Energiewechsel

Backnang: Grußwort von Oberbürgermeister Dr. Frank Nopper anlässlich der 8. Backnanger Wirtschaftsgespräche

Pressemeldung vom 5. August 2010, 08:20 Uhr

Meine sehr geehrten Damen und Herren,
liebe Gäste,
für den heutigen Abend müssen Sie sich nur vier Zahlen merken: drei, acht, vier und dreiundsiebzig. Ich begrüße Sie alle ganz herzlich namens und im Auftrag der drei Veranstalter zu den 8. Backnanger Wirtschaftsgesprächen im historischen Garten der Villa Breuninger, die dankenswerter Weise von vier Hauptsponsoren und weiteren dreiundsiebzig Sponsoren gefördert und unterstützt werden. Die Große Kreisstadt Backnang, der Industrieverein für den Raum Backnang und der BDS Gewerbeverein Backnang bilden auch in diesem Jahr den furchtlosen und treuen Dreibund für die Backnanger Wirtschaftsgespräche. Die Sponsorentroika der vergangenen Jahre bestehend aus der Harro Höfliger Verpackungsmaschinen GmbH, der Kreissparkasse Waiblingen und der Volksbank Backnang eG wird in diesem Jahr zur Sponsorenquadriga, weil sich die Tesat-Spacecom als viertes Zugpferd hat einspannen lassen. Die neue Rekordmarke von weiteren 73 Sponsoren zeigt, wie stark der Rückhalt der Backnanger Wirtschaftsgespräche in unserer regionalen Wirtschaft ist.

Noch nie in der Geschichte der Backnanger Wirtschaftsgespräche war der Hauptredner und Ehrengast ein Backnanger Unternehmer oder Unternehmensleiter. Aber, an Peter Schlote und der Tesat-Spacecom führt kein Weg vorbei und mein erster Willkommensgruß gilt deswegen natürlich auch ihm. Die Tesat, die Backnang gemeinsam mit anderen zu einem Zentrum der Weltraumkommunikation macht, ist bereits seit Jahren ein leuchtender Stern am Backnanger Wirtschaftshimmel. Aber der Tesat-Stern leuchtet heute heller denn je. Die Tesat hat vor wenigen Wochen ihren 1000. Mitarbeiter eingestellt und will bis zum Jahresende fast 1200 Mitarbeitern Lohn und Brot geben. Am Standort Gerberstraße wird das Unternehmen in den Jahren 2010 und 2011 insgesamt eindrucksvolle 8 Millionen Euro in Gebäude und Infrastruktur investieren. Die Hightech-Schmiede Tesat erweist sich damit als Innovations- und Investitionsmotor in unserer Stadt.

Seit einem starken Jahr ist Peter Schlote Vorsitzender der Geschäftsführung der Tesat-Spacecom GmbH & Co. KG. Seine wichtigsten Stationen, vor seiner ruhmreichsten, der in Backnang, waren: 1991 Studienabschluss im Studiengang Elektrotechnik an der Fachhochschule des Saarlandes. 2000 Einzug in die EADS- Zentrale. 2008/2009 Studium und Graduierung an der National Defence University in Washington D.C.. Peter Schlote ist Global Player, aber, er ist auch Saarländer von Geburt und Geblüt. Er ist Global Player, aber ein solcher mit mittlerweile fast schon schwäbischer oder besser gesagt Backnanger Bodenhaftung. Er hat sich also von der Saar über den Potomac River in Washington an die Murr vor- und hochgearbeitet. Seit einem Jahr lebt und arbeitet er in Backnang und hat, da er lernfähig ist, in dieser Zeit einen Schnellkurs in schwäbischer Sprache und Lebensart höchst erfolgreich absolviert. Ich bin überzeugt, dass er trotz dieses Crashkurses einige wichtige Regeln noch nicht kennt, die unser Backnanger Landsmann und Freund Thaddäus Troll einst Reigschmeckten an die Hand gegeben hat. Trolls Regeln, wie man sich als Nicht-Schwabe gegenüber Ur-Schwaben nicht verhalten sollte, lauten in leicht modifizierter Form wie folgt:

