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Freiburg: Kinder- und Jugendbereich stellt wieder Rekorde auf: Die Stadtbibliothek hat ihren Jahresbericht 2015 vorgestellt

Pressemeldung vom 1. Juli 2016, 14:07 Uhr

Gesamt-Ausleihe erzielt drittbesten Wert in 115 Stabi-Jahren

App für dies, App für das, ab dafür: Junge Menschen können sich nicht über einen Mangel an medialen Reizen beschweren. Oft ist zu hören (und zu lesen), dass nun das Buch als allererstes Kulturgut an Boden verliere. Diesem Eindruck kann die Stadtbibliothek beherzt widersprechen: Im Jahr 2015 erzielte ihre Kinder- und Jugend- Abteilung mit 420.872 Ausleihen den besten Wert ihrer Geschichte.

Dieses Hoch und die erneute Steigerung bei der Onleihe haben das vergangene Jahr nah an die Nutzerwerte der Rekordjahre 2013 und 2014 herangeführt. So hat die Stadtbibliothek 2015 mit 1.613.581 ausgeliehenen Medien das drittbeste Ergebnis ihrer 115-jährigen Geschichte erzielt (2014: 1.623.093 – 2013: 1.641.740 – 2012: 1.593.607 – 2011: 1.600.356 Ausleihen).

Heute hat deren Leiterin Elisabeth Willnat den Jahresbericht 2015 der Stadtbibliothek vorgestellt. Dabei verwies sie darauf, dass die Zahlen noch besser wären, wenn Infothek und Musikbibliothek nicht zwei Monate nur eingeschränkt nutzbar gewesen wären. Die Musikbibliothek hatte zu ihrem 50-jährigen Jubiläum eine neue Ausstattung erhalten.

Besonders hob Elisabeth Willnat die Ausleihe digitaler Medien wie E- Books und E-Journals hervor: „Unsere Onleihe hat sich mittlerweile mit einem Anstieg um 31,6 Prozent auf 95.601 Ausleihen zu einer eigenen virtuellen Zweigstelle entwickelt.“ Auch 2015 konnte die Bibliothek der großen Nachfrage an der Onleihe nicht komplett nachkommen, obwohl deren Bestand inzwischen 10.472 Medien umfasst und die Stabi-Leitung um Willnat ihre Ressourcen bereits behutsam zugunsten der digitalen Medien umschichtet.

Die starke Ausrichtung auf Leseförderung und Spracherwerb, damit also die Zielgruppe der Kinder, hatte zur Folge, dass die Kinder- und Jugendbibliothek mit 420.872 Ausleihen ihren größten Erfolg überhaupt erzielte. 2005 waren es noch 329.152 Ausleihen; das ist eine Steigerung um 28 Prozent in zehn Jahren. Heute macht die Kinder- und Jugend-Abteilung über ein Drittel (35,4%) der Ausleihen der Hauptstelle und über ein Viertel (26,1%) im Gesamtsystem aus.

Das digitale Angebot der Onleihe ermöglicht eine Nutzung von jedem Ort außerhalb der Bibliothek, rund um die Uhr. Die Bezahlung der Jahresgebühr via Lastschrift macht die ortsunabhängige Nutzung perfekt, so dass kein Besuch der Bibliothek mehr erforderlich ist. Das ist eine Erklärung für den Rückgang der Besucherzahlen (2015: 647.309 – 2014: 709.188 – 2013: 684.983 – 2012: 678.470 – 2011: 672.177 Besucherinnen und Besucher). Die andere Erklärung: Das zweite Stockwerk war zwei Monate lang eingeschränkt zu nutzen.

Die Zahl der Ausweisbesitzer ist minimal rückläufig (2015: 26.273 – 2014: 26.706 – 2013: 26.635 – 2012: 26.651 – 2011: 26.617). Je mehr von zu Haus ausgeliehen wird, desto weniger ist zu verhindern, dass mehrere Personen einen Ausweis nutzen.

