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Backnang: Informationsveranstaltung zur islamischen Krankenhausseelsorge

Pressemeldung vom 19. Mai 2014, 10:12 Uhr

Im Fritz-Schweizer-Saal des Backnanger Bürgerhaus, Bahnhofstraße 7, findet am Sonntag, 18. Mai, von 14 bis 17 Uhr eine Informationsveranstaltung zur Ausbildung in der islamischen Krankenhausseelsorge statt, bei der sich nicht nur die muslimische Bevölkerung über die Initiative informieren kann. Das Mannheimer Institut für Integration und interreligiösen Dialog e. V. und die Stadt Backnang laden hierzu herzlich ein.
Muslimen fehlt bei Krankheit, insbesondere in krisenhaften Situationen, die Begleitung durch islamische Seelsorgerinnen und Seelsorger, die ihre Sprache sprechen und den kulturellen und religionsspezifischen Hintergrund haben. In der Region soll nun auch nach erfolgter Ausbildung die islamische Krankenhausseelsorge etabliert werden. Das Ministerium für Integration Baden-Württemberg unterstützt diese landesweite Initiative. Die Basisausbildung und Zusatzausbildung Krankenhausseelsorge, zu deren Lehrplan der Zentralrat der Muslime seine Zustimmung gegeben hat, umfassen rund 190 Stunden Unterricht und 55 Stunden Praktikum in einer Krankenanstalt, begleitet von 25 Stunden Supervision. Da die Teilnehmerinnen und Teilnehmer meist unter der Woche berufstätig sind, findet der Unterricht an den Wochenenden statt. Ausbildungsort ist mit Blick auf die Entfernung und Fahrtzeit aller Teilnehmer in Stuttgart. So ist es möglich, unter Berücksichtigung der Ferienzeiten, die Ausbildung im Zeitraum von sieben bis neun Monaten zu absolvieren und dann die ehrenamtliche Tätigkeit in einem Krankenhaus, einer Klinik oder einem psychiatrischem Zentrum aufzunehmen.
Muslimische Frauen und Männer sind aufgerufen, sich ehrenamtlich zu engagieren. Der Dienst am Menschen kann sehr bereichernd und befriedigend sein. Die Seelsorge ist jedoch auch mit persönlichem Einsatz verbunden: Zunächst der Zeitaufwand für die Ausbildung und anschließend die Tätigkeit mit zuvor vereinbarter fester Zeit einmal wöchentlich im Krankenhaus und gelegentlichen Abrufen. Voraussetzung für die Arbeit ist die Zweisprachigkeit, meist die Beherrschung der deutschen und der türkischen oder auch der arabischen Sprache. Nur durch die Mehrsprachigkeit können die Seelsorgerinnen und Seelsorger Gespräche mit den Patienten und Verwandten führen, sich aber auch mit Ärzten und Pflegekräften besprechen. Zudem sollte die Familie der Bewerberinnen und Bewerber mit der Tätigkeit einverstanden sein und der Arbeitgeber sollte darüber informiert sein.
Bei der Informationsveranstaltung wird auf das Thema der persönlichen Eignung besonders eingegangen, weil diese entscheidend für die Seelsorgetätigkeit und die Integration in die Organisation der Krankenanstalten ist. Eine erste Initiative gab es in den Jahren 2008 bis 2010 mit Pilot-Ausbildungsgängen „Islamische Seelsorge“ für 32 islamische Seelsorgerinnen und Seelsorger, die auch vom Mannheimer Institut für Integration und interreligiösen Dialog e.V. durchgeführt wurde. Nach einer viel beachteten Fachtagung im Jahr 2010 und einer Evaluierung wurde im Mai 2011 die Initiative „Islamische Krankenhausseelsorge in der Metropolregion Rhein-Neckar“ vom Mannheimer Institut für Integration und interreligiösen Dialog e.V. angestoßen. Das Mannheimer Institut ist innerislamisch neutral. Diese Ungebundenheit erlaubt es, mit allen islamischen Vereinen und Glaubensgemeinschaften zusammenzuarbeiten. Damit kann die Zusammensetzung aus den verschiedenen muslimischen Bevölkerungsgruppen und islamischen Konfessionen bei den Auszubildenden gewährleistet werden.
Seit Juli 2012 sind nun nach Ausbildung neunzehn Seelsorgerinnen und Seelsorger an 21 Krankenhäusern, Kliniken und psychiatrischen Zentren in der Metropolregion Rhein-Neckar aktiv. Erstmals in Deutschland wird dieser wichtige Schritt zur Versorgung eines Bundeslandes gemacht und durch ein engmaschiges Netz von Seelsorgern auch Hilfestellung bei Großschadensereignissen möglich. Dazu machen die Seelsorger nach und nach auch eine Zusatzausbildung für die Notfallseelsorge. Seelsorge, ein Verfassungsanspruch, wird so für Muslime das, was sie für jede Bürgerin und jeden Bürger sein sollte: Normalität und Hilfe in krisenhaften Lebenssituationen.

Quelle: Stadt Backnang

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