Einem Schwaben, der sich bemüht, Schriftdeutsch zu sprechen, sagen: Ich verstehe Sie nicht, sie sprechen so komisch.
Einen Mercedesfahrer, dessen Hobby Segeln ist, fragen: Ist der Zapfen hinten an ihrem Auto für den Viehtransport?
Einem Schwaben, der viel Grundbesitz hat, sagen, er habe aber viel Grundbesitz.
Einen Schwaben fragen: „Was schaffet Sie eigentlich?“

Im Golfclub einen Gewerkschafter als Mitglied vorschlagen.
Sich über die Kehrwoche lustig machen.
Einem Schwaben sagen, dass es Leute gebe, die noch ärmer seien und noch mehr schaffen müssten als er.

In einer schwäbischen Wirtschaft ein Ripple bestellen und es seinem Hund füttern.

Eine Backnangerin in der Spielbank Baden-Baden fragen, weshalb sie das Nerzjäckchen und das Brilliantencollier nie in Backnang trage.

Einen schwäbischen Unternehmer fragen, ob er um 9 Uhr morgens schon im Geschäft sei.
Und jetzt kommt der schlimmste Verstoß, den ein Reigschmeckter überhaupt je begehen kann: Dreist behaupten, Florenz sei schöner als Backnang.
Unter uns sind jede Menge Reigschmeckte, aber auch viele Schwaben. Mein erster Gruß gilt meinen Mitstreitern und Mitveranstaltern, gilt Harro Höfliger und Lothar Buchfink. Der eine ist ein Mann, dem man von 1.000 Meter Entfernung ansieht und anhört, dass er kein Reigschmeckter ist: Unser schwäbischer Vorzeigeunternehmer Harro Höfliger, der mit seinem Unternehmen von einem Erfolg zum anderen eilt. Übrigens mit nunmehr 561 Mitarbeitern, bei den letzten Backnanger Wirtschaftsgesprächen vor einem Jahr waren es noch 525. Der andere, Lothar Buchfink, handelt schwäbisch fleißig mit reigschmeckten Produkten aus dem Land der aufgehenden Sonne, allerdings mit solchen auf der Basis einer der größten schwäbischen Erfindungen, dem Automobil.

Nach erfolgreich überstandenem Banken-Stress-Test sind heute Abend auch die Vertreter unserer Regionalbanken und Hauptsponsoren, der stellvertretende Vorstandsvorsitzende Ralph Walter für die Kreissparkasse Waiblingen, Direktion Backnang und Vorstand Gerhard Zanker für die Volksbank Backnang eG wie es scheint krisen- und stressresistent erschienen.
Die 8. Backnanger Wirtschaftsgespräche haben weitere acht Persönlichkeiten nicht außer Acht gelassen, auf die Sie heute Abend besonders Acht geben sollten. Der Bundestagsabgeordnete Norbert Barthle, der Landtagsabgeordnete Wilfried Klenk, die Fraktionsvorsitzenden der beiden größten Gemeinderatsfraktionen, die beiden Herren Stadträte Dr. Volker Schwarze und Heinz Franke, die Herren Kollegen Erster Bürgermeister Michael Balzer, Bürgermeister Ralf Wörner aus Allmersbach sowie Bürgermeister Karl Ostfalk aus Auenwald und nicht zuletzt Ralf Michelfelder, Leiter der Polizeidirektion in Waiblingen, aber in Backnang polizeilich gemeldet.

