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Freiburg: Auch in Freiburg Anstieg sozialer Probleme

Pressemeldung vom 30. Juli 2014, 10:20 Uhr

Kommunaler Sozialer Dienst im Amt für Kinder, Jugend und Familie leistet vielfältige Unterstützung von Familien und jungen Menschen

Freiburg ist eine schöne und beliebte Stadt in einer landschaftlich und klimatisch begünstigten Gegend. Die Stadt steht wirtschaftlich gut da, die gesamte Region ist europaweit diejenige mit den wenigsten Arbeitslosen. Die Lebensqualität ist hoch und in Umfragen äußern sich die hier lebenden Menschen regelmäßig sehr zufrieden. Und dennoch ist auch Freiburg eine normale Stadt mit Menschen, die soziale Probleme haben und allein nicht zurecht kommen, Tendenz steigend. Hilfe für diese Menschen gibt das Amt für Kinder, Jugend und Familien (AKI) mit dem Kommunalen Sozialen Dienst (KSD), bei dem 79 Mitarbeitenden tätig sind. Vier Sachgebiete des in der Karlskaserne beheimateten KSD sind für je ein Viertel der Bezirke und Stadtteile in der Betreuung und Beratung von Familien tätig. Das fünfte Sachgebiet ist die wirtschaftliche Erziehungshilfe, die für die Bewilligung und Verwaltung der Finanzwege des KSD sorgt.

Insgesamt ist der KSD zentrale Anlaufstelle für Kinder, Jugendliche, junge Volljährige, Väter, Mütter und andere Erziehungsberechtigte sowie ratsuchende Bürgerinnen und Bürger. Die Fachkräfte des KSD beraten in persönlichen, erzieherischen und familiären Fragen und vermitteln in Konfliktsituationen. Sie informieren über weitergehende, passgenaue Hilfen zur Erziehung und leiten diese ein. Wichtig ist dabei der Aufbau eines Vertrauensverhältnisses zwischen den Fachkräften und den ratsuchenden Menschen. Dazu gehört auch, dass die jeweilige Lebenswelt der Familien und jungen Menschen berücksichtigt wird. Der KSD kooperiert bei seiner Arbeit mit anderen Diensten und Einrichtungen in Freiburg.

Erst 2012 wurden die Zahl der Mitarbeitenden im KSD um 10 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter erhöht. Eine Organisationsuntersuchung hatte diesen Bedarf ermittelt. Hintergrund sind die allgemein angestiegenen Anforderungen an die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter durch den Anstieg der Komplexität der Fälle, psychische Belastungen junger Eltern und die Erhöhung der staatlichen Anforderungen im Kinderschutz an die Jugendämter.

Gesetzlicher Auftrag der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des KSD ist es, das Wohl von Kindern und Jugendlichen zu schützen. Dafür geht der KSD Hinweisen einer möglichen Kindeswohlgefährdung nach und nimmt Kontakt zu den betroffenen Familien auf. Ziel des KSD ist es, gemeinsam mit den Familien und beteiligten Institutionen wie zum Beispiel Kindergärten und Schulen, eine Lösungsmöglichkeit zum Schutz der Kinder zu entwickeln. Werden hier keine Lösungen gefunden oder wenn die Gefährdung für die körperliche und seelische Entwicklung der Kinder und Jugendlichen sehr gravierend ist, dann müssen akute Schutzmaßnahmen für die jungen Menschen zum Beispiel in Form von Inobhutnahmen getroffen werden.

Entsprechend des Bundestrends entwickelten sich auch in Freiburg die Zahlen der Inobhutnahme von 135 im Jahr 2011 auf 286 im Jahr 2013, vor allem durch die Zunahme der Zahl unbegleiteter minderjähriger Flüchtlinge. Die familienunterstützenden, ambulanten Hilfen zur Erziehung wie etwa die sozialpädagogische Familienhilfe und die soziale Gruppenarbeit entwickelten sich in den gleichen Jahren von 533 auf 850 gewährte Hilfen. Hilfen außerhalb des Elternhauses, sogenannte familienersetzende Hilfen, mussten im Jahr 2011 insgesamt 509 Mal gewährt werden und im Jahr 2013 auf 593 Mal.

„Im Vergleich zu anderen Großstädten in Baden-Württemberg liegt Freiburg mit diesen Zahlen immer noch unter dem Durchschnitt der Stadtkreise“, berichtete die zuständige Bürgermeisterin Gerda Stuchlik. Wichtige Aufgabe des Jugendamtes in Gänze sei es, so Stuchlik, Kinder und Jugendliche vor Gefahren für ihr Wohl zu schützen. „Bei dieser Aufgabe dürfen wir keine Kompromisse machen“, unterstrich Stuchlik. Die gesetzliche Grundlage für die Arbeit des Jugendamtes legt das Sozialgesetzbuch VIII, Kinder- und Jugendhilferecht fest. „Das Jugendamt mit dem KSD soll helfen, dass Eltern, Kinder und Jugendliche in ihrer individuellen und sozialen Entwicklung gefördert werden. Außerdem soll es dazu beitragen, soziale oder private Missstände zu beseitigen oder die Betroffenen auf diesem Wege zu begleiten“, erklärte Stuchlik.

