Energiewechsel

Freiburg: Neuer Stadtteil Dietenbach

Pressemeldung vom 27. September 2016, 12:20 Uhr

Zukunftsfähiges Energiekonzept bietet einmalige Chance für eine nachhaltige und klimaneutrale Stadtentwicklung des Stadtteils
Ein klimaneutraler Stadtteil ist möglich. Das ist das Ergebnis der Untersuchung zum Energiekonzept im neuen Stadtteil Dietenbach. Ziel des Konzepts ist es, die Energieversorgung im neuen Stadtteil so zu planen, dass sie in der Bilanz weitgehend klimaneutral ist.
„Der Ausstieg aus der Verbrennung fossiler Energieträger durch energieeffiziente Strukturen und die verstärkte Nutzung der erneuerbaren Energien ist eine der wichtigsten kommunalpolitischen Aufgaben. Gerade wenn wir neue Quartiere für die Zukunft planen, ist die Klimaneutralität ein wichtiges Ziel“, so Umweltbürgermeisterin Gerda Stuchlik bei der Vorstellung des Energiekonzepts für den neuen Stadtteil Dietenbach.
Das neue Energiekonzept belegt, dass mit dem hohen Freiburg Effizienzhausstandard für Gebäude und den entsprechenden Strukturen bei Versorgung und Erzeugung ein klimaneutraler Stadtteil nicht nur möglich, sondern auch bezahlbar wäre. „Trotz bester Klimastandards müssten Mieter und Eigentümer nicht mehr für ihre warme Wohnung bezahlen als heute“, erläutert Klaus von Zahn, der Leiter des Umweltschutzamtes.
Das Energiekonzept untersucht drei Varianten der Energieversorgung (Basis, Smart, Plus) und als Referenz den derzeitigen gesetzlichen Standard mit Öl, Brennwertkessel und Solarthermie. Der Bilanzumfang bezieht sich auf den 2 Energiebedarf (Gebäude, Haushaltsstrom und Mobilität) und auf einen Aufsiedlungszeitraum von 2020 bis 2042 beziehungsweise 2050. In allen Varianten werden die Gebäude mit sehr guten Dämmeigenschaften im Standard KfW Effizienzhaus 55 vorausgesetzt.
Bei den beiden Varianten „Dietenbach smart“ und „Dietenbach plus“ kann eine klimaneutrale Energieversorgung auf Basis der CO2 Bilanz erreicht werden. Dabei können rund 364.000 Tonnen zusätzliche Treibhausgase pro Jahr vermieden werden, das entspricht 2,2 Prozent der Gesamtemissionen in Freiburg.
Voraussetzung für diese Einsparungen sind eine ambitionierte Erzeugung und Bereitstellung von erneuerbaren Energien mit Solaranlagen, Nahwärmenetzen und Energiespeichern. Sowohl die vollständige Nutzung aller Dachflächen für Photovoltaikanlagen sowie die gesteuerte Bereitstellung im Quartier als auch die Verwendung von Wärme eines vorhandenen Abwasserkanals sind Elemente des vorgeschlagenen Konzepts. Auch die Nutzung des geplanten Lärmschutzwalls für Solaranlagen und die Realisierung eines Erdwärmefeldes wären für eine klimaneutrale Energieversorgung notwendig.
Dabei ist jedoch nicht nur die umweltfreundliche Erzeugung eine Herausforderung, sondern auch die Aufgabe, das Energieangebot zeitlich an den Bedarf anzupassen. Vereinfacht gesagt: „Die sommerliche Sonne muss im Winter zum Heizen genutzt werden können. Für diese zukünftig notwendige Entlastung der Energienetze benötigen wir moderne Speichertechnologien, “ so Tobias Nusser vom Büro EGS-Plan, das in Kooperation mit der Universität Stuttgart. Institut für Energiewirtschaft und Rationale Energieanwendung sowie Joachim Eble, Architekturbüro, das Konzept erstellt hat.