Zwei Herren sind heute Abend nicht zu ihrem Vergnügen eingeladen worden, sondern zu einem offiziellen Übergabegespräch, aber immerhin im stimmungsvollen Ambiente der Villa Breuninger: Mein herzlicher Gruß gilt unserem früheren Wirtschaftsförderer und neuen Bürgermeister der Stadt Welzheim Thomas Bernlöhr sowie unserem neuen Wirtschaftsförderer und Organisator der 9. Backnanger Wirtschaftsgespräche Dr. Ralf Binder. Als weiteren Backnang-Neuankömmling begrüße ich Helmut Wagner. Er steigt von Winnenden nach Backnang auf und wird ab 15. September Leiter des städtischen Bauverwaltungs- und Baurechtsamtes mit Zuständigkeit für die Stadt Backnang sowie für die vereinbarte Verwaltungsgemeinschaft Backnang und damit für das gesamte gelobte Backnanger Verwaltungsland. Mein Dankesgruß gilt aber auch den vielen städtischen Mitarbeitern, welche die heutige Veranstaltung mit großem Elan vorbereitet und organisiert haben, stellvertretend für alle nenne ich unseren Stadtmarketing-Manager Dennis Andres sowie seine tatkräftige Assistentin Manuela Maier.

Ein Schwabe in der Welt, besser gesagt ein schwäbischer Schaffer aus Australien ist heute ebenfalls wieder unter uns. Ein herzliches Grüß Gott geht an unseren Backnanger Freund Fred Glasbrenner mit Frau Zara, der es in Australien als Abalone-Unternehmer zu Ruhm und Ehre brachte.

Meine sehr geehrten Damen und Herren, gestatten Sie mir noch vier Botschaften. Drei gute und eine schlechte. Die schlechte zuerst: Das Ringen um das Backnanger Verkehrsdreigestirn – B 14, Autobahnzubringer L1115 und S-Bahn-Ringschluss – entwickelt sich jeweils aus ganz unterschiedlichen Gründen zunehmend vom Lustspiel in drei Akten mit freudvoller Perspektive zum freudlosen Drama, das die Geduld des Publikums auf eine harte Probe stellt. Der mit Freudengesängen von Bund und Land angekündigte, ja gar versprochene Weiterbau der B 14 bis zum alten Schulhaus in Maubach wurde bis auf Weiteres sang- und klanglos abgesagt. Mit Ihrer aller Unterstützung müssen wir jetzt solange ein Trommelfeuer entfachen, bis der versprochene B 14-Weiterbau tatsächlich umgesetzt wird. Immerhin scheint – nach allem was wir wissen – der B 14-Anschluss Backnang-Mitte, der unserer Hartnäckigkeit bei den Verhandlungen zur neuen Biomasseanlage des Landkreises zu verdanken ist, wie geplant bis 2012 zu kommen. Der Ausbau des mittlerweile auf 48 Millionen Euro geschätzten Autobahnzubringers, für den allerdings auch keine Zusagen vorlagen, bleibt vorläufig im Planfeststellungsverfahren für den Mittelabschnitt stecken. Beim S-Bahn-Ringschluss habe ich meinen Optimismus noch nicht ganz aufgegeben. Mit allem, was in unserer Macht steht, müssen wir dafür sorgen, dass der S-Bahn-Ringschluss doch noch eine freudvolle Perspektive bekommt und es bei der Verschiebung des Betriebsbeginns um ein Jahr auf Ende 2012 bleibt.

Zu den drei guten Botschaften: Auch wenn die Krise der Kommunalhaushalte im Jahr 2010 jetzt auch die bislang verschonte Murr-Metropole erreicht hat, führen Beschlüsse aus den vergangenen Jahren und auch das Konjunkturprogramm des Bundes trotz des Hinausschiebens von einzelnen Maßnahmen im laufenden Jahr zu Bauinvestitionen der Stadt Backnang in neuer Rekordhöhe von 18,5 Millionen Euro. Dies gibt der Stadt einen Erneuerungsschub und auch unserer regionalen Bauwirtschaft einen enormen Auftrieb.

