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Freiburg: Mehr Ausleihen, mehr Besucher, immer mehr digital

Pressemeldung vom 6. Mai 2015, 12:31 Uhr

Die Stadtbibliothek hat ihren Jahresbericht 2014 vorgestellt

Besonders Kinder- und Jugendbereich wird regelrecht überlaufen – Auch die Ü60-Leserschaft nimmt zu

App für dies, App für das, ab dafür: Kinder und Jugendliche werden täglich von medialen Reizen überflutet. Damit verliere das Buch als allererstes Kulturgut an Boden, ist oft zu hören (und zu lesen). Diesen Eindruck kann die Stadtbibliothek nicht bestätigen – im Gegenteil: Im Jahr 2014 erzielte die Kinder- und Jugendbibliothek den zweitbesten Ausleihe-Wert ihrer Geschichte. Dieses Hoch und die deutliche Steigerung bei der Onleihe haben das vergangene Jahr nah an die Nutzerwerte des Rekordjahres 2013 herangeführt. So erzielte die Stadtbibliothek 2014 mit 1.623.093 ausgeliehenen Medien das zweitbeste Ergebnis ihrer 114-jährigen Geschichte (2013: 1.641.740 – 2012: 1.593.607 – 2011: 1.600.356 Ausleihen).

Heute hat die Direktorin der Stadtbibliothek, Elisabeth Willnat, den Jahresbericht 2014 der Stadtbibliothek vorgestellt. Dabei verwies sie auf den enormen Erfolg der Onleihe: „Die Ausleihe digitaler Medien wie E-Books und E-Journals entwickelt sich so stark, dass sie bereits die Ausleihzahlen einer Stadtteilbibliothek erreicht. Wir betrachten sie schon als unsere virtuelle Zweigstelle.“ Der Medien-Etat muss laut Willnat weiterhin der hohen Nachfrage auch an gedruckten Medien nachkommen, kann aber nicht jede Wartezeit verhindern; bei den beliebtesten Titeln sind lange Vormerklisten möglich.

Doch nicht nur die Onleihe sorgte 2014 für Trubel im Betrieb der Stadtbibliothek. Das Freiburger Schulbibliotheksnetz „Bibliothek der Kulturen“ wurde unter Federführung des Amtes für Schule und Bildung im vergangenen Jahr weiter ausgebaut und sehr gut angenommen. Neue Bibliotheken wurden eingerichtet und der Bestand vorhandener Filialen gezielt aktualisiert. Zudem war 2014 ein Jahr der Vorbereitungen und Planungen: für die Modernisierung der Musikbibliothek, für den Publikumsaufzug, für die Rückkehr der Stadtteilbibliothek Mooswald in ihr Stammquartier. Übrigens wurde im Dezember 2014 die Software der Stadtbibliothek auf den neuesten Stand gebracht – ohne einen einzigen Schließtag.

Wie viel wurde 2014 ausgeliehen? Die Ausleihen entsprechen im Wesentlichen den Zahlen des Jahres 2013 (siehe oben). Mit 1.623.093 ausgeliehenen Medien wurde also zum dritten Mal die 1,6-Mio-Marke überschritten. Garant dieses Erfolges bleibt die Hauptstelle (2014: 1,211 Mio – 2013: 1,236 Mio – 2012: 1,199 Mio Ausleihen). An diesen Zahlen hat wiederum die Kinder- und Jugendbibliothek einen erheblichen Anteil. Auch hier kratzte 2014 mit 409.516 Ausleihen am Vorjahresrekord (2013: 410.696 – 2012: 392.015 – 2011: 388.300). Inzwischen sind allein Kinder und Jugendliche am Münsterplatz respektive ihre beflissenen Papas, Omas, Tanten für jede vierte Stabi-Ausleihe verantwortlich (25,2 Prozent). Die Nutzung der Onleihe stieg gegenüber dem Vorjahr erneut um stolze 40 Prozent (2014: 72.641 – 2013: 51.700 – 2012: 31.233 – 2011: 17.876), ein Ende dieser rasanten Zuwächse ist nicht abzusehen. Diese starke Nutzung wirkt sich umgekehrt auf die Nutzung der gedruckten Medien aus: die Nachfrage nach digitalen Medien intensiviert deren Nachfrage und Ausleihe.