Die Leiterin des AKI, Marianne Haardt, berichtete, dass die gesamtgesellschaftlichen Entwicklungen mit Armutsbedingungen, Gewaltbereitschaft und die rasante Veränderungen in Werten und Lebensformen auch die Lebenssituationen der Familien und generell der Menschen in Freiburg prägen. „Mit den daraus resultierenden Problemen wird der KSD tagtäglich durch einzelne Familien konfrontiert“, berichtet Haardt. „Dies zieht hohe Anforderungen an die fachlichen und menschlichen Kompetenzen der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des KSD nach sich.“

Im Einzelnen bietet der KSD folgende Unterstützungen an: – Unterstützung und Förderung von Familien, – Beratung und Hilfen in Fragen zur Erziehung von Kinder, in verschiedenen familiären und persönlich schwierigen Lebenslagen, – persönliche Hilfen für Flüchtlingsfamilien in Wohnungen, – Einleitung von geeigneten und notwendigen Hilfen zur Erziehung, – Mitwirkung in familiengerichtlichen Verfahren und Unterstützung bei der Entwicklung einvernehmlicher Konzepte für die Wahrnehmung der elterlichen Sorge bei Trennung, Scheidung oder Umgang, – die Vermittlung und Begleitung von Kindern in Pflegefamilien, – Beratung rund um das Thema Adoption und Adoptionsvermittlung, – Haus- und Familienpflege.

„Wir sind ein Team von erfahrenen Fachkräften und gehen sensibel und vertraulich mit den uns anvertrauten Informationen um“, sagte die Leiterin des KSD, Ursula Kolb. „Für unsere Beratung müssen die Hilfesuchenden nichts bezahlen. Die Beratungsgespräche können zu Hause oder in unserer Dienststelle stattfinden“ berichtet sie. Beiden, Stuchlik wie Haardt, ist wichtig, dass betroffene Familien eine gute und passgenaue Hilfe und Beratung bekommen. „Das AKI ist gut aufgestellt“, resümiert Stuchlik. „Wir möchten allen, die Hilfe benötigen, eine passgenaue Unterstützung ermöglichen.“

Ein Fallbeispiel von vielen: Eine Frau wuchs als jüngstes Kind von drei Geschwistern unter einfachen Bedingungen in einer Kleinstadt in Süddeutschland auf. Sie musste gewalttätige Auseinandersetzungen ihrer Eltern erleben. Mit 19 Jahren wird sie Mutter eines Sohnes. Die Beziehung mit dem Kindsvater, der sich nicht um das Kind kümmert, endet in heftigen Auseinandersetzungen. Nach der Trennung heiratet sie kurze Zeit später einen früheren Jugendfreund. Aus der Ehe gehen zwei weitere Kinder im Abstand von zwei Jahren hervor. Auch hier gibt es starke Auseinandersetzungen, die die kleinen Kinder mitbekommen. Schließlich scheitert die Ehe, der Vater zieht aus und hält wenig Kontakt zu seiner Familie. Da es ein standardisiertes Kooperationsverfahren zwischen Amtsgericht und Jugendamt gibt, bekommt die Frau daraufhin ein Schreiben mit einem Beratungsangebot des Jugendamtes, auf das sie jedoch nicht reagiert.

Die Frau lebt dann alleinerziehend und wird durch Schule und den Kindergarten das erste Mal auf gewalttätige Verhaltensauffälligkeiten ihrer beiden erstgeborenen Kinder hingewiesen. Die Kindesmutter verweigert Beratungsangebote des Kindergartens und der Schule. Wegen zunehmend störendem und aggressivem Verhalten der Geschwister in der Öffentlichkeit nehmen Kindergarten und Schule nach einem standardisierten schriftlichen Verfahren Kontakt mit dem Jugendamt auf. Es wird berichtet, dass die Kinder ein auffälliges Verhalten zeigen und sich und anderen verletzen.

Ein weiteres Beratungsangebotsschreiben des Jugendamtes an die junge Kindesmutter führt zu einem vereinbarten Hausbesuch des für den Bezirk zuständigen Jugendamtsmitarbeiters. Bei einem Hausbesuch einer Mitarbeiterin des Sozialdienstes werden Überforderungstendenzen bei der Mutter deutlich. Im gemeinsamen Gespräch bricht die zunächst ablehnende Haltung der Kindesmutter auf. Sie erklärt schließlich, dass sie sich mit der Erziehung und der Strukturierung des Alltages überlastet sieht. Sie fühle sich von den Vätern der Kinder alleine gelassen und werde sie von ihrem Ex- Mann am Telefon terrorisiert. Zudem seien in der Vergangenheit hohe Schulden angefallen und es drohe aufgrund von Mietrückständen die Kündigung der Wohnung. Der Sozialarbeiterin klärt über Unterstützungs- und Beratungsmöglichkeiten auf. Mit Unterstützung einer Sozialpädagogischen Familienhilfe soll die Frau bei der Alltagsstrukturierung begleitet werden. Zudem soll die Fachkraft im Kontakt mit der Schule und der Kindertageseinrichtung vermitteln. Wegen der Auffälligkeiten der älteren Geschwister sollen Abklärungsgespräche mit den behandelnden Kinderärzten begleitet werden. Es wird auch ein Termin mit der Schuldnerberatung vereinbart und begleitet. Aufgrund des anhaltenden Beziehungskonfliktes werden Beratungsgespräche in der psychologischen Beratungsstelle der Stadt arrangiert.

Quelle: Stadt Freiburg

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