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Freiburg: Aktionswoche Altersarmut – „Bis gestern ging’s noch – Alter, Armut, Schulden“ 18. bis 20. Juni

Pressemeldung vom 11. Juni 2012, 12:35 Uhr

Drei Informationsveranstaltungen für Betroffenen mit Rat von
Expertinnen und Experten

Der demografische Wandel macht auch vor der Armuts- und
Schuldenproblematik nicht halt. Das kann auch die städtische
Schuldnerberatung genau beobachten: Sie verzeichnet seit 2005
bei dem Anteil der über 60-Jährigen, die ihre Beratung aufsuchen,
einen Zuwachs von 4 auf 12 Prozent. Dies bekommt nochmals
mehr Bedeutung vor dem Hintergrund, dass die Beratungsstelle
überwiegend Schuldnerinnen und Schuldner berät, die durch das
Jobcenter zugewiesen wurden und deshalb meist noch jünger
sind. Wenn man dann noch bedenkt, dass viele ältere Menschen
Geldprobleme aus Scham und „weil man über solche Dinge nicht
spricht“ verschweigen, muss man annehmen, dass es noch viel
mehr ältere Menschen mit Geldproblemen gibt. Es ist
grundsätzlich davon auszugehen, dass der tatsächliche Anteil von
Seniorinnen und Senioren, die ihnen zustehende
Transferleistungen wie ergänzende Grundsicherung oder
Wohngeld nicht abrufen, wesentlich höher ist, als bei Jüngeren.
Aus diesem Grund hat die diesjährige bundesweite Aktionswoche
Schuldnerberatung sich für dieses Jahr das Motto „Bis Gestern
ging’s noch – Alter,Armut, Schulden“ gewählt. Auf einer
Pressekonferenz stellten heute Sozialbürgermeister Ulrich von
Kirchbach gemeinsam mit Vertreterinnen und Vertretern von
Schuldnerberatungen verschiedener Träger das grundsätzliche
Problem sowie drei Informationsveranstaltungen zum Thema vor.

Der Begriff Altersarmut meint nicht das physische
Existenzminimum, also die ausreichende Versorgung mit
Nahrung, Kleidung und einer Wohngelegenheit. Das ist in
Deutschland durch die Grundsicherung weitgehend gesichert. Die

Höhe der Grundsicherung im Alter und bei Erwerbsminderung
beträgt momentan im Durchschnitt 695 Euro pro Monat für einen
allein Lebenden und 1.090 Euro pro Monat für ein Ehepaar.

Bei der Berechnung der Grundsicherung ist das sogenannte
sozio-kulturelle Existenzminimum, also die Teilhabe am
kulturellen und sozialen Leben nicht in Gänze einberechnet. Nach
der Definition der Europäische Union ist ein Mensch dann
armutsgefährdet, wenn er ein monatliches Nettoeinkommen von
weniger als 60 Prozent des mittleren Einkommens des Landes
hat. Dies wäre für über 65-Jährige eine Grenze von 983 Euro.
Das wiederum würde bedeuten, dass alle
Grundsicherungsempfänger/innen armutsgefährdet sind. Wie
auch immer die Definition ausfällt – Fakt ist, dass arme Menschen
von Verschuldung mehr und häufiger bedroht sind als
Wohlhabende.

Andere Faktoren kommen dazu: Zum Beispiel nutzen mehr und
mehr Seniorinnen und Senioren das Internet und erkennen häufig
zu spät, welche Gefahren für sie bei Onlineverträgen bestehen.
Auch für Telefon- und Haustürgeschäfte sowie Gewinnspiele sind
ältere Menschen eine wesentliche Zielgruppe. Bei häufig von
Älteren gebuchten „Kaffeefahrten“ schließen sie nicht selten
vorschnell Kaufverträge ab. Oder aber Schicksalsschläge wie
Krankheiten, die zum Beispiel die weitere Ausübung von
Nebentätigkeiten erschweren oder unmöglich machen, oder auch
der Tod eines Partners können sehr schnell in finanzielle
Verschuldung führen. Gerade Ältere wollen niemandem zur Last
fallen, und nehmen auch öffentliche Hilfeleistungen häufig nicht in
Anspruch. Ältere Menschen sprechen über finanzielle Notlagen
häufig aus Scham nicht.

Sozialbürgermeister Ulrich von Kirchbach erklärt: „Auch wenn
Schuldnerberatungsstellen die Armut nicht beseitigen können, so
können sie doch informieren, wie man Ver- und Überschuldung
vermeidet oder bereits Betroffene informiert, was man tun kann,
um die Schuldenproblematik in den Griff zu bekommen.“ Um die
generellen Informationen breiter streuen zu können, bietet die
Arbeitsgemeinschaft Schuldnerberatung Region Freiburg im
Rahmen der bundesweiten Aktionswoche der Schuldnerberatung
vom 18. bis 22. Juni verschiedene Informationsnachmittage zum
Thema „Alter – Armut – Schulden“ an. Kirchbach: „Ich würde mich
freuen, wenn es gelänge, mit dieser Aktion eine große Anzahl
betroffener und auch interessierter Seniorinnen und Senioren zu
erreichen, um aufzuklären und zu helfen.“

Die Veranstaltungen finden statt am:
Montag, 18. Juni 15.00 Uhr bis ca. 16.30 Uhr
Seniorenwohnanlage, Freytagstraße 6

Montag, 18. Juni 15.00 Uhr bis ca. 16.30 Uhr
Seniorenwohnanlage,
Sulzburgerstraße 4

Dienstag, 19. Juni 14.30 Uhr bis ca. 16.00 Uhr
Heinrich-Hansjakob-Haus, Talstr. 29

Vertreterinnen und Vertreter der Schuldner- und
Seniorenberatung informieren über Hintergründe von
Verschuldung im Alter, über tägliche Beratungspraxis und über
Möglichkeiten und Angebote zu Wegen aus vorhandenen
Schulden.

Quelle: Stadt Freiburg

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