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Freiburg: Per „Freiburger Lupe“ in die Zukunft der Bildungsberatung

Pressemeldung vom 21. Juni 2012, 15:05 Uhr

Initiative LEIF stellt computergestütztes Tool vor, das wie ein
Routenplaner das Netz der Bildungswege in Freiburg abbildet

Bildungsbürgermeisterin Gerda Stuchlik gibt bekannt, dass
Berlin die Fördermittel für „Lernen erleben in Freiburg“
verlängert hat / 1,6 Millionen Euro für die nächsten zwei Jahre

Freiburg bietet viele Chancen für gelingende Bildungsbiographien.
Zugleich ist seine Bildungslandschaft so komplex, dass sie viele
wegweisende Entscheidungen verlangt. Den eigenen Bildungsverlauf
erfolgreich zu gestalten, vom frühkindlichen bis zum Lernen im Alter,
wird so für alle Beteiligten zur Herausforderung. Die Initiative „LEIF –
Lernen erleben in Freiburg“ wurde vor drei Jahren eingerichtet, um
möglichst vielen Menschen zu gelingenden Bildungsbiographien zu
verhelfen.

Bildungsbürgermeisterin Gerda Stuchlik gab heute bekannt, dass das
Bundesministerium für Bildung und Forschung die Fördermittel für
LEIF um zwei Jahre verlängert hat: „Darüber freuen wir uns sehr,
weil es ein Ausdruck der Wertschätzung für die bisher geleistete
Arbeit ist. LEIF ist aus der örtlichen Bildungslandschaft nicht mehr
wegzudenken.“ Im November 2011 hatte der Gemeinderat die
Antragstellung für die Förderphase II des Bundesprogramms „Lernen
vor Ort“ befürwortet, kürzlich traf der Zuwendungsbescheid aus
Berlin in Freiburg ein.

Wofür die neuen Fördermittel – rund 1,6 Millionen Euro für den
Zeitraum September 2012 bis August 2014 – verwendet werden,
erläutert LEIF-Leiterin Veronika Schönstein: „Für eine gelungene
Bildungsbiographie sind transparente Optionen und individuelle
Informationen nötig. Beides gewährleisten wir u.a. mit dem
Wegweiser Bildung, der nächste Woche in der Stadtbibliothek
eröffnet wird.“ Eines der zentralen Instrumente in diesem Wegweiser

ist die von LEIF entwickelte „Freiburger Lupe“, die analog einem
Streckennetz oder Routenplaner Bildungswege in Freiburg darstellt –
interaktiv, umfassend und für jedermann verständlich. Informationen
können je nach Standpunkt des/der Ratsuchenden wie unter einer
Lupe vertieft werden. Sie schafft Transparenz über vorhandene
Bildungsangebote und wird Hand in Hand mit örtlichen
Bildungsakteuren stetig weiterentwickelt. Stuchlik betonte: „Durch die
Schaffung neuer Kooperationslinien wird eine verbesserte
Vernetzung der beteiligten Institutionen, Akteurinnen und Zielgruppen
ermöglicht.“

Zur Eröffnung des Wegweisers Bildung am 28. Juni wird die
„Freiburger Lupe“ erstmals der breiten Öffentlichkeit zugänglich
gemacht. Zuvor hatte sie in Bildungskreisen bereits Aufsehen erregt,
weil sie als computergestütztes Tool das Netz der Bildungswege am
Ort von der Familie bis zur Seniorenbildung wiedergibt. So sehen
Ratsuchende vom aktuellen Standpunkt (oder dem ihrer Kinder) aus
alle möglichen Bildungsoptionen. Sie kommen von A, stehen kurz vor
B, wollen mittelfristig aber nach C? Dazu weist die Lupe den Weg.

So funktioniert die Lupe – ein Beispiel
Max ist 15 und ratlos: In sechs Monaten hat er die Mittlere Reife in
der Tasche und noch keinen Plan, wie es dann weitergehen soll.
Aufs berufliche Gymnasium, was anderes kann man damit ja nicht
machen, oder?
Beate Heine schüttelt lachend den Kopf. Sie ist Betreuerin in einem
Jugendzentrum und dreht den PC-Monitor zu Max hin: „Komm, wir
schauen uns mal mit der Freiburger Lupe Deine Möglichkeiten an.
Hier stehst Du gerade, auf dieser Strecke in Richtung Mittlere Reife.
Diese Übergänge hast Du bereits geschafft. Wäre jetzt eine Lehre
was für Dich? Oder erst ein Freiwilliges Soziales Jahr?“
Max ist baff. Mit wenigen Klicks zeigt ihm Beate Heine, welche
Beratungsanbieter ihm mit seiner Fragestellung weiterhelfen können.
Wie unter einer Lupe können sie gemeinsam jedes Detail betrachten,
heranzoomen und von einem Abschluss zum nächsten oder
vorherigen scrollen. Und Max ist nicht allein: 27.000 Kinder und
Jugendliche unter 15 Jahren in Freiburg können durch die Nutzung
der „Lupe“ in ihren Entscheidungen für erfolgreiche Bildungsverläufe
unterstützt werden.

