtig. Denn sie soll Vorschläge für mögliche Flächen aus dem Perspektivplan aufgreifen und sie konkretisieren hinsichtlich genauer Fläche, Umfang und Realisierbarkeit. Damit sollen kurzfristig zusätzliche Wohnungsbauflächen bis zur Realisierung des neuen Stadtteils Dietenbach umgesetzt werden. Salomon unterstreicht: „Das ist wesentlich für die weitere gute und stabile Entwicklung der Stadt.“ Im Laufe des nächsten Jahres soll die ProWo dem Gemeinderat noch weitere Flächenvorschläge vorlegen. Festgeschrieben werden sollen die Flächen, die durch den Perspektivplan herausgearbeitet wurden, in der Fortschreibung des Flächennutzungsplans 2040.

Für den Abschluss des Perspektivplans sind folgende weitere Schritte geplant: In einer öffentliche Dialogveranstaltung noch vor der Sommerpause wird der vollständige Perspektivplan-Entwurf vorgestellt. Der Stadtentwicklungsausschuss wird ebenfalls den Entwurf beraten. Danach soll der Perspektivplan fertig gestellt und dann Ende des Jahres beschlossen werden.

Quelle: Stadt Freiburg

Share on Facebook Share on Google+

 Hinweis