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Freiburg: Der soziale Kitt, der unsere Gesellschaft zusammenhält

Pressemeldung vom 18. Dezember 2014, 11:55 Uhr

OB Salomon dankt ehrenamtlich tätigen Bürgerinnen und Bürgern für ihr Engagement

Am 5. Dezember ist der Internationale Tag des Freiwilligen Engagements. Zu diesem Anlass würdigt die Stadt Freiburg alljährlich die Leistungen ehrenamtlich und freiwillig tätiger Bürgerinnen und Bürger. Auf der 14. städtischen Festveranstaltung, die heute beim diesjährigen Kooperationspartner, der Brauerei Ganter, stattfand, ehrte Oberbürgermeister Dieter Salomon stellvertretend drei Personen und drei Projekte. Darüber hinaus wurden zum vierten Mal der AOK-Preis für präventives gesundheitliches Engagement und der Wilhelm Oberle-Preis für soziales Engagement vergeben.

Dabei betonte Salomon: „Viele Engagierte sind Brückenbauer zwischen Kulturen und Generationen, zwischen Natur und Menschen. Sie fördern die Lebensqualität und Liebenswürdigkeit unserer Stadt wie auch der Region. Bürgerschaftliches Engagement ist der soziale Kitt, der unsere Gesellschaft zusammenhält.“

In Freiburg ist jede/r Vierte über 14 Jahren in Vereinen, Initiativen, kulturellen, schulischen, sozialen oder sportlichen Einrichtungen aktiv. Der Stadt Freiburg sei es daher ein zentrales Anliegen, so der Oberbürgermeister, all diesen Engagierten für ihren Einsatz zu danken: „Hierzu zählt auch die Bereitschaft vieler Unternehmen und Einrichtungen, sich ihrer gesellschaftlichen Verantwortung zu stellen und bürgerschaftliches Engagement zu fördern.“ Salomon dankte der Brauerei Ganter für das Sponsoring bei der Ausrichtung der Festveranstaltung für über 300 geladene Gäste.

Die Auswahl aus den 40 eingereichten Personen- und Projekt- Vorschlägen traf eine Jury unter Leitung von Sozialbürgermeister Ulrich von Kirchbach. Stellvertretend für die Gesamtheit der Engagierten übergab Salomon drei Personen und drei Projekten die städtische Ehrung. Gewürdigt wurden in diesem Jahr:

Günter Rosalowsky engagiert sich seit vielen Jahren in unterschiedlichen Bereichen ehrenamtlich bei der AWO-Freiburg gegen Kinderarmut. So sollte in der Kita Huckepack ein Brunnen mit Bachlauf errichtet werden. Da das Geld knapp war, fragte Rosalowsky nur „Was braucht es?“ – und wurde aktiv. Er bat die Gewerbeschule um Hilfe, suchte nach Installateuren, prüfte wo große Sandsteine als Brunnen günstig zu erhalten sind, fand Sponsoren und spendete selbst, um das Projekt umsetzen zu können. Es gibt viele weitere Beispiel der Unterstützung durch Günter Rosalowsky. So ermöglichte er einen Schwimmkurs für die Kita Fidibus, unterstützte eine alleinerziehende Mutter mit Zwillingen, organisierte Essenspatenschaften, ermöglichte Ausflüge von Kindergruppen und sorgte dafür, dass jedes Kind in der Kita einen Apfel am Tag erhält.

Ursula Jaisle ist seit den 90er Jahren mit ihrer psychologischen Fachkompetenz und Erfahrung im Heinrich-Hansjakob-Haus aktiv, dem Beratungs-, Begegnungs- und Bildungszentrum in der Talstraße. Regelmäßig berät sie bei seelischen Belastungen und Krisen, beim Verlust nahestehender Menschen, bei Konflikten oder Depression. Sie nimmt sich Zeit, begleitet einfühlsam und analysiert mit den Betroffenen die Situation, um gemeinsam passende Wege zur Problemlösung oder zur Erleichterung der Situation zu finden. Darüber gab sie einfühlsam ihr Wissen an Auszubildende und Praktikanten der Einrichtung weiter und trug zur Qualifizierung von Fachkräften bei.

Herbert Joos ist seit 61 Jahren Mitglied des Eisenbahner- Sportvereins (ESV) und gestaltet seit 56 Jahren seine Entwicklung aktiv mit. Als 1958 die Ringtennisabteilung gegründet wurde, übernahm er ihre Leitung und gab sie bis heute nicht ab. Seit 1962 ist Joos als Skilehrer aktiv; 25 Jahre lang hat er die 1967 gegründete ESV-Skischule geleitet. 1977 war er Mitbegründer der Tennisabteilung. Auf Joos geht auch die Gründung des Senioren- Stammtischs in den 90er Jahren zurück. Seit 2004 ist er Nordic- Walking-Trainer, hat seitdem über 20 Kurse geleitet und arrangiert den regelmäßigen Nordic-Walking-Mittwochstreff mit rund 25 Teilnehmenden. 2007 hob er die monatliche Senioren-Wanderung aus der Taufe. Sein Einsatz wurde auch vom Badischen und vom Deutschen Turnverband und vom Skiverband geehrt.