Die „Lupe“ wurde Ende 2011 auf der Lernen-vor-Ort-Konferenz in
Berlin als Transferprodukt vorgestellt. „Transferprodukte“ werden
bundesweit unter den 40 geförderten Kommunen ausgewählt, weil
sie als besonders übertragbar/transferfähig in andere Städte erachtet
werden, und als transferwürdig. So kam die Lupe in LvO-Kreisen
schon zu Insider-Ruhm. Auch das Bundesministerium für Bildung
und Forschung hat ihr Potential früh erkannt und sieht künftig ihren
bundesweiten Einsatz vor.

Alle vier Teilnehmer/innen der heutigen Pressekonferenz – neben
Bürgermeisterin Stuchlik und LEIF-Leiterin Schönstein auch Eva von

Rekowski, Leiterin der Volkshochschule Freiburg, und Boris Gourdial,
Geschäftsführer Operativer Bereich bei der örtlichen Agentur für
Arbeit – waren damals mit in Berlin und kennen die Lupe von Anfang
an. Schönstein war federführend an ihrer Entwicklung beteiligt, VHS
und Arbeitsagentur wollen sie als Beratungsinstrument nutzen.

VHS-Leiterin Eva von Rekowski sagt: „Ich sehe die Freiburger Lupe
als wertvolles Instrument zur Orientierung, die eigenständig für
Ratsuchende wie auch in Beratungsgesprächen eine gute Basis
bietet.“ Boris Gourdial von der Arbeitsagentur ergänzt: „Die Lupe
schafft die Grundlage für ein anschließendes Beratungsgespräch.
Und der Wegweiser Bildung lotst zum richtigen Berater.“ Werner
Gmeiner, Geschäftsführer der beteiligten Handwerkskammer, betont:
„Die Lupe ist ein wichtiges Instrument, um die Verzahnung unter den
Freiburger Bildungs- und Beratungseinrichtungen voran zu treiben.“
Alle Seiten unterstrichen heute, dass die „Lupe“ nicht im luftleeren
Raum entstand, sondern genauen Bedarfserhebungen unter den
Akteuren an den jeweiligen Bildungsübergängen entsprang. Ihre
Erprobung im WeBi beginnt am 28. Juni, sukzessive wird sie dann für
breitere Einsatzmöglichkeiten überarbeitet, bis sie im Laufe des
Jahres 2013 im Internet für alle frei zugänglich sein soll.

LEIF – Was ist bisher gelaufen und was läuft weiter?
LEIF erhielt im Sommer 2009 vom Bundesbildungsministerium über
dessen Strukturprogramm „Lernen vor Ort“ (LvO) den Auftrag,
Strukturen für ein Bildungsmanagement im kommunalen Raum zu
schaffen. Damals hatten die Träger rund 60 Millionen Euro für 40
Standorte ausgeschüttet, davon 2,4 Millionen Euro für Freiburg.
Dieser Auftrag wurde in den vergangenen drei Jahren gewissenhaft
verfolgt und führte zu diversen Erfolgen. Detaillierte Angaben zu den
folgenden Projekten stehen in der Broschüre „LEIF – Initiative für
mehr Bildungsgerechtigkeit“.

1. Alle Entscheidungsträger des Steuerkreises haben sich auf
gemeinsame Ziele für ein gelingendes Lebenslanges Lernen
verständigt. Dieses „Leitbild LEIF“ ist unterzeichnet vom
Oberbürgermeister und den Dezernent/innen, vom Schulpräsidenten
(für das Regierungspräsidium), von Arbeitsagentur, IHK,
Handwerkskammer und der Universität als Vertreterin der örtlichen
Hochschullandschaft.

2. LEIF hat eine Organisationsstruktur entwickelt, in der über
Ämter- und Zuständigkeitsgrenzen hinweg gut miteinander gearbeitet
werden kann. In alle Vorhaben von LEIF sind relevante Akteure und
Entscheidungsträger der Bildungslandschaft eingebunden. Die
aufgebauten Strukturen werden in der nächsten Förderphase
fortbestehen, ausgebaut und genutzt, um Transparenz und
gemeinsames Handeln im Sinne der Bürger/innen voranzutreiben.

3. LEIF hat zusammen mit der Bildungsregion das
Bildungsmonitoring weiterentwickelt, das es auf der Basis vieler

Daten ermöglicht, den komplexen Bereich Bildung zielgenauer zu
erfassen, zu analysieren, zu systematisieren und weiterzuentwickeln.
Erkenntnisse daraus werden transparent gemacht (mittels Lupe,
Wegweiser Bildung, Kleeblätter, Datenbank usw.). Im Aktionsfeld
„Bildungsmonitoring“ hat LEIF am Freiburger Bildungsbericht 2010
mitgearbeitet und ergänzt durch eine Tiefenanalyse zu Bildung und
Migration in Freiburg, die im Herbst 2012 erscheinen wird. In den
nächsten zwei Jahren wird die Qualitätssicherung weiter entwickelt
und als Transferprodukt für die bundesweite Übertragung konzipiert,
so dass andere Kommunen die Erfahrungen aus Freiburg für den
Aufbau eigener Qualitätssicherung nutzen können.