Wer nutzt die Stadtbibliothek? Die Zahl der Besucherinnen und Besucher ist im vergangenen Jahr wieder deutlich gestiegen (2014: 709.188 – 2013: 684.983 – 2012: 678.470 – 2011: 672.177). Durch den Einbau einer Zählanlage im neuen Bücherbus konnte die Zählung auch hier auf eine verlässliche Basis gestellt werden; in den Vorjahren wurden nur Stichproben erhoben. Die Zahl der Ausweisbesitzer ist seit Jahren von bemerkenswerter Konstanz (2014: 26.706 – 2013: 26.635 – 2012: 26.651 – 2011: 26.617). Die Zahl der Nutzerinnen und Nutzer liegt vermutlich höher, da eine gewisse Anzahl von Ausweisen gemeinsam genutzt wird. Dabei fällt auf, dass der Anteil der Leserschaft ab 60 Jahren nochmals um 6 Prozent zunahm (2014: 2.387 – 2013: 2.249 – 2012: 2.084 – 2011: 1.882). Zurückgegangen ist im vergangenen Jahr die Zahl der 14- bis 18-jährigen Nutzer (minus 3,3 Prozent), gestiegen dagegen die Zahl der 19- bis 24-jährigen Nutzer (plus 1,1 Prozent). Im Jahr davor hatte es fast analog eine Gegenbewegung gegeben (plus 2,2 bzw. minus 5,4 Prozent). Diese Zielgruppen holen sich ihre Informationen verstärkt online. Weiterhin konstant verteilt sich die Bibliotheksnutzung zwischen Frauen (63,5 Prozent) und Männern (36,5 Prozent).

Was wird geboten? Das Medienangebot der Stadtbibliothek setzt sich nach wie vor zu über zwei Dritteln aus Büchern und knapp einem Drittel (2014: 30% – 2013: 30% – 2012: 29,7% – 2011: 28,7%) aus audiovisuellen Medien, Tonträgern, Karten, Spielen und Zeitschriften zusammen.

Der Anteil an der Ausleihe dieser „Non-Book-Medien“ steigt jedoch ständig (2014: 46% – 2013: 45,8% – 2012: 43,9% – 2011: 42,7%). Elektronische Medien haben im Vorjahr 18 Prozent des Bestandes, aber 41,7 Prozent der Ausleihen ausgemacht. Der Bestand der Freiburger Onleihe umfasst 7.722 Medien (2,7 Prozent des Bestandes), die Ausleihe beträgt 4,5 Prozent der Gesamtausleihen.

Doch das Team der Stadtbibliothek begreift sich nicht nur als Hüterin von Bücherregalen – es geht auch regelmäßig und beherzt auf die Menschen zu. Das zeigt sich bei Veranstaltungen, Führungen und Medienpräsentationen: Deren Zahl blieb auf sehr hohem Niveau (2014: 684 – 2013: 668 – 2012: 705). Knapp die Hälfte richtete sich an die wichtigste Zielgruppe: Kinder und Jugendliche.

Seit Jahren ist die Kinder- und Jugendbibliothek federführend bei diversen Projekten zur Lese- und Sprachförderung. Um die Kinder und ihre Eltern zum Schulstart auf die Bibliothek aufmerksam zu machen, organisierte sie die stadtweite Aktion „Ein Leseausweis in jede Schultüte“ und nahm auch 2014 am Lirum-Larum-Lesefest teil. Beim Weltkindertag im Seepark präsentierte die Stadtbibliothek eine Medienauswahl und bot Bastelaktionen an. Am 11. bundesweiten Vorlesetag veranstaltete sie wieder Vorleseaktionen, diesmal in Kooperation mit dem SWR-Sinfonieorchester, dem Barockorchester, dem Philharmonischen Orchester, der Musikschule und der Trachtenkapelle Heuweiler. Zudem wurde die „Aktion Lesestart“ fortgesetzt.

Was geht in den Stadtteilen und Schulen? Die Stadtteil- und Schulbibliothek Haslach leistete auch 2014 aktive Kulturarbeit in Kooperation mit der Haslacher Wundertüte, dem Nachbarschaftswerk und der Melanchthon-Gemeinde. Dazu zählten die Reihen „Das E-Werk zu Gast in der Bibliothek“, das Haslacher Erzählcafé und die 11. Haslacher Hofmusik. Höhepunkt der Aktivitäten im Stadtteil war das Jubiläum „100 Jahre Gartenstadt“, mit einem Vortrag über ihre städtebaulichen Aspekte: „Zukunftsvision oder Auslaufmodell?“

Die Sanierung der Wentzingerschulen nähert sich dem Ende, also kann die Stadtteilbibliothek Mooswald von ihrem Interimsstandort demnächst an den alten Standort in der Schule zurückkehren. Nun laufen die Vorbereitungen für die Ausstattung und die Nutzung. Der Zuspruch durch die neuen Wohngebiete Westarkaden und Sternenhof hält an. Besonders Familien mit kleinen Kindern nutzen die vielseitigen Angebote etwa zur Sprach- und Leseförderung, oder Elternratgeber. Die Vorlesereihe „Lesen und lesen lassen“ wurde erfolgreich fortgesetzt.

Die Kinder- und Jugendmediothek Rieselfeld gestaltete ihr Stadtteilfest mit einem Flohmarkt, einer Lese- und Malaktion, einer Kasperl-Aufführung und dem Computerspiel „Anno 1602“. Darüber

hinaus gab es mehrsprachige Lesungen, Bilderbuchkinos, Rallyes und Einführungen ins Internet (auch für Erwachsene).

Der neue Bücherbus hat sich gut bewährt. Er fährt 17 Haltestellen im Stadtgebiet an und sucht einmal in Monat die Bibliothèque Municipale de Mulhouse auf. Im Gegenzug macht deren Bücherbus voller französischer Medien einmal im Monat auf dem Münsterplatz Halt. Während der ersten Woche in den Sommerferien begab sich der Bücherbus auf Sommertour und suchte neue Standorte auf: den Opfinger Baggersee, den Mundenhof, den Seepark und den Waldsee. Mit dabei war der Bücherbus auch beim Lirum-Larum- Lesefest und bei einem Treffen der Fahrbibliotheken.

Dem Freiburger Schulbibliotheksnetz „Bibliothek der Kulturen“ gehören (Stand Ende 2014) 32 Schulen an: 22 Grund- und Hauptschulen, 5 Förderschulen, 1 Realschule, 1 Berufliche Schule und 3 Gymnasien. Drei Grundschulen kamen 2014 hinzu, drei weitere werden 2015 folgen. Die Ausleihzahlen in den Schulbibliotheken steigen unentwegt – ein schöner Beleg, dass ihre Integration ins Schulleben gut voranschreitet (2014: 15.694 – 2013: 14.316 – 2012: 11.246).

Der Info-Point Europa bietet individuelle Beratung zu Arbeit, Ausbildung, Studium, Leben in Europa, kostenloses Info-Material der EU, eine Präsenzbibliothek mit Fachpublikationen in der Hauptstelle am Münsterplatz sowie vielfältige Veranstaltungen zu Themen aus Politik, Gesellschaft und Kultur in Europa. Im Jahr 2014 waren das 25 Termine, darunter zwei Ausstellungen und das Europafest im Juli.

Was kommt noch? Im Dezember 2014 wurde die Musikbibliothek 50 Jahre alt. Demnächst soll dieser Bereich der Stadtbibliothek mit einer neuen Ausstattung und neuen Angeboten eingeweiht werden. Planung und Vorarbeiten für den Publikumsaufzug laufen auf Hochtouren; er wird der letzte Schritt hin zu einer barrierefreien Nutzung des Hauses.

Die Fahrbibliothek wird ihr 60-jähriges Jubiläum auf einer weiteren Sondertour in den Pfingstferien zu den neuen Standorten, aber auch an den regulären Haltestellen feiern. Die Aktion „StadtLesen“ lädt die Freiburgerinnen und Freiburger diesmal vom 30. Juli bis 2. August wiederum auf den Kartoffelmarkt ein.

Quelle: Stadt Freiburg

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