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Freiburg: Freiburg Ost im Ohr – Kinder zwischen drei und zehn Jahren erforschen, wie ihr Stadtteil tönt

Pressemeldung vom 3. Dezember 2014, 12:26 Uhr

Kooperationsprojekt von Kita Haus für Kinder am Hirzberg, Hochschule für Musik und Pädagogischer Hochschule

Wie klingt Freiburg-Ost? Welche Töne und Geräusche gibt es und wo? Wie kann man sie wiedergeben – mit der Stimme, mit Instrumenten? Was prägt unsere Ohren? Warum hören zwei Menschen auf der gleichen Straße unterschiedliche Geräusche und Klänge? Hört sich die Dreisam im Winter anders an als im Sommer? Kann ein Spielplatz wie ein Instrument bespielt werden? Welche Musik kann man daraus komponieren und aufführen? Das alles und noch viel mehr wollen in den nächsten zwei Jahren die Kinder zwischen drei und zehn Jahren der städtischen Kita Haus für Kinder am Hirzberg herausfinden. Gemeinsam mit der Hochschule für Musik und der Pädagogischen Hochschule werden sich die Kinder in Ausflügen im Freiburger Osten umschauen und alles aufnehmen – mit den Sinnen und auch mit technischem Gerät. Denn aus den Spaziergängen sollen thematische Audio-Führer entstehen, so dass auch Andere später den Geräuschen des Freiburger Ostens nachlauschen können.

Als erstes haben die Kinder schon die Pädagogische Hochschule besucht und alle am Projekt beteiligten Studenten kennengelernt. Studierende des Master-Studiengang „Medien in der Bildung“?

übernehmen die Einführung in die Technik. Sie begleiten den Prozess mittels digitaler Aufnahmetechniken und dokumentieren alle Ergebnisse in einem für die Öffentlichkeit zugänglichen Audioguide und virtuellen Stadtplan. Schon auf dem Weg zur PH erfuhren die Kinder, dass auch die PH-Studierenden den Stadtteil FR-Ost erkundet haben, weil viele von ihnen neu in Freiburg sind. Die Mädchen und Jungen waren auf verschiedenen Wegen unterwegs: zu Fuß oder mit der Straßenbahn. Dies war bereits ein erster Schritt, den Stadtteil zu erfahren: am Waldsee vorbei, über den Bergäckerfriedhof. An und über diese Orte kommen Fragen und lassen auch schon Ideen für eine Hörstation entstehen.

In der Hochschule für Musik Freiburg ist das Prjekt in der Fachgruppe Elementare Musikpädagogik (EMP) und Rhythmik verortet. Kulturelle Bildung steht im Mittelpunkt einer modernen EMP an der Hochschule für Musik in Freiburg. Studierende der EMP, Rhythmik und Musikpädagogik übernehmen musikalische Aufgaben, die die Aneignung der Welt mit unterschiedlichen Sinnen ermöglicht. So können die Kinder verschiedene Stadtklänge erforschen, dies musikalisch erleben, kleine Kompositionen aus Klang und Sprache entwickeln, eine Instrumenten-Installationen sowie kleine Konzerte veranstalten. Auch hier waren in dieser Woche schon alle Hirzberg-Kinder zu Besuch und haben mit einer musikalischen Schatzsuche die Hochschule als Klangraum kennengelernt. Sie lernten dabei nicht nur „klassische Instrumente“ kennen. Die Studierende entwickelten auch ein Stück mit Alltagsgegenständen aus der Hochschule. Zum Schluss bekamen die Kinder den Auftrag, mit Alltagsgegenständen aus der Kita einen Antwort zu entwickeln. Die entstandene Musik wird auch im ersten Familienkonzert an der Hochschule, „Spielplatzmusik“ am Donnerstag, den 5. Februar, um 18 Uhr zu hören sein. Ein besonderer Schwerpunkt im Projekt wird die Zusammenarbeit mit zwei jungen, aber schon ausgezeichneten Komponisten Vania Kuorti-Papamoustou und Daniel Chernov sein, die Musik für und mit den Kindern komponieren werden.

Mit dabei ist auch das Seniorenzentrum Emmi-Seeh-Heim. Die Senioren werden ab April mit den Kindern Singen musizieren und Instrumente bauen.

