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Biberach: Weihnachtsbrauch – Christkindle-Ralasse

Pressemeldung vom 15. Dezember 2015, 11:54 Uhr

Pünktlich um 17 Uhr sollten am Donnerstag, 24. Dezember fürs Christkindle-Ralassa alle Lichter auf dem Marktplatz gelöscht werden sowohl in den Geschäftsräumen als auch in den Wohnungen. Nach der Feier, von etwa 17:50 Uhr an, können die Lichter wieder angemacht werden.

Programmablauf: Ab 17 Uhr werden, wie jedes Jahr am Heiligen Abend rund 6000 Lebkuchen von Mitgliedern des Hospitalrates verteilt.

Um 17.30 Uhr, wenn die Lichter am Christbaum auf dem Marktplatz erloschen sind, wird das Biberacher Pastorale unter der Leitung von Andreas Winter gespielt. Dann folgen die Weihnachtslieder „Vom Himmel hoch“, „O du fröhliche“ und Stille Nacht“. Mit dem Lied „Stille Nacht“ schwebt das Christkind herunter. Es folgt das Lied „Herbei o ihr Gläubigen“. Zum Schluss, während sich das Christkind wieder nach oben bewegt, wird eine Strophe des von Justinus Heinrich Knecht komponierten Liedes „Wie können wir Vater der Menschen Dir danken“ gesungen. Es begleiten Mitglieder der Stadtkapelle Biberach, der Kleinen Schützenmusik und Mitglieder umliegender Kapellen. Mit Glockengeläut und dem Wiederanzünden der Giebelbeleuchtung an den Häusern geht die Feier zu Ende.

Neue Erkenntnisse haben ergeben, dass dieser einzigartige Brauch des „Christkindle-Ralassa“ bereits um 1820 von Apotheker Stecher an seinem Haus durchgeführt worden ist. Otto Herzog hat diesen Hinweis in einem Buch von Otto Funk über Generalvikar Hetsch entdeckt. In diesem Buch sind Briefe von Hetsch abgedruckt. In einem dieser Briefe schreibt er 1873: „…ein gar freundliches Kinderangedenken ist mir die gemütvolle Sitte, ein ‚Christkindle‘, mit Lichtern umgeben, am Christabend im Apotheker Stecherschen Hofe von einem Taglicht des Hinterhauses herabzulassen, während wir Kinder ein Weihnachtslied sangen…“ von Konditor Ruppert wurde dann dieser Brauch fortgeführt, der in seinem Haus an der Gymnasiumstraße, dessen Fenster mit kleineren Transparenten geschmückt waren, eine beleuchtete Christkindfigur an einer Schnur auf und nieder zog und den Kindern der Nachbarschaft Lebkuchen und anderes Weihnachtsgebäck schenkte. Auch der Nachfolger Rupperts, Konditor Keller, führte diesen Brauch weiter. Weil es immer mehr Kinder wurden, übernahm im Jahre 1904 der Hospital zum Hl. Geist diese Aufgabe. Gleichzeitig wurde die weihnachtliche Feier von der Gymnasiumstraße in den Spitalhof verlegt. Ein „Stadtbüttel“ stand am Eingangstor, verteilte Lebkuchen und die Alumnen begleiteten mit ihren Instrumenten damals noch die Weihnachtslieder und spielten das Biberacher Pastorale. Als mit der Zeit auch der Spitalhof zu klein wurde, verlegte die Hospitalverwaltung 1960 das „Christkindle-Ralassa“ auf den Marktplatz.

Das Biberacher Christkind ist übrigens eine Arbeit des Bildhauers Georg Lesehr und stammt aus dem Jahre 1959/60.

Quelle: Stadtverwaltung Biberach

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