In der Altenheim-AG der Lessing Realschule engagieren sich Schüler freiwillig in ihrer Freizeit. Klassiker ihres Einsatzes ist das monatliche Waffelbacken, das den Heimbewohnern viel Freude bereitet. Außerdem begleiten die Realschüler die Bewohner beim „Tanzen im Sitzen“ und trainieren den Umgang mit dem Rollstuhl. Aber auch bei Geburtstagsfeiern, Ausflügen und weihnachtlichen Vorbereitungen sind die Schüler aktiv und lockern den Alltag der alten Menschen auf. Seit 2006 existiert die Kooperation zwischen der Schule und dem Pflegeheim. Ausgangspunkt war die Schüler- Mitverwaltung und die Verbindungslehrerin Hiltrud Meyer, die bei der Leitung des Heiliggeiststifts großes Interesse fand. Mittlerweile in Pension, unterstützt, berät und begleitet Meyer die Schüler weiterhin. Möglich ist der Einsatz ab der 5. Klasse. Aktuell sind neun Schüler/innen der Klassenstufen 7 bis 10 dabei.

Die Initiative Stolpersteine um Marlis Meckel, Peter Künzel und Silvia Böhm-Steinert erinnert an die Deportation von Menschen während des Nazi-Terrors. Es gibt Stolpersteine für alle Opfergruppen, ob Euthanasieopfer oder Homosexuelle, Menschen jüdischen Glaubens oder Zeugen Jehovas, ob Verweigerer oder missliebige Menschen. Im Dezember 2002 beschloss der Gemeinderat einstimmig, das Projekt Stolpersteine für Freiburg zu erlauben. Damit war Freiburg bundesweit die elfte Stadt, die gestattete, im Straßenpflaster die Stolpersteine zu verlegen. Der erste Stolperstein wurde in der Goethestraße 33 verlegt. Heute sind es dank dieser Initiative über 350 Steine. Zudem veranstaltet die Initiative unzählige private und öffentliche Führungen. Sie pflegt den Kontakt zu Angehörigen, Freunden und Nachbarn der Opfer, arbeitet mit Schulen und Jugendgruppen zusammen, organisiert Ausstellungen oder Gedenkfeiern. Und neben der Medienarbeit bietet die Initiative Vorträge für alle Interessensgruppen an.

Der Haslacher Mittagstisch ist ein Projekt der katholischen Kirchengemeinde St. Michael, der evangelischen Melanchthongemeinde und des Nachbarschaftswerks. Dabei arrangieren acht Seniorinnen seit Januar 2007 eigenverantwortlich drei Mal die Woche die Ausgabe preisgünstiger Mittagsessen für 20 bis 30 einkommensschwache Menschen in Haslach. Das warme Mittagessen zum Preis von 2 Euro stärkt die Gesundheit der Bedürftigen, führt sie aus der Isolation und erleichtert den Zugang zu sozialarbeiterischen Angeboten. Die acht Frauen organisieren dieses Angebot eigenverantwortlich und ehrenamtlich. Jeweils drei Stunden lang bereiten sie alles vor, dekorieren die Tische, nehmen die Mahlzeiten, die in der Haslacher Behindertenwerkstatt St. Konrad der Caritas gekocht werden, entgegen, geben die Essen aus und kommen mit den Gästen ins Gespräch. Nach dem Essen räumen und waschen sie die Teller ab. Die meisten Frauen sind seit der Gründung des Mittagstisch dabei und engagieren sich darüber hinaus in weiteren Bereichen.

Mit dem Wilhelm Oberle-Sozialpreis ausgezeichnet wurden die Bürgerhelfer im Club 55. Zwischen 20 und 30 langjährig Engagierte bieten hier vielfältige Betreuungen. Die Freiburger Hilfsgemeinschaft e.V. entstand 1970, um psychisch Kranken ein Leben in der Gemeinde, außerhalb von Anstalten und Kliniken, zu ermöglichen und ihnen gesellschaftliche Teilhabe zu sichern.

Der AOK-Preis für präventives gesundheitliches Engagement ging an die „[u25] – PeerberaterInnen“. Seit 2002 beraten hier Jugendliche und junge Erwachsene zwischen 16 und 25 Jahren im Rahmen des Arbeitskreises Leben (AKL) suizidgefährdete Gleichaltrige. Sie tun dies per E-Mail über die Plattform www.u25-freiburg.de, weil diese Personengruppe in der Regel keine Beratungsstelle aufsucht. Aktuell sind 40 „PeerberaterInnen“ ehrenamtlich aktiv. Im Laufe der Jahre haben Hauptamtliche des AKL über 120 Jugendliche auf die anspruchsvolle Tätigkeit vorbereitet und supervisorisch begleitet. Teamsitzungen finden 14tägig statt. Die Zahl der Anfragen pro Jahr ist von 270 (2009) auf heute 1500 bis 2000 in die Höhe geschnellt.

Quelle: Stadt Freiburg

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