Die Investitionskosten für die klimaneutralen Energieversorgungsvarianten liegen höchstens 3,1 Prozent über den Kosten der Basisvariante. Bei den Jahresgesamtkosten inklusive der laufenden Kosten liegen die klimaneutralen Varianten sogar noch unter den Kosten der Referenzvariante, da die etwas höheren Investitionskosten zu einem deutlich niedrigeren Energieverbrauch und damit zu geringeren Betriebskosten führen. Die Umweltbürgermeisterin setzt daher auf die umweltfreundlichen Konzepte: „Nur so kann die Stadt ihre Klimaziele zukünftig erreichen“.
Die im Energiekonzept vorgeschlagenen Maßnahmen für einen klimaneutralen Stadtteil haben weitreichende und noch nicht abschließend bewertete Auswirkungen auf wesentliche 3 andere Ziele der Entwicklungsmaßnahme, unter anderem mögliche Einschränkungen der Spielräume für den Städtebau, mögliche Erschwernisse bei der Vermarktung und eine optimale Ausnutzung des Baugebietes.
Grundsätzlich wird zu prüfen sein, ob, wie und in welchem Umfang regenerative Energieerzeugung in die Bilanz des neuen Stadtteils miteinbezogen werden kann, auch wenn diese nicht unmittelbar auf dem Gebiet des Bebauungsplans erfolgt. Eine Fortschreibung des Energiekonzeptes soll beauftragt werden, sobald die weitere Ausarbeitung des Siegerentwurfs aus dem städtebaulichen Wettbewerb vorliegt.
Die Varianten im Detail:
Für die Versorgung der Randbereiche Dietenbach Süd und Nord ist in allen Varianten eine „kalte Nahwärme“ angedacht, das heißt, es wären in den Gebäuden jeweils Wärmepumpen in Kombination mit Photovoltaik (PV) erforderlich, die die Abwärme aus Abwasser und Erdsonden auf niedrigem Temperaturniveau nutzen und im Gebiet verteilen. Im nördlichen Bereich ist weiterhin ein Erdsondenfeld geplant, welches die dort gelegenen Baugebiete mit Wärme versorgen soll.
Im südlichen Bereich soll in Abstimmung mit dem AZV Breisgauer Bucht geprüft werden, ob die Abwärme aus dem Abwasserkanal „Mundenhofer Straße“ genutzt werden kann. Der dichter besiedelte Innenbereich erhält jeweils eine zentrale Wärmeversorgung.
Die Basisvariante hat eine aus heutiger Sicht bereits weiterentwickelte Versorgungsstruktur: Eine Nahwärmezentrale im Zentrum des Quartiers für den Innenbereich auf Basis von einem wärmegeführtem Gas- Blockheizkraftwerk (BHKW), Holzhackschnitzel und Spitzenlastkessel. Eine dezentrale Versorgung der Einfamilienhaus-Bebauung mit Wärmepumpen, 70 Prozent der Dachfläche und 30 Prozent der Fassadefläche wird für PV genutzt, 100 Prozent PV auf dem Lärmschutzwall.
Die klimaneutrale Variante Dietenbach Smart wird die zentrale Wärmeversorgung für den Innenbereich auf Basis von stromgeführtem Gas-BHKW, Holzhackschnitzel und Spitzenlastkessel (Gas) gelöst. Die lokale Stromerzeugung wird durch die Maximierung der PV erhöht (100 prozentige) PV-Belegung auf Dächern und 30 Prozent auf der Fassade, 100 Prozent PV auf dem Lärmschutzwall. Die Eigenstromnutzung wird mit einem lokalen Strommanagement (Smart-Grid) durch Stromspeicherung auf Gebäude- und Quartiersebene gesteigert.
In der klimaneutralen Variante Dietenbach Plus wird bei der zentrale Wärmeversorgung für den Innenbereich auf fossile Brennstoffe verzichtet: Holzhackschnitzelkessel werden kombiniert mit saisonaler Wärmespeicher und Freiflächen- Solarthermie auf dem Lärmschutzwall. Hinzu kommen zentrale Wärmepumpen, die unter anderem zur Nutzung des Überschusses der lokalen Stromerzeugung eingesetzt werden. Im Smart-Grid-Ansatz wird zusätzlich die kalte Nahwärme an den Saisonspeicher angeschlossen. Erhöhte PV-Nutzung an den Gebäuden wie in Variante Smart.

Quelle: Stadt Freiburg

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