Die Nachfrage nach Bauplätzen im Industrie- und Gewerbegebiet Lerchenäcker hat wieder angezogen. Gegenwärtig laufen drei Ansiedlungsmaßnahmen. Wie die meisten von Ihnen noch nicht wissen dürften, steht eine größere Baumaßnahme unmittelbar bevor. Genauer gesagt, mit den Erdarbeiten wurde bereits begonnen. Der Unternehmer Hermann Püttmer, den ich ganz herzlich gemeinsam mit seinem Sohn Marcus in unserer Mitte begrüße, wird für seinen Metall- und Fassadenbaubetrieb Riva in den Lerchenäckern auf einer Fläche von mehr als zwei Hektar rund 10 Millionen Euro investieren und dort 80 bis 100 Arbeitsplätze ansiedeln. Der Betrieb soll im Frühjahr 2011 aufgenommen werden.

Der gordische Knoten für Bleichwiese und Schweizerbau ist jetzt für jeden ersichtlich zerschlagen. Tüchtige Bauhandwerker haben von Schweizerbau und Bleichwiese Besitz ergriffen. Insgesamt werden dort 15 Millionen Euro bewegt, 11 Millionen durch private Investoren für Schweizerbau und Bleichwiesen-Kubus, 2 Millionen durch Bund und Land sowie weitere 2 Millionen durch Stadt und Stadtwerke. Wir können uns alle auf die Fertigstellung und auf eine Aufwertung der Backnanger Innenstadt ab Frühjahr 2011 freuen. Aber nicht nur die Bauarbeiten sind voll im Gange, sondern auch eine Vielzahl von Verträgen mit Einzelhändlern ist bereits in trockenen Tüchern. In den umgebauten Schweizerbau kommen voraussichtlich ab Anfang April 2011 wie bisher: Sport Hettich und Optik Jaudes und neu: die Textilhändler Mister & Lady Jeans sowie Fritz Jeans, der Familien- und Kindertextilhändler Ernstings’s family, der Schuhhändler Street, der bisher in der Marktstraße 44 ansässige Bastelmarkt, die Drogeriekette Rossmann sowie der Biolebensmittler Denn’s.

Meine sehr geehrten Damen und Herren, da unser Referent Saarländer ist und uns heute über „Strategisches Management in modernen Unternehmen“ berichten wird, habe ich mich auf die Suche nach typisch saarländischen Managementformen begeben. Ich konnte zwei typische saarländische Managementformen ermitteln:
Management by „Leije losse“. Man macht überhaupt nichts. Immerhin ein mehr oder weniger bewusster Akt.

Management bei „Deichseling“. Man baut auf Synergie-Effekte und rechnet mit der Bedeutung so genannter informeller Strukturen. Im Klartext heißt das: Man überlegt sich zuerst einmal, ob man jemanden kennt. Wenn man niemanden kennen sollte, tritt der Saarländer in die zweite Phase ein und überlegt sich: „ob er jemanden kenne kennt, der wo ähner kenne kennt.“
Ich bin mir sicher, dass auch Peter Schlote immer jemanden kennt, oder zumindest jemanden kennt, der jemanden kennen könnte. In jedem Fall kennt er sicherlich nicht nur die saarländischen Managementtechniken, sondern ist darüber hinaus auch ein profunder Kenner vieler anderer Managementformen, regionaler, nationaler, internationaler und sicherlich vor allem auch der wichtigsten, der schwäbischen.

Wie die meisten von Ihnen spätestens seit dem vergangenen Jahr wissen, war an der Stelle des historischen Gartens der Villa Breuninger, an der wir uns gerade befinden, der erste und lange Zeit einzige Tennisplatz in Backnang. Ich bin überzeugt, dass Peter Schlote als Chef eines Weltraumunternehmens diesen Tennisplatz heute zu einer rhetorischen Raketenabschussrampe macht. Bevor er seine Raketen zündet, erhält Lothar Buchfink als Vorsitzender des mitveranstaltenden BDS Gewerbevereins Backnang nun Gelegenheit zu einem Grußwort und damit letztlich auch für den Countdown.

Quelle: Stadt Backnang

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