4. LEIF schafft Transparenz in der Bildungsberatung. Dafür
wurde seit 2009 eine umfassenden Bildungsberatungsdatenbank
aufgebaut (auf www.leif-freiburg.de). Wer sie selbständig online
nutzt, erhält die richtige Adresse für eigene Beratungsanliegen rund
um Bildung. Am 28. Juni eröffnet der „Wegweiser Bildung“ als
zentrale Anlaufstelle für alle Fragen rund um Bildung in der
Stadtbibliothek; dank der Kooperation mit der AG Bildungsberatung,
die sein Konzept mit entwickelt hat, tragen den WeBi alle zentralen
Bildungsberatungseinrichtungen der Stadt gemeinsam. Geplant ist
bis 2014 die Ausbildung von Bildungsberatungslotsen, die in den
Stadtteilen eingesetzt werden, und die Etablierung (und ggf.
Weiterentwicklung) des Wegweisers Bildung.

5. LEIF schafft Transparenz im Übergangsmanagement. Beim
neu eingeführten BEST, einem Training zur Berufs- und
Studienorientierung für Gymnasien, hat LEIF die Koordination
übernommen. Es komplettiert die bestehenden Angebote zur
Berufsorientierung für die Haupt- und Realschulen. Nach der
Übergabe an das Amt für Schule und Bildung Ende 2011 ist die
Fortführung von BEST über den Projektzeitraum von LEIF hinaus
gesichert. Daneben wurde die Freiburger Lupe konzipiert und
entwickelt, die nun im Wegweiser Bildung als Beratungsinstrument
eingesetzt wird. Bis 2014 soll die Lupe auf Basis der Erfahrungen im
WeBi weiter entwickelt und erstmals eine Testversion in München
und Leipzig erprobt werden.

6. LEIF sorgt im Bereich Integration/Diversity für Vernetzung. So
wurde der „Rucksack“ eingeführt, ein Programm zur Eltern- und
Sprachbildung in Kitas, das finanziert wird von der Stadt Freiburg und
dem lokalen Stiftungsverbund; seine Koordination geht im Sommer
2012 an die Volkshochschule über. Daneben hat LEIF eine
Broschüre erstellt, die Eltern in vier Sprachen darüber aufklärt, was
das deutsche Bildungssystem von ihnen erwartet. Zudem hat LEIF
das „Netzwerk Bildung und Migration“ (zwei Treffen pro Jahr, mit
jeweils rund 100 Teilnehmenden) und den „Dolmetscherpool“ mit 24
Sprachen aufgebaut. Dolmetscher können von Schulen und
Kindergärten für Elterngespräche angefragt werden. Seit 2012 wird
dieser Pool vom Amt für Schule und Bildung betreut und koordiniert.

7. LEIF schafft Transparenz und Kooperationen im Bereich
Wirtschaft, Technik, Umwelt und Wissenschaft (WTUW). Dessen
„Forschungsräume“ sind ein besonders gelungenes Beispiel für die
Arbeitsweise von LEIF: Durch die übergreifende Kooperation von
Kita und Schule, unterschiedlichen Ämtern, Bildungsträgern usw.
über die Grenzen von Kita und Schule hinweg wurden gemeinsame
Konzepte zum naturwissenschaftlichen Forschen für Kinder
entwickelt. Diese Konzepte werden längst in diversen Kitas und
Schulen in Freiburg eingesetzt. Die „Forschungsräume“ sind seit
Frühjahr 2012 im Schulamt verortet und damit in städtische
Strukturen überführt. Zudem hat LEIF die erfolgreiche Bewerbung zur
„Stadt der Weltdekade Bildung für Nachhaltigkeit“ im September
2011 vorbereitet und koordiniert. Daneben wurde das Netzwerk
„Nachhaltigkeit lernen“ aufgebaut und das „Freiburger Kleeblatt“
entwickelt, ein Bildungsangebot im Sinne nachhaltiger Entwicklung.
Dazu werden bestehende Lernangebote unterschiedlichster Anbieter
unter der Klammer BNE aufeinander abgestimmt und Schulen und
Kitas angeboten. Die „Sommerschulen“, die LEIF koordiniert und
mitkonzipiert hat, wurden 2011 an die Ökostation Freiburg
übergeben. Das LEIF-Projekt „Green-Tech-Berufe in der
Jugendarbeit und im Handwerk“ wird von der Deutschen Stiftung
Umwelt als Themenpatin gefördert und will Kinder und Jugendliche
und deren Eltern für den Green-Tech-Bereich sensibilisieren. Als
Partner dabei sind Ökostation, Handwerkskammer und drei
Freiburger Jugendzentren.

Quelle: Stadt Freiburg

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