Das Haus für Kinder am Hirzberg mit Kindern im Alter von drei bis zehn Jahren schließlich bringt sich mit seiner frühpädagogischen Perspektive auf den Bildungsprozess sowie mit seiner Kooperation mit freischaffenden Künstlern ein. Die Hirzbergkinder werden Orte aufsuchen und erforschen. Dazu gehört zum Beispiel ein Besuch im Ensemblehaus beim ensemble recherche oder eine Bank an der Dreisam. Einmal wöchentlich kommt ein ehemaliger Klavierstudent, der für die Kinder spielt sowie Erfahrungen am und mit dem Klavier ermöglicht. Gemeinsam mit

einem Kollegen aus dem Team, der selbst Musiker ist, wird so Musik in vielfältiger Dimension erfahrbar. Die Hortkindern arbeiten in verschiedenen Projekten. Eines ist der Schulhof der Emil- Thoma-Schule. Da sollen sie zum Beispiel unter der Leitung von Studierenden der Musikhochschule einzelne Klänge oder Geräusche aus einem großen Geräuschteppich herausfiltern oder Klänge auf dem Schulhof sowie das, was die Kinder in der Schule bewegt, wahrnehmen und dies künstlerisch verarbeiten.

Das Projekt „FR-Ost im Ohr“ kann auf einen regelmäßigen Austausch der drei Partner aufbauen: Kinder des Hauses für Kinder am Hirzberg kommen wöchentlich in die Hochschule und werden von Studierenden der EMP und Rhythmik unterrichtet. Außerdem gehen Studierende regelmäßig zum Hirzberg, um dort die Kindern zu beobachten, vor Ort zu musizieren und um sich mit den Erzieherinnen und Erziehern auszutauschen.

Bei der Vorstellung des Projekts betonen die Leiterin des Hauses für Kinder am Hirzberg, Maria Matzenmiller, und Prof. Camille Savage-Kroll von der Hochschule für Musik, dass ihnen das Wichtigste für sie bei „Freiburg-Ost im Ohr“ sei, dass von der ersten Idee bis zum Abschluss Kinder den kreativen Prozess mitgestalten werden. „Unser Ziel ist es“, so Savage-Kroll, „die Dimensionen kultureller Bildung durch Perspektivwechsel, durch künstlerische Begegnungen, durch Wissenserwerb und Erfahrungszuwachs kennen zu lernen und nachhaltig zu verankern. Nicht zuletzt soll ein für alle Beteiligten gewinnbringender Dialog entstehen, innovative Formen des Lernens möglich werden und damit die Bildungslandschaft insgesamt bereichert werden.“

Die zuständige Bürgermeisterin Gerda Stuchlik lobte die kreative und gute Zusammenarbeit der drei für Freiburg so wichtigen Institutionen: „Mit Gewinn für alle, Kinder, Studierende und alte Menschen wird hier in den nächsten zwei Jahren ein tolles Projekt laufen.“ Sie und die Leiterin des Amts für Kinder, Jugend und Familien, Marianne Haardt, bei der die Kita angesiedelt ist, bedankten sich beim Land Baden-Württemberg für die Förderung des Projekts über den Innovationsfonds Kunst2014 Projektlinie „kulturelle Bildung“. Im Rahmen des Innovationsfonds Kunst werden in diesem Jahr elf Projekte aus und in Freiburg gefördert. Eines davon ist das Projekt »Freiburg-Ost im Ohr«. Es wird mit 30.000 Euro gefördert. Mit den Projektgeldern ist es möglich, zusätzliche Lehraufträge zu gewinnen, wie zum Beispiel „kreative Musikproduktion“ an der Hochschule für Musik. Außerdem ist es möglich, eine technische Grundausstattung für die Begleitung des Projektes sowie qualitativ hochwertige Musikinstrumente für die Kinder anzuschaffen. Aber es müssen noch zusätzliche Mittel müssen eingeworben werden. Für die geplanten Adioguides FR-Ost sind schon folgende Themen angedacht:

o jahreszeitliche Wege: Wintertour, Sommerwanderung etc. o „tageszeitliche“ Wege: Abendtour, Nachtwanderung etc. o Wasserweg o Spielraumweg o sakraler Weg (St. Ottilien – St. Barbara, etc.) o Orte der Begegnung o Treffpunkte o Einkaufsmöglichkeiten: Läden, Büros und Geschäfte o Emmi-Seeh-Heim

Quelle: Stadt Freiburg

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