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Biberach: Start konkreter Maßnahmen zur Umsiedlung der Saatkrähen in Laupheim

Pressemeldung vom 1. Dezember 2016, 16:10 Uhr

In den Parkanlagen der Stadt Laupheim gibt es seit den 1970er Jahren eine zunehmende Zahl von Saatkrähen, wodurch es teilweise zu erheblichen Belästigungen der Anwohnerschaft kommt.

Beim aktuellen Lösungsansatz geht es darum, Brut- und Lebensräume der Saatkrähen außerhalb Laupheims so attraktiv wie möglich – und zeitverzögert – Brut- und Lebensräume in der Stadt so unattraktiv wie möglich zu gestalten. In mehreren Runden Tischen und unter Einbindung von Experten wurden mögliche Vorgehensvarianten auf Basis einer von der Stiftung Naturschutzfonds Baden-Württemberg geförderten Machbarkeitsstudie unter Einbezug aller für einen Erfolg notwendigen Akteure wie Land- und Forstwirtschaft, Jagd, Naturschutz, betroffene Bürger, Stadt Laupheim, Bundeswehr etc. entwickelt.

Bei der Fixierung konkreter Maßnahmen wurde deutlich, dass in Bezug auf Art, Ort und Umfang der geplanten Umsiedlungsmaßnahmen diese im Detail mit den Regelungen des Bundesnaturschutzgesetzes abzugleichen sind. Das ist auch der Grund; warum die Projektumsetzung deutlich mehr Zeit in Anspruch nimmt als ursprünglich erwartet. Zudem galt es einen Rahmen zu definieren, unter dem es der Jägerschaft möglich ist, einer vorübergehenden Jagdruhe auf Rabenkrähen zuzustimmen. Diese Herausforderungen konnten nun gemeistert werden.

Der grundsätzlich auch mit der Stadt und dem Regierungspräsidium abgestimmte Konsens besteht darin, dass in möglichst gleichmäßiger Verteilung in der Laupheimer Innenstadt an den dortigen Koloniestandorten insgesamt 40 Saatkrähennester abgebaut und in das Zielgebiet „Bibri“ außerhalb der Stadt umgesetzt werden. Es wird davon ausgegangen, dass durch den teilweisen Nestabbau die lokale Population nicht erheblich beeinträchtigt wird. Die Biotopverbesserungsmaßnahmen im Zielgebiet sind parallel zu beginnen.

Für die Jägerschaft ist die Zustimmung zur Jagdruhe auf Rabenkrähen in Bereichen des Rißtales an ein begleitendes Monitoring von Niederwild- und geschützten Vogelarten (Kiebitz), die Definition von Ziel, Umfang und Erfolg der Maßnahmen sowie an begleitende Biotopverbesserungen geknüpft. Das Landratsamt ist sehr erfreut, dass sich die Jäger nach einem intensiven Austausch von Sachargumenten sehr konstruktiv begleitend u. a. über eine zeitlich fixierte Jagdruhe auf Rabenkrähen in den Brut- und Nahrungsbiotopen der Saatkrähen in das Projekt einbringt.

Konkret erfolgen nun Anfang Dezember 2016 die Auswahl von bis zu 40 abzubauenden Nester im Stadtbereich sowie die Auswahl der Zielbäume in der freien Landschaft des Rißtales, in die die Nester eingebaut werden sollen, um ein optimales Lockbild für die Saatkrähen zu erreichen. Dabei wird die Durchführung des Nestab- und aufbaus durch eine Fachfirma erfolgen. Als weitere Maßnahmen werden Saatkrähen am neuen Standort in der Bibri mit Hilfe von akkustischen Klangattrappen mit Saatkrähenrufen angelockt, ein entsprechendes Monitoring und Öffentlichkeitsarbeit laufen parallel. Daneben erfolgt die Ausbringung von Nistmaterial im Zielgebiet (z.B. aus zerfallenen Saatkrähennestern). Hierfür zeichnet unter Verwendung der noch seitens der Stiftung Naturschutzfonds zur Verfügung stehenden Fördermittel bis zum Jahresende 2016 die untere Naturschutzbehörde des Landratsamtes verantwortlich.

Mit Jahresbeginn 2017 wird die Federführung der Maßnahmen an die Stadt Laupheim übergehen. Das Landratsamt wird die weiteren Maßnahmen als Genehmigungsbehörde sowie beratend begleiten. In diesem Zusammenhang kann die Stadt Laupheim aus eigenem Ermessen für das Jahr 2017 einen Antrag auf eingeschränkte Vergrämungsmaßnahmen von Saatkrähen in Teilbereichen der Innenstadt stellen. Im Falle eines solchen Antrages ist erneut eine enge fachliche Abstimmung mit dem Regierungspräsidium Tübingen und der Unteren Naturschutzbehörde erforderlich. Bis dahin gilt es aber keine Möglichkeit zu versäumen, um alle geplanten Maßnahmen im Vorfeld der ab Januar 2017 beginnenden Nestbau- und Brutzeit durchzuführen. Die weiteren Schritte werden u. a. auf einem umfassenden Monitoring der durchgeführten Maßnahmen ausgearbeitet.

Zusatzinformationen:

Die besonders geschützte Saatkrähe unterliegt dem Schutz der EU-Vogelschutzrichtlinie und des Bundesnaturschutzgesetzes. So ist es verboten, der Saatkrähe nachzustellen, sie zu fangen, zu verletzen oder zu töten oder ihre Entwicklungsformen aus der Natur zu entnehmen, zu beschädigen oder zu stören. Sie unterliegt (nach wie vor) nicht dem Jagdrecht. Illegale Vergrämungsaktionen aus der Bevölkerung führten z.B. zu einer weiteren Zersplitterung der Kolonien, zur Verlängerung der Brutzeiten und letztlich zur Zunahme der Art. Deshalb sollte ein langsamer kontrollierter Umlenkungsdruck auf die innerstädtischen Kolonien aufgebaut werden, um eine Migrationsbewegung ins Rißtal auf die dort optimierten und gesicherten Standorte zu erreichen.

Quelle: Landratsamt Biberach

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