Bemerkenswert ist, dass der Anteil der Leserschaft ab 60 Jahren nun schon seit Jahren kontinuierlich zunimmt, diesmal um gut fünf Prozent (2015: 2.509 – 2014: 2.393 – 2013: 2.249 – 2012: 2.084 – 2011: 1.882). Weiterhin konstant verteilt sich altersübergreifend die Bibliotheksnutzung zwischen Frauen und Männern (64/36 Prozent).

Das Medienangebot der Stadtbibliothek setzt sich nach wie vor zu über zwei Dritteln aus Büchern und knapp einem Drittel (2015: 32% – 2014: 30% – 2013: 30% – 2012: 29,7% – 2011: 28,7%) aus audiovisuellen Medien, Tonträgern, Karten, Spielen und Zeitschriften zusammen. Die Bibliothek geht behutsam an neue Entwicklungen heran und macht neue Angebote, ohne größere Einschnitte im konventionellen Bereich vorzunehmen. Die Ausleihe der Bücher ist von 2005 bis 2015 im gleichen Zeitraum von 63 auf 53 Prozent gefallen. Die Ausleihe der elektronischen Medien stieg dagegen kontinuierlich von 31,8 auf 43,4 Prozent.

Doch das Team der Stadtbibliothek begreift sich nicht nur als Hüterin von Bücherregalen und DVD-Kisten. Es geht auch beherzt auf die Menschen zu. Das zeigt sich bei Veranstaltungen, Führungen, Lesungen, Ausstellungen und Medienpräsentationen. Deren Zahl hat einen Höchststand erreicht (2015: 724 – 2014: 684 – 2013: 668 – 2012: 705). Mehr als jede zweite davon richtete sich an die wichtigste Zielgruppe: Kinder und Jugendliche.

Einen Höhepunkt der PR-Aktivitäten bildete 2015 wieder die Aktion „StadtLesen“ vom 30. Juli bis 2. August auf dem Kartoffelmarkt. 3.000 Neuerscheinungen standen zur Verfügung, für Lesegenuss in einem Lesewohnzimmer im Freien.

Seit dem Umbau präsentiert sich die Musikbibliothek mit zusätzlich eingezogenen Wandelementen, einem neuen Teppichboden und weißen, linear geordneten Bibliotheksregalen. Als Blickfang dienen die Stirnseiten der Regale in Petrol und eine Präsentationswand im Eingangsbereich. Die Regale können bei Bedarf verschoben werden und ermöglichen für Veranstaltungen eine flexible Bestuhlung. Arbeitstische mit Beleuchtung und Stromanschluss sowie neue Sitzgelegenheiten schaffen neue Arbeits- und Lesezonen.

Die Noten sind übersichtlich in den Wandregalen gruppiert. Wer Notenwerke anspielen will, findet vor Ort ein neues Digitalpiano samt Kopfhörern. Wer in CDs reinhören mag, kann portable Player ausleihen. Der Bestand der Musikbibliothek umfasst derzeit 22.500 Noten, 5.254 CDs und 6.584 Sachbücher zur Musik.

Die Informationsabteilung startete mit grundsätzlichen Überlegungen zur Bibliothek digital, der Stadtbibliothek der Zukunft. Digitale und traditionelle Angebote nachhaltig zu integrieren – das ist eine große Herausforderung für die nächsten Jahre. Sichtbares Zeichen für dieses Bestreben ist die Anschaffung eines 3D-Druckers und eines 3D-Scanners im Dienste der Wissensvermittlung.

Fortgeführt wurden die Onleihe-Sprechstunde „eReader – so geht’s“, in der die Teilnehmer Informationen zur Nutzung der digitalen Medienangebote der Stadtbibliothek enthalten, und auch die Schülersprechstunde „InfoScout“. Bei 40 Terminen haben Info- Scouts mit Schülern und Schülerinnen nach geeigneter Literatur gesucht und deren Informationskompetenz verbessert.

Im Schuljahr 2015/2016 hat die Stadtbibliothek erstmalig in Kooperation mit dem United World College (UWC) wöchentlich eine Sprechstunde unter dem Motto „Der IT-Scout kommt“ veranstaltet. Immer mittwochs nahmen Interessierte mit ihren Fragen rund um Soft- und Hardware die Hilfe des „Spezialisten“ Simon Oberbeckmann in Anspruch. Die Zusammenarbeit verlief überaus positiv und hat generationsübergreifende Komponenten. Sie soll im kommenden Schuljahr fortgesetzt werden.

Die Stadtteilbibliotheken haben ihre Veranstaltungsreihen fortgesetzt und leisten in Haslach, Rieselfeld bzw. Mooswald wertvolle Kulturarbeit, in der Regel mit Kooperationspartnern vor Ort.

Zum 60. Geburtstags der Freiburger Fahrbibliothek war der Bücherbus der Stadtbibliothek in den Pfingstferien an ungewohnten Standorten im Stadtgebiet zu Gast und präsentierte vor der Freiburger Turnerschaft FT 1844, am Mundenhof, am Bürgerhaus am Seepark und am Waldhaus sein Medienangebot. Ansonsten fährt er regelmäßig 17 Haltestellen im Stadtgebiet an und sucht einmal pro Monat die Bibliothèque Municipale de Mulhouse auf.

Dem Freiburger Schulbibliotheksnetz „Bibliothek der Kulturen“ gehören (Stand Ende 2015) 36 Schulen an: 26 Grund- und Hauptschulen, 5 Förderschulen, 1 Realschule, 1 Berufliche Schule und 3 Gymnasien. Vier Grundschulen kamen 2015 hinzu. Die Ausleihzahlen in den Schulbibliotheken steigen unentwegt, und auch ihre Medienbestände wurden jeweils aufgestockt.

Der Info-Point Europa bietet individuelle Beratung zu Arbeit, Ausbildung, Studium, Leben in Europa, kostenloses Info-Material der EU, eine Präsenzbibliothek mit Fachpublikationen in der Hauptstelle am Münsterplatz sowie vielfältige Veranstaltungen zu Themen aus Politik, Gesellschaft und Kultur in Europa. Im Jahr 2015 waren das 30 Termine, darunter die Ausstellung „Europa besser erklären – 15 Jahre Jugendparlament am Oberrhein“.

Aktivitäten 2016 Die Stadtbibliothek beliefert seit Anfang dieses Jahres die Flüchtlingsunterkünfte mit Willkommens-Buchpaketen und ist mit dabei, wo Ehrenamtliche und Helferkreise Vorlesestunden oder Aktionen zur Lese- und Sprachförderung anbieten. Unter anderem beschäftigt die Stabi dafür einen Migranten aus Syrien, der sich speziell um dieses Aktionsfeld kümmert.

Am 20. April hat die Stadtteilbibliothek Mooswald den Umzug in ihre neuen Räume in der Wentzinger-Schule gefeiert. Unter anderem können dort auf dem Clevertouch-Bildschirm Lernspiele, kreatives Malen oder Präsentationen angewandt und erprobt werden.

Ende Oktober soll der Publikumsaufzug in der Hauptstelle dienstbereit sein – ein letzter Schritt hin zur barrierefreien Nutzung des Hauses am Münsterplatz. Dank der großzügigen Förderung der Volker-Homann-Stiftung wird die Kinder- und Jugendbibliothek neu ausgestattet. Im Eingangsbereich wird ein Raum für die Arbeit mit Gruppen, speziell aus dem Kreis der Migranten und Flüchtlinge, eingerichtet. Hier werden auch Angebote zum Thema Gaming erprobt, Wörterbücher stehen und Sprachkurse stattfinden.

Die Mediothek im Rieselfeld passt sich der veränderten Altersstruktur der Bevölkerung an und bietet verstärkt auch Medien für Erwachsene an. Ihrem Auftrag, Experimentierplattform im digitalen Bereich zu sein, kommt sie mit neuen Angeboten wie einer Tablet-Rallye nach. Auch im Rieselfeld ist ein Clevertouch-Bildschirm im Einsatz.

Quelle: Stadt